Ruja Ignatova auf der Liste der zehn meistgesuchten Personen des FBI

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Seit Donnerstag steht Ruja Ignatova auf der Liste der zehn meistgesuchten Personen des FBI. Die US-Behörden haben ein „Kopfgeld“ von 100.000 Dollar für Hinweise auf die „Cryptoqueen“  ausgesetzt.

Das FBI sucht Ignatova wegen Verschwörung zum Betrug, Verschwörung zur Geldwäsche und Betrugs mit Geldanlagen. Die In Schramberg zur Schule gegangene Deutsche mit bulgarischen Wurzeln ist bekanntlich am 25. Oktober 2017 spurlos verschwunden.

Das FBI sucht sie wegen ihrer „mutmaßlichen Beteiligung an einem sehr großen Betrugsschema“. Ignatova war die Gründerin von OneCoin, das mutmaßlich andere Personen um Milliarden US-Dollar betrogen habe.

Der Fahndungsaufruf des FBI.

Bis Oktober 2017 sei Ignatova „top leader“ von OneCoin gewesen, heißt es in dem Fahndungsaufruf weiter. Dann sei sie nach Athen geflogen und von dort aus wohl weiter gereist. „Möglicherweise reist sie mit einem deutschen Pass zu den Vereinigten Arabischen Emiraten, nach Bulgarien, Deutschland, Russland, Griechenland oder anderen Osteuropäischen Ländern.“

Schwere Vorwürfe gegen die „Crypto-Queen“

Am 12. Oktober 2017 hatten US-Behörden  ein Verfahren gegen Ignatova  unter anderem wegen Geldwäsche und Betrugs in New York angestrengt. Das FBI vermutet, dass Ignatova in Begleitung von bewaffneten Bodyguards reist. „Ignatova hat möglicherweise ihr Aussehen dank Schönheitschirurgie oder auf andere Weise verändert“, so das FBI im Fahndungsaufruf.

Solche Listen der zehn am meisten gesuchten Personen veröffentlicht das FBI seit mehr als sieben Jahrzehnten. Bisher haben es laut Medienberichten erst elf Frauen auf die Liste geschafft.

FBI: „Wir  machen das nicht ohne Grund“

Der Journalist Matthew Russel Lee hat die Pressekonferenz des FBI in New York verfolgt. In einem Vlog berichtet er, er habe die FBI-Vertreter gefragt, ob Ruja nicht tot sei. Das habe schließlich Frank Schneider,  Rujas früherer Sicherheitsmann behauptet.

Laut Lee  haben die FBI Vertreter erklärt, sie würden die Fahndung nicht veröffentlichen, wenn sie keinen Grund dafür hätten. Zum Auslieferungsersuchen für Frank Schneider habe der US-Staatsanwalt Damian Williams keinen Kommentar abgegeben.

Enorme Geldmitttel mitgenommen

Die US-Behörden fordern auch die vielen tausend Opfer von OneCoin auf, sich zu melden. Sie schätzen die Zahl der weltweiten Opfer auf drei Millionen. Der Schaden, den Ignatova angerichtet habe, gehe in die Milliarden

Dollar. Das FBI ist sind überzeugt, dass Ignatova  bei ihremUntertauchen, „enorme Mengen“ Bargeld bei sich hatte und so in der Lage war, von der Bildfläche zu verschwinden. „Money buys friends.“ Mit Geld kann man Freunde erkaufen.

Wer die Pressekonferenz sehen und hören möchte, hier  oder hier clicken.

„Die Deutschen haben zu lange geschlafen“

Seit sieben Jahren beschäftigt sich Peter Wermke  aus dem Ortenaukreis mit OneCoin und dessen Betrugsmasche. Er hat zehntausende von Dokumenten und Fotos archiviert. Ihn empört, dass die bundesdeutschen Behörden so lange gezögert haben, bis sie gegen OneCoin und ihre Unterstützer vorgegangen sind. Hier im Video erklärt Wermke, wie Ruja Ignatova tausende Menschen in Deutschland überzeugen konnte, ihr Geld für wertlose Bildungspakete auszugeben.

Fahndung auf der ganzen Erde

In Deutschland und auch europa- und weltweit fahndet man ebenfalls nach Ignatova. Im Mai  haben deutsche Behörden, Europol und Interpol Fahndungsaufrufe herausgegeben. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat eine Belohnung von 5000 Euro ausgesetzt. Auch in der ZDF-Sendung Aktenzeichen XY gab es einen Fahndungsaufruf.

Konstantin Ignatov sitzt

Rujas Bruder Konstantin, der ebenfalls in Schramberg aufgewachsen ist und nach Rujas Verschwinden ihre Position bei OneCoin übernommen hatte, sitzt seit März 2019 in US-Gewahrsam. Er war zwischendurch gegen Kaution und hohe Auflagen unter Hausarrest in New York und wartet auf sein Verfahren.

Er hatte sich bereit erklärt, als Zeuge der Staatsanwaltschaft gegen andere OneCoin-Beschuldigte auszusagen. In einem Verfahren gegen den mutmaßlichen Geldwäscher Mark Scott allerdings konnten die Verteidiger Konstantin Ignatov  zwei Falschaussagen unter Eid nachweisen. Seit dem 12. November 2021 ist er nun wohl wieder irgendwo eingesperrt.

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Martin Himmelheber (him)
... begann in den späten 70er Jahren als freier Mitarbeiter unter anderem bei der „Schwäbischen Zeitung“ in Schramberg. Mehr über ihn hier.