Schram­berg-Sul­gen. Mal schnell aus der Schram­ber­ger Tal­stadt zur Stif­tung St. Fran­zis­kus im Stadt­teil Hei­li­gen­bronn. Eine Stre­cke, für die man selbst bei anstän­di­ger Fahr­wei­se sonst acht bis zehn Minu­ten benö­tigt, wird am Mitt­woch, dem ers­ten Schul­tag nach den Feri­en, zur Gedulds­pro­be. Ein Selbst­ver­such.

Schon deut­lich unter­halb der Abfahrt Rich­tung Sul­gen staut sich der Ver­kehr.

Ver­kehr auf dem Sul­gen kommt zum Erlie­gen – km lan­ge Staus“, geben die NRWZ-Kol­le­gen aus Rott­weil am Mitt­woch um 8.06 Uhr einen Face­book-Bei­trag an die Schram­ber­ger NRWZ-Redak­ti­on wei­ter. Die jour­na­lis­ti­sche Neu­gier ist geweckt. Hier gibt es nur eins, sel­ber raus und schau­en, was los ist.

Start um 8.32 Uhr auf hal­bem Weg zwi­schen H.A.U. und Hans Sachs. Auf der Bun­des­stra­ße ist es ruhig, vom Park­platz geht es ohne War­te­zeit auf die Durch­gangs­stra­ße. Zunächst fließt der Ver­kehr völ­lig nor­mal. Doch nach weni­gen Minu­ten ist Fei­er­abend. Auf hal­ber Stre­cke zwi­schen Glas­bach­kur­ve und Abfahrt Rich­tung Sul­gen steht der Ver­kehr.

Noch ist die lin­ke Spur für Ein­satz­kräf­te frei.

Wäh­rend der Groß­teil auf der rech­ten Spur bleibt, es könn­ten ja Ein­satz­fahr­zeug von Rotem Kreuz, Feu­er­wehr oder Poli­zei schnell vor­bei müs­sen, nut­zen ande­re die Über­hol­spur. Doch weit kom­men sie nicht. Weni­ge Meter wei­ter oben, ver­engt sich die Stra­ße auf eine Fahr­spur.

Ein Blick aufs Navi: Links die gesperr­te Bun­des­stra­ße, ansons­ten jede Men­ge rot für Staus.

Um 9.02 Uhr ist es end­lich bis zur David-Dei­ber-Stra­ße geschafft. Dort ste­hen die Autos vom Ecken­hof her eben­falls im Stau. Eini­ge, die ins Tal wol­len, drü­cken sich, statt rechts an der Ver­kehrs­in­sel gegen­über dem ehe­ma­li­gen Auto­haus Hils vor­bei­zu­fah­ren, links an ihr über die Gegen­fahr­bahn vor­bei. Ein Auto­fah­rer der auf der Schram­ber­ger Stra­ße die David-Dei­ber-Stra­ße zuge­stellt hat, muss zurück­set­zen, damit die ande­ren wie­der durch­kom­men. Zum Glück set­zen auch die dahin­ter fol­gen­den bei­den Fahr­zeu­ge zurück, die aber die Über­sicht behal­ten hat­ten, und genü­gend Platz dafür gelas­sen haben. An ande­rer Stel­le wen­den immer wie­der ein­zel­ne Auto­fah­rer und suchen ande­re Wege. Wo es aller­dings lega­le Aus­weich­mög­lich­kei­ten gibt, bleibt Ihr Geheim­nis.

Ein Blick in den Rück­spie­gel in der Schram­ber­ger Stra­ße.

Auf dem Weg Rich­tung Bären­platz, der um 9.11 Uhr in Sicht­wei­te ist, ver­lässt dann eini­ge die Geduld. Obwohl die Rech­berg­stra­ße nur für Anlie­ger offen ist, fah­ren eini­ge in der Schram­ber­ger Stra­ße über die Gegen­fahr­spur und bie­gen nach links ins Wohn­ge­biet ab. Auch aus dem Wohn­ge­biet her­aus sind mehr Autos als gewöhn­lich zu beob­ach­ten. Wei­ter geht es nach meh­re­ren Rot­pha­sen der Ampel über den Bären­platz in die Rott­wei­ler Stra­ße. Die Vier­häu­ser-Häu­ser-Stra­ße ist um 9.22 Uhr erreicht. Auch dort ste­hen die Autos im Stau. Als orts­kun­di­ger Fah­rer weiß man aber, wie man sich auf lega­le Wei­se aus dem Ver­kehrs­knäul befrei­en kann.

Mehr Autos als üblich fah­ren durch die Rech­berg­stra­ße.

Nun geht es zügig vor­an. Die Stif­tung St. Fran­zis­kus, wie gesagt, ansons­ten in acht bis zehn Minu­ten erreicht, ist nach ins­ge­samt 56 Minu­ten erreicht.

Dort war­ten die Leh­rer gedul­dig auf ihre Schü­le­rin­nen und Schü­ler. Zwi­schen­zeit­lich hat sich her­um­ge­spro­chen, dass alle, die über die Sul­ge­ner Umlei­tung müs­sen, zu spät kom­men wer­den.

Lan­ge Gesich­ter gibt es, als es um die Fra­ge geht, wie lan­ge die Bau­stel­le auf der Umfah­rung Sul­gen noch bestehen wird. Aktu­ell gehen die Ver­ant­wort­li­chen von Anfang Dezem­ber aus.

Auto an Auto auf der Schram­ber­ger Stra­ße.

Nach­dem das Ziel um 9.28 Uhr erreicht war, geht es nach weni­gen Minu­ten – viel war ja nicht zu erle­di­gen, hin muss­te man aber trotz­dem – wie­der zurück ins Tal. Start ist um 9.38 Uhr. Um 9.41 Uhr ist der Stau Rich­tung Bären­platz erreicht. Er beginnt in der Hei­li­gen­bron­ner Stra­ße in Höhe der Haus­num­mer 62. Das Navi hat dazu sei­ne ganz eige­nen Ide­en. Ihm ist anschei­nend nicht bekannt, dass zwi­schen­zeit­lich die eine oder ande­re Stra­ße nur noch für Anlie­ger zuge­las­sen ist.

Also geht es wei­ter durch den Stau. Lei­der ist die Abfahrt Rich­tung Aich­hal­den noch nicht umge­baut. So geht es erst auf die lin­ke Spur, wo ein stör­ri­scher jun­ger Fah­rer (mit falsch her­um auf­ge­setz­ter Schild­müt­ze und coo­ler Son­nen­bril­le) zunächst nichts davon hält, ande­re vor sich her­ein­zu­las­sen. Ein paar Meter wei­ter geht es wie­der nach rechts Rich­tung Schram­berg. Dort klappt der Reis­ver­schluss.

Ein Blick in die Hei­li­gen­bron­ner Stra­ße.

Wäh­rend es ab hier Rich­tung Tal ganz gut läuft, sieht es Rich­tung Sul­gen auf der Bun­des­stra­ße noch schlim­mer aus, als bei der Hin­fahrt. Die Fahr­zeu­ge stau­en sich, teil­wei­se auf bei­den berg­wärts füh­ren­den Spu­ren, bis unter­halb der Glas­bach­kur­ve. Um 10.08 Uhr ist der Selbst­ver­such nach 15,4 Kilo­me­ter und 96 Minu­ten unter­wegs sein, davon nur gera­de mal zehn Minu­ten für das Gespräch am Ziel, been­det. Doch es ist eini­ges an Zeit auf der Stre­cke geblie­ben.

Es beschleicht einen das ungu­te Gefühl, wie das nur in den kom­men­den Tagen, Wochen und Mona­ten gehen soll. Also, ein Anruf im Rat­haus, viel­leicht weiß man dort ja Rat. Der zustän­di­ge Mit­ar­bei­ter ist zwar gera­de in einem Gespräch, wird aber zurück­ru­fen. Wir wer­den berich­ten, sobald die Reak­ti­on vor­liegt.

Zwi­schen­zeit­lich mel­den sich um 10.13 Uhr die NRWZ-Kol­le­gen aus Rott­weil wie­der und geben einen Face­book-Bei­trag wei­ter: „Noch mal vie­len Dank an die Pla­ner der Bau­stel­le Schram­berg-Sul­gen. 😡 Momen­tan Stau bis zur Glas­bach­kur­ve und durch Sul­gen durch bis zur Lau­ren­ti­us Kir­che. Viiiiiel Zeit ein­pla­nen.“

Der Stau vom Tal Rich­tung Sul­gen ist noch län­ger gewor­den.

Bleibt abzu­war­ten, wie es in den kom­men­den Tagen wei­ter­geht. Auch wenn es rich­tig ist, dass die Umfah­rung saniert wird, die Ver­kehrs­si­tua­ti­on ist für alle Ver­kehrs­teil­neh­mer, aber auch für die Anwoh­ner, nur schwer erträg­lich, um nicht zu sagen uner­träg­lich.

Update

Um 12.39 Uhr mel­det sich der zustän­di­ge Fach­be­reichs­lei­ter für Recht und Sicher­heit der Stadt Schram­berg, Mat­thi­as Reh­fuß, bei der NRWZ. Ihn hat­ten wir um eine Stel­lung­nah­me gebe­ten. Am Vor­mit­tag war er in Bespre­chun­gen.

Für Reh­fuß hat sich die Situa­ti­on in Sul­gen „wie erwar­tet und befürch­tet“ ent­wi­ckelt. Von Sei­ten der Stadt Schram­berg war gefor­dert wor­den, den über­ört­li­chen Schwer­ver­kehr umzu­lei­ten und die Durch­fahrt zu ver­bie­ten. Der Ver­kehr zwi­schen A 5 und A 81 wür­de dann durch den Tun­nel in Horn­berg flie­ßen. Für Reh­fuß steht fest: „Die Bür­ger müs­sen ent­las­tet wer­den.“ Eben die Her­aus­nah­me des über­ört­li­chen Schwer­ver­kehrs sieht die Stadt als Mög­lich­keit, für eine spür­ba­re Ent­las­tung zu sor­gen.

Den­noch rech­net er damit, dass sich die Situa­ti­on nach zwei bis drei Tagen zumin­dest etwas ent­spannt. Dies ist zumin­dest die immer wie­der gemach­te Erfah­rung mit der­ar­ti­gen Situa­tio­nen.

Ange­spro­chen dar­auf, dass bis­her nur ein Teil der im Anschluss an die Ver­kehrs­schau ange­kün­dig­ten Maß­nah­men umge­setzt sind, ver­weist Reh­fuß auf die vol­len Auf­trags­bü­cher der Fir­men, von denen die Schil­der her­ge­stellt wer­den. Er hofft, dass etwa die Öff­nung der rech­ten Spur in der Hei­li­gen­bron­ner Stra­ße Rich­tung Schram­berg noch die­se oder spä­tes­tens nächs­te Woche erfol­gen kann. Dort muss an der Abfahrt Rich­tung ein Aich­hal­den eine pro­vi­so­ri­sche Ver­kehrs­in­sel ent­fernt und eine neue Beschil­de­rung ange­bracht wer­den.

Um 13.28 Uhr mel­det sich Manue­la Klaus­mann von der Geschäfts­stel­le des Han­dels- und Gewer­be­ver­eins per E‑Mail: „Habe gera­de Ihren „Erfah­rungs­be­richt“ zur Umlei­tung Sul­gen gele­sen. Die­ses The­ma hat mich auch fast den gan­zen Mor­gen beschäf­tigt, da sich bei mir etli­che Gewer­be­trei­ben­de gemel­det haben, die mas­si­ve Pro­ble­me durch die Umlei­tung haben. Dies sind erheb­li­che Umsatz­ein­bu­ßen sowohl auf dem Sul­gen (Tank­stel­len, Ein­zel­han­del an der Umlei­tungs­stre­cke wer­den nicht besucht) und auch der Tal­stadt (Kun­den von aus­wärts kom­men nicht). Bei den Indus­trie­un­ter­neh­men wer­den die Zei­ten für Anlie­fe­rung und Abho­lung durch die LKWs nicht mehr ein­ge­hal­ten und bei Ver­spä­tung wer­den die LKW dann nicht mehr abge­fer­tigt.“

Nach­trag

Die glei­che Fahrt am Don­ners­tag, nur etwas frü­her: Start um 7.15 Uhr. Die Stif­tung St. Fran­zis­kus ist um 7.27 Uhr erreicht.