Happy End nach monatelangem Konflikt in Rottweil: Acht Hebammen wechseln in Festanstellung

Geburtshilfe in Helios-Klinik gesichert.

Stehen gemeinsam für die Geburtshilfe in Rottweil: (v. l.) Dr. Markus Zenz, Chefarzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, Hebammen Dana Adam, Katrin Kleiner und Jessica Wenzler sowie Klinikgeschäftsführer Moritz Lang. Foto: pm
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Nach der bundesweit beachteten Kündigung aller Beleghebammen an der Helios-Klinik Rottweil gibt es nun eine Lösung: Acht Geburtshelferinnen nehmen das Angebot der Festanstellung an. Die Geburtshilfe am Standort ist damit gesichert.

Rottweil. Es waren bewegende Monate in Rottweil: Im November hatten die elf Beleghebammen der Helios-Klinik geschlossen gekündigt – ein bundesweit einmaliger Schritt, der wie ein Lauffeuer durchs Land ging. Über 500 Menschen demonstrierten Mitte November in der Innenstadt ihre Solidarität mit den Geburtshelferinnen. Fernsehsender aus ganz Deutschland berichteten. Nun gibt es Entwarnung: Acht Hebammen wechseln zum 1. April in die Festanstellung.

Die frohe Botschaft überbrachte Klinikgeschäftsführer Moritz Lang höchstpersönlich beim Kreißsaalabend am heutigen Mittwoch. „Damit ist klar, dass Rottweil auch künftig ein Ort bleibt, an dem Kinder zur Welt kommen“, betonte Lang. Dass die Geburtshilfe vor Ort gesichert werden könne, sei ausdrücklich den Hebammen zu verdanken: „Sie haben Verantwortung übernommen und konstruktiv an Lösungen mitgearbeitet.“

Klares Bekenntnis zum Standort

Für die Hebammen selbst ist die Entscheidung mehr als nur eine berufliche Weichenstellung. „Viele von uns sind seit Jahren eng mit dem Kreißsaal in Rottweil verbunden“, erklärt Jessica Wenzler, Sprecherin des Hebammenteams. „Die Festanstellung gibt uns Sicherheit und eine klare Perspektive. Wir freuen uns, die Geburtshilfe weiterhin auf gewohnt hohem Niveau fortzuführen und weiterzuentwickeln.“

Mit der Festanstellung der acht Geburtshelferinnen soll das Team zudem weiter wachsen. „Wir freuen uns über Bewerbungen von Hebammen, die Teil eines engagierten Teams werden und die Geburtshilfe vor Ort aktiv mitgestalten möchten“, so Wenzler.

Hintergrund: Neuer Vertrag mit bitteren Folgen

Über Jahre hinweg hatte die Zusammenarbeit zwischen Helios-Klinik und den Beleghebammen hervorragend funktioniert. Rund 800 Geburten jährlich unterstreichen die Bedeutung des Kreißsaals für die Region. Doch im November 2025 kündigten die Hebammen geschlossen ihre Verträge – Grund waren neue Vergütungsregelungen, die der GKV-Spitzenverband in Abstimmung mit dem Deutschen Hebammenverband festgelegt hatte.

Der neue Hebammenhilfevertrag, der zum 1. November in Kraft trat, brachte statt Verbesserungen erhebliche finanzielle Einbußen für Beleghebammen mit sich. Während bislang für alle gleichzeitig betreuten Gebärenden 100 Prozent abgerechnet werden konnten, waren es künftig nur noch 80 Prozent – ab der dritten Frau sogar nur noch 30 Prozent. Die Verantwortung und Haftung blieben jedoch bei 100 Prozent.

„Wir sind alle völlig am Rande“, hatte Hebamme Simone Fischer damals der NRWZ gesagt. Der Frust und die Wut richteten sich gegen den GKV: „Er zerstört ein bisher sehr gut funktionierendes System.“

Von der Protestaktion zur Lösung

Die Rottweiler Hebammen wurden mit ihrer Entscheidung zu Vorreiterinnen: Ihre geschlossene Kündigung war bundesweit nahezu einmalig. Die Solidarität in der Bevölkerung war überwältigend. Drei Rottweiler Mütter organisierten die Demonstration unter dem Motto „Wir wollen unsere Hebammen behalten“. Hunderte Unterstützerinnen und Unterstützer zogen durch die Innenstadt – mit Transparenten wie „Keine Hebamme, keine sichere Geburt“.

In den vergangenen Wochen suchten Klinik und Hebammen gemeinsam nach einer tragfähigen Lösung. Frühzeitig hatte Helios allen Beleghebammen den Wechsel in eine Festanstellung angeboten. Nun nehmen acht das Angebot verbindlich an – und schaffen damit verlässliche Rahmenbedingungen für die Teams und für werdende Familien in der Region.

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