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Samstag, 13. April 2024

OneCoin-Verfahren in Münster: Zweiter Anlauf verschoben +++ aktualisiert

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OneCoin, die mutmaßliche Schwindelwährung von Ruja Ignatova, steht im Zentrum eines Strafverfahrens vor dem Landgericht Münster.Eigentlich sollte das Verfahren am Dienstag beginnen, doch am Freitagabend hat das Landgericht Münster mitgeteilt, „dass aufgrund einer akuten Erkrankung eines Angeklagten im sog. One-Coin-Verfahren die Hauptverhandlung nicht wie geplant am 23.08.2022 starten kann.“ Das Landgericht werde die Medien über den neuen Termin informieren. Bei dem Erkrankten handle es sich um den Angeklagten aus München, so das Landgericht Münster auf Nachfrage der NRWZ. (Update 22. August.)

 

Unser ursprünglicher Bericht:

Ab dem 23. August müssen sich eine Ehepaar aus Greven und ein Münchner Rechtsanwalt erneut wegen der „Erbringung von Zahlungsdiensten ohne Erlaubnis u. a.“ verantworten, wie das Landgericht Münster in einer Pressemitteilung berichtet.

In dem Verfahren geht es darum, dass das Ehepaar Manon H. und Frank R. über ihre Firma IMS  etwa 320 Millionen Euro kassiert und auf andere Konten weiter geleitet haben soll. Der Rechtsanwalt Martin B. soll etwa 20 Millionen Euro für Immobilienkäufe der in Schramberg aufgewachsenen Ruja Ignatova nach London überwiesen haben.

„Most Wanted“

Ignatova steht inzwischen nicht nur auf der Fahndungsliste von Europol und Interpol. Seit Anfang Juni ziert   die „Crypto-Queen“ auch die  FBI-Liste der zehn meistgesuchten Personen.

Der Fahndungsaufruf des FBI.

Unterdessen hat  ein New Yorker Richter für Gilbert Armenta Erleichterungen für seinen Hausarrest angeordnet. Der mutmaßliche Geliebte und Geldwäscher von Ruja Ignatova  wartet seit  2019 auf seinen Prozesstermin. Auf den Seychellen ist ein Notar und Politiker  in die Bredouille geraten, weil er Dokumente notifiziert haben soll, ohne dass die Beteiligten tatsächlich anwesend waren.

Zweites One-Coin Verfahren mit denselben Vorwürfen

In Münster hatte ein erstes Verfahren im September 21 gegen die drei Angeklagten begonnen. Dieses Verfahren, so das Landgericht Münster in seiner heutigen Mitteilung  wurde „nach 19 Hauptverhandlungsterminen im Mai 2022 wegen mehrerer langfristiger Krankheitsfälle ausgesetzt“.

Wie in diesem ersten Verfahren wirft die Staatsanwaltschaft dem Ehepaar vor, „ im Zeitraum von Ende 2015 bis Ende 2016 vorsätzlich ohne Erlaubnis Zahlungsdienste erbracht zu haben“.  Ihre IMS mit Sitz in Greven  habe als Finanzdienstleister für die OneCoin Ltd. gearbeitet.

Auf verschiedenen Konten bei einer Sparkasse, der Commerzbank und der Deutschen Bank sollen sie für OneCoin Ltd. insgesamt 88.158 Zahlungseingänge mit einem Gesamtvolumen von etwa 320 Millionen Euro eingenommen haben. Anschließend hätten sie das meiste Geld weiter transferiert. „Über eine behördliche Erlaubnis zur Erbringung solcher Finanztransfergeschäfte sollen sie nicht verfügt haben.“ Als Provision habe das Paar ein Prozent, also  gut drei Millionen Euro, kassiert.

Das Landgericht Münster hat im Mai entschieden, dass außerdem  „tateinheitlich eine Strafbarkeit wegen Beihilfe zum Betrug sowie Geldwäsche in Betracht kommen könnte“.

75 Millionen an einen Fonds auf den Cayman Islands überwiesen

Neben dem Immobiliendeal muss der Rechtsanwalt  sich auch wegen der Weiterleitung von 75 Millionen Euro an einen Fonds auf den Cayman Islands verantworten. Das Geld soll von der Grevener Firma gekommen sein. Um die Herkunft zu verschleiern, habe der Anwalt auf einem Schreiben mit dem Briefkopf seiner Kanzlei wahrheitswidrige Angaben gemacht, so der Vorwurf.

Mammutverfahren

Nach dem das Verfahren  im Mai ausgesetzt worden war, muss nun der Prozess komplett neu aufgerollt werden. Alle Zeugen und Sachverständigen muss das Gericht erneut hören. Dafür hat das Gericht bereits mehr als 30 Termine bis März 2023  anberaumt.

Armenta vier Stunden Freigang

Gilbert Armenta, einer von Ruja Ignatovas mutmaßlichen Geldwäschern und Geliebter sitzt seit März 2020 im Hausarrest, nachdem die Polizei ihn  am 19. Juli 2019 festgenommen hatte. Die ersten Monate verbrachte er in New York im Metropolitan Correctional Center. Dort saß damals auch Konstantin Ignatov, Rujas Bruder, ein.

In besseren Tagen: Sebastian gree3nwood, Ruja Ignatova und Gilbert Armenta in macau am 7. Mai 2016. Screenshot: him

Gegen eine hohe Kaution durfte Armenta dann die Gefängniszelle verlassen und ist seither im Hausarrest. Mitte Juli  gewährte ihm nun der New Yorker Richter Edgardo Ramos eine Erleichterung. Nun darf Armenta  täglich von zehn bis 14 Uhr außer sonntags das Haus verlassen.

Prozesstermine weiter verschoben

Seinen Prozesstermin haben die Justizbehörden erneut auf Ende Oktober verschoben. Zunächst soll das Urteil im Verfahren gegen Mark Scott abgewartet werden. Gegen den Rechtsanwalt und ebenfalls mutmaßlichen Geldwäscher hatte eine Jury im November zwar einen Schuldspruch gesprochen.

Richter Ramos hat aber bisher noch kein Urteil verkündet. Gegen den Schuldspruch haben Scotts Verteidiger Widerspruch erhoben, weil der Kronzeuge Konstantin Ignatov  nachweislich zwei Mal unter Eid falsch ausgesagt hätte.

In seinem Fall hat Richter Ramos  die Voranhörung von heute 10. August auf den 10 November verschoben. Beantragt hatte dies die Statsanwaltschaft, weil Ignatovs Kooperation mit der Staatsanwaltschaft noch nicht abgeschlossen sei.

Auch Sebastian Greenwood, Mitbegründer von OneCoin und zeitweiliger Geliebter der Cryptoqueen, muss weiter in U-Haft auf seinen Prozess warten. Er soll im Mai 2023 beginnen.

Seychellen: Notar in Bedrängnis

Auf den Seychellen bekommt der Rechtanwalt und Politiker Bernard Georges Ärger.  Georges hatte eine Anwaltsvollmacht (Power of Attorney, kurz PoA) von Ruja Ignatova an Mimoun Adani bestätigt. Dumm nur, dass diese Vollmacht  auf 30. Januar 2018, also  einem Zeitpunkt nach dem Verschwinden von Ignatova am 25. Oktober 2017 datiert war. Die Zeitung „Seychelles Independent“ berichtet.

Seychelles Independent

Notar Bernard habe  erklärt, er habe mit seiner Unterschrift nicht die Authentizität von Madanis Vollmacht bestätigt sondern nur ihre Existenz. Der Notar habe demnach gar nicht gesehen, wie Madani und Ignatova die PoA unterschrieben haben.

Das sei ein Unding, finden Ermittler auf den Seychellen. Dieses Dokument, so Rechtsanwalt Jonathan Levy, habe Madani möglicherweise genutzt, um „Milliarden Dollar  in Vermögen zu transferieren, die zum OneCoin Pyramidensystem gehören“.

Levy vertritt OneCoin Opfer und versucht in deren Interesse, an versteckte OneCoin-Gelder zu gelangen. Er hat zahlreiche Dokumente aus dem OneCoin-Umfeld erhalten und teilweise veröffentlicht.

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Martin Himmelheber (him)
... begann in den späten 70er Jahren als freier Mitarbeiter unter anderem bei der „Schwäbischen Zeitung“ in Schramberg. Mehr über ihn hier.