Mit dem Stierkopf durch die Museumswand

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Prominent: Eine Arbeit von Jörg Immendorf aus Privatbesitz ist noch diesen Sonntag im Dominikanermuseum zu sehen. Foto: al

Privates bleibt oft hinter verschlossenen Türen. Bei der Ausstellung „privatissimo!“ im Rottweiler Dominikaner-Museum ist das anders, denn die Schau bietet Einblicke in private Kunstsammlungen aus der Region. Der Besuch lohnt – und ist nur noch diesen Sonntag möglich.

Werke von rund 30 Künstlerinnen und Künstlern sind zu entdecken. Das Spektrum reicht von einem Geflecht aus Grüntönen des äthiopisch-deutschen Malers Engdaget L. Amede bis zu einer für den Bildhauer Rudolf Wachter typischen, an Schnecken erinnernden Holzspirale.

Bezüge zur Region beschränken sich dabei nicht darauf, dass die Werke aus Sammlungen aus der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg stammen – auch darüber hinaus sind sie zahlreich. So waren mehrere gezeigte Künstler bereits im Forum Kunst zu Gast – so Engdaget L. Amede 2020. Oder 2011 Walter Kütz, der mit dem monumentalen Kopf eines wie von außen durch die Wand gerannten Stieres einen der stärksten Akzente dieser Schau setzt. Oder Stefan Strumbel, der schon mehrfach im Forum Kunst vertreten war. Er jagt bei „privatissimo!“ gleichsam eine Wildsau durchs Museum – und fügt damit seiner Auseinandersetzung mit den Themen Heimat und Schwarzwald eine weitere Nuance hinzu, wenn auch dieses Mal weniger provokativ als mit Handgranaten an Kuckucksuhren, die in Rottweil von ihm ebenfalls bereits zu sehen waren.

Der zentrale Bezug zur Region besteht freilich darin, dass die Schaffenskraft mehrerer Künstlerinnen und Künstler aus der Gegend mit gezeigt wird. Das freut, spricht für eine kluge Auswahl – und belegt einmal mehr, dass Qualität nicht nur in der sprichwörtlichen Ferne zu finden ist.

Das illustrieren unter anderem die poetische Blüten-Pracht einer Arbeit von Angela M. Flaig, eine subtile Larve von Willi Bucher oder eine komprimierte, raue Kleinskulptur von Erich Hauser. Dabei kann man auch bei bekannten Namen noch Entdeckungen machen. Etwa mit einer frühen Arbeit von Jürgen Knubben von 1974: In einer Art Vitrine hat er allerhand Metall-Fragmente aufgeschichtet, was nun wie ein Querschnitt einer archäologischen Grabung aus Industrie-Vorzeiten anmutet.

Bei allen schönen Bezügen zur Region: In die Falle, eine selbstgefällige Nabelschau zu bieten, tappt die Ausstellung nicht. Der stilistische und geografische Horizont ist weit – wie etwa das vor Gesichtern überquellende „Café de Flore“ (1991) des Malers, Aktivisten und Provokateurs Jörg Immendorf zeigt – oder ein die Blicke aufsaugendes, geheimnisvolles Männer-Portrait des 1982 geborenen koreanischen Malers Yongchul Kim.

Solch spannende Werke, die bald wieder hinter verschlossene Türen ins Privaten wandern, nicht gesehen zu haben, wäre schade.

Info: Die Ausstellung „privatissimo!“ im im Kunst Raum Rottweil des Dominikanermuseums ist noch diesen Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

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