Rottweil – Mit dem Aschenkreuz und einem gut besuchten Gottesdienst hat im Rottweiler Heilig-Kreuz-Münster die 40-tägige Fastenzeit begonnen. Vikar Nico Schmid rief in seiner Predigt dazu auf, das Fasten nicht auf Verzicht zu reduzieren – sondern als Chance zur Umkehr zu begreifen.
Zum Gottesdienst am Abend des Aschermittwochs hatten sich im Heilig-Kreuz-Münster erfreulich viele Menschen versammelt – für einen Werktagsgottesdienst keine Selbstverständlichkeit. Mit diesem Tag beginnt die 40-tägige Fastenzeit, die Vorbereitungszeit auf Ostern. Manchen wird dadurch bewusst, dass es ohne Aschermittwoch keine Fasnet gäbe – bedeutet doch „Fastnacht“ die Nacht beziehungsweise die Tage vor Beginn der Fastenzeit.
Im Gottesdienst wurden alle Besucherinnen und Besucher mit dem Aschenkreuz einzeln gesegnet. Pastoralassistentin Nina Strasser, Gemeindereferentin Sigrun Mei und Vikar Nico Schmid teilten es aus. Die Asche wird durch das Verbrennen von Palmzweigen des vergangenen Palmsonntags gewonnen – und erinnert dadurch wieder an die Vorbereitungszeit auf Ostern. „Bedenke, Mensch, dass du Staub bist, und wieder zum Staub zurückkehren wirst“ – das sind die eindrücklichen Worte, die zur Austeilung des Aschenkreuzes gesprochen werden. Dieses deutliche Memento Mori erinnert daran, dass wir alle sterben müssen.
Die österliche Bußzeit, wie die Fastenzeit korrekt heißt, will zur Umkehr rufen, zur Besinnung auf das, was wirklich wichtig ist im Leben. Die Lesung aus dem Buch Joel machte deutlich, worauf es ankommt: „Kehrt um zum Herrn, euerm Gott! Denn er ist gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Huld.“ Und der Apostel Paulus schreibt im zweiten Korintherbrief: „Lasst euch mit Gott versöhnen! Siehe, jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade; siehe, jetzt ist er da, der Tag der Rettung.“ Im Matthäus-Evangelium wurde verkündet: „Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler! Du aber, wenn du fastest, salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest.“
In seiner Predigt nahm Vikar Nico Schmid diese Gedanken auf und entfaltete sie mit Überlegungen, die er dem Buch „Lebenslust“ des Theologen und Arztes Manfred Lütz entnommen hat. Was bedeutet Fasten? Oft wird es mit Verzicht erklärt: auf Schokolade, Alkohol, Medien oder das Auto. Dabei gehe es eigentlich nur um das Ich und die Frage: Was nützt mir? Es gehe aber um mehr, um Umkehr. Menschen sollten sich Zeit nehmen für Stille, das Gebet und auch Almosen geben. „Denn man kann sich freuen, weil Gott versprochen hat, uns nie zu verlassen.“
Während der Fastenzeit gilt im Kirchenraum auch das „Fasten mit den Augen“: Die Flügelaltäre werden geschlossen, sodass die Festtagsseiten nicht sichtbar sind – so auch im Münster. Und es gibt das „Fasten mit den Ohren“, denn bis Ostern wird das „Halleluja“ nicht mehr gesungen und es gibt kein Orgelspiel am Ende der Gottesdienste.



