Ermittler an einem Tatort. Symbol-Foto: Peter Arnegger

Kriminalstatistik 2025: Weniger Straftaten im Kreis Rottweil – aber mehr Gewalt gegen Polizisten und steigende Zahl bei Tötungsdelikten

Die Kriminalität im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Konstanz ist 2025 deutlich zurückgegangen. Auch der Landkreis Rottweil verzeichnet weniger Straftaten. Doch einzelne Bereiche geben Anlass zur Sorge.

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Die Gesamtzahl der Straftaten im Bereich des Polizeipräsidiums Konstanz ist im Jahr 2025 um zehn Prozent auf 28.328 Fälle gesunken. Zu dem Polizeipräsidium Konstanz gehören neben dem Landkreis Rottweil auch die Kreise Konstanz, Tuttlingen und Schwarzwald-Baar. Im Landkreis Rottweil wurden 4.125 Straftaten ohne Ausländerrecht registriert – ein deutlicher Rückgang gegenüber den 5.004 Fällen im Vorjahr. Die sogenannte Häufigkeitszahl, die die Straftaten pro 100.000 Einwohner abbildet, sank im Kreis Rottweil von 3.500 auf 2.941 und liegt damit deutlich unter dem Landesdurchschnitt von 4.643.

Statistisch betrachtet kann das Leben in der Region also als vergleichsweise sicher bezeichnet werden, wie die Polizei betont. Doch das Gesamtbild hat Schattenseiten.

Mehr Tötungsdelikte, mehr Angriffe auf Einsatzkräfte

Besorgniserregend ist der Anstieg bei den Straftaten gegen das Leben: Präsidiumsweit wurden 28 Fälle gezählt, deutlich mehr als der Fünf-Jahres-Mittelwert von 23. Acht Menschen kamen ums Leben. Im Landkreis Rottweil wurden sechs solcher Taten registriert – so viele wie im Vorjahr und mehr als der langjährige Durchschnitt von vier Fällen.

Einen neuen Höchststand erreichte die Gewalt gegen Einsatzkräfte: 402 Polizeibeamte und 17 Rettungskräfte wurden im gesamten Präsidiumsbereich während ihrer Arbeit angegriffen – so viele wie nie zuvor. Im Landkreis Rottweil gingen die Fallzahlen bei Angriffen auf Polizisten zwar leicht auf 72 zurück, bei den Attacken auf Rettungskräfte stieg die Zahl hingegen von einem auf fünf Fälle. Alkohol spielt dabei nach wie vor eine wesentliche Rolle: 216 der insgesamt 358 Tatverdächtigen im Präsidiumsbereich waren alkoholisiert.

Körperverletzungen und Messerangriffe rückläufig

Einen positiven Trend gibt es bei den Körperverletzungsdelikten: Im Landkreis Rottweil sanken sie von 683 auf 584 Fälle. Auch bei Messerangriffen zeigt die Tendenz insgesamt nach unten – im Kreis Rottweil ist sie aber um fünf auf 35 Fälle gestiegen. Präsidiumsweit kamen vier Menschen durch Messergewalt ums Leben, 15 weitere wurden schwer verletzt.

Der Landkreis Rottweil in Zahlen

Straftaten gesamt (ohne Ausländerrecht): 4.125 (Vorjahr: 5.004)

Häufigkeitszahl: 2.941 (Vorjahr: 3.500)

Aufklärungsquote: 66,6 Prozent (Vorjahr: 69,8 Prozent)

Straftaten gegen das Leben: 6 (Vorjahr: 6)

Körperverletzungsdelikte: 584 (Vorjahr: 683)

Wohnungseinbrüche: 48 (Vorjahr: 41)

Messerangriffe: 35 (Vorjahr: 30)

Gewalt gegen Polizeikräfte: 72 (Vorjahr: 75)

Gewalt gegen Rettungskräfte: 5 (Vorjahr: 1)

Opfer häuslicher Gewalt: 204 (Vorjahr: 230)

Drogentote: 1 (Vorjahr: 1)

Wohnungseinbrüche steigen weiter

Im Landkreis Rottweil stieg die Zahl der Wohnungseinbrüche von 41 auf 48 Fälle. Der Trend nach oben hält damit seit dem Ende der Corona-Pandemie an, als historische Tiefstwerte registriert worden waren. Allerdings: Verglichen mit 2015, als allein im gesamten Präsidiumsbereich 642 Einbrüche gezählt wurden, haben sich die Fallzahlen mehr als halbiert. Die Aufklärungsquote sank allerdings deutlich – von 32,3 auf 15,7 Prozent. Auffällig: 72,5 Prozent der ermittelten Tatverdächtigen waren nichtdeutsch.

Rauschgiftkriminalität sinkt drastisch – aber härtere Drogen im Umlauf

Im gesamten Bereich des Polizeipräsidiums brach die Rauschgiftkriminalität um 46,4 Prozent auf 819 Fälle ein. Hinter dem Rückgang der reinen Fallzahlen verbirgt sich allerdings ein beunruhigender Trend: Es werden zunehmend härtere und gefährlichere Betäubungsmittel konsumiert. 193 Fälle betrafen allein Kokain. Im Landkreis Rottweil wurde ein Drogentoter registriert, im gesamten Präsidium waren es zwölf.

Betrugsmaschen – so schützen Sie sich

Schockanrufe und falsche Polizeibeamte richten weiterhin hohe Schäden an. Die Polizei rät: Legen Sie sofort auf, wenn Anrufer unter Zeitdruck Geld oder Wertsachen fordern. Die echte Polizei ruft niemals an, um Bargeld oder Schmuck „in Sicherheit“ zu bringen. Sprechen Sie mit Angehörigen über diese Maschen. Beim Anlagebetrug gilt: Misstrauen Sie Angeboten mit unrealistisch hohen Renditen im Internet. Überweisen Sie niemals Geld an unbekannte Plattformen. Im Zweifel hilft ein Anruf bei der Polizei oder der Verbraucherzentrale.

Anlagebetrug explodiert

Besonders dramatisch hat sich der Anlagebetrug entwickelt: Die Fallzahlen stiegen um 80 Prozent auf 380 Fälle, die Schadenssumme verdoppelte sich auf rund 15,8 Millionen Euro. Auch Schockanrufe und falsche Polizeibeamte bleiben ein Problem – die Schadenssumme bei den 52 innerhalb des Präsidiums registrierten Anrufstraftaten hat sich mit 1,7 Millionen Euro nahezu verdoppelt. Die Kriminalpolizeidirektion Rottweil konnte 22 Tatverdächtige festnehmen. In einem Fall wurden durch eine einzige Festnahme 26 Geldübergaben verhindert.

Polizeipräsident Jürgen von Massenbach-Bardt mahnte trotz der insgesamt rückläufigen Zahlen: „Hinter jeder Straftat stehen Menschen, die Belastungen, Vermögensverluste oder gar Verletzungen erleiden und in ihrem Sicherheitsgefühl beeinträchtigt sind.“ Schwerpunkte der Polizeiarbeit sollen unter anderem die lageorientierte Präsenz, die Kontrolle von Messerverboten, die Prävention bei digitalen Kriminalitätsformen und das konsequente Vorgehen gegen Angriffe auf Einsatzkräfte sein.

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