Über die Einführung einer Katzenschutzverordnung diskutieren die Schramberger Ortschafts- und Gemeinderäte. Foto: Archiv

Schram­berg. „Ver­ord­nung zum Schutz frei­le­ben­der Kat­zen – Katz­ent­schutz­ver­ord­nung (Kat­zenSch­VO)“ heißt der Tages­ord­nungs­punkt ganz for­mal, den die Ort­schafts­rä­te in Wald­mös­sin­gen und Ten­nen­bronn sowie der Aus­schuss für Umwelt und Tech­nik bereits bera­ten haben. Zen­tra­ler Inhalt einer Kat­zen­schutz­ver­ord­nung ist die Ein­füh­rung einer Kastrations‑, Kenn­zeich­nungs- und Regis­trie­rungs­pflicht für Hal­ter­kat­zen, denen unkon­trol­lier­ter Aus­lauf gewährt wird.

Alle drei Gre­mi­en stimm­ten mehr­heit­lich für die Ver­ord­nung. Bis es so weit war gab es Dis­kus­sio­nen rund um die Fra­ge, ob die Ver­ord­nung dem Wohl der Tie­re dient oder ob sie zu sehr in die Frei­heits­rech­te der Kat­zen­be­sit­zer ein­greift. Das letz­te Wort hat am Don­ners­tag, 26. Sep­tem­ber, der Gemein­de­rat der Stadt Schram­berg.

Laut Schät­zun­gen der Lan­des­be­auf­trag­ten für den Tier­schutz Baden-Würt­tem­berg und des Deut­schen Tier­schutz­bun­des gibt es in Deutsch­land rund zwei Mil­lio­nen frei­le­ben­de Kat­zen. In Schram­berg rech­net man mit rund 2200. Kat­zen wer­den als frei­le­bend bezeich­net, wenn sie sich selbst über­las­sen und nicht von Men­schen gefüt­tert wer­den. Eine Kat­zen­po­pu­la­ti­on kann schnell wach­sen, wie es in der Vor­la­ge der Ver­wal­tung heißt. Mit Bezug auf die Lan­des­be­auf­trag­te für Tier­schutz heißt es in dem Papier, dass ein Kat­zen­paar unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen nach zehn Jah­ren 240 Mil­lio­nen Nach­kom­men haben kann. Ange­nom­men wird hier­bei, dass eine Kät­zin zwei Mal im Jahr einen Wurf mit drei Jung­tie­ren hat. Die Jung­tie­re sind nach weni­gen Mona­ten geschlechts­reif.

Zudem lit­ten die Kat­zen ohne mensch­li­che Betreu­ung und medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung signi­fi­kant häu­fi­ger an Kat­zen­krank­hei­ten wie Kat­zen­schnup­fen oder sei­en unter­nährt, so die Lan­des­be­auf­trag­te für den Tier­schutz. Bei der Über­ar­bei­tung des Tier­schutz­ge­set­zes wur­de den Kom­mu­nen die Mög­lich­keit ein­ge­räumt, sel­ber Ver­ord­nun­gen zu erlas­sen dür­fen, durch die frei­lau­fen­den Kat­zen geschützt wer­den.

Für die Kat­zen­hal­ter bedeu­tet dies, dass sie – wenn der Gemein­de­rat am Don­ners­tag, 26. Sep­tem­ber, eben­falls für die Kat­zen­schutz­ver­ord­nung stimmt – ihre Kat­zen von einem Tier­arzt auf eige­ne Kos­ten kas­trie­ren und regis­trie­ren las­sen müs­sen. Bei frei­le­ben­den Kat­zen über­nimmt die Stadt die Kos­ten, die sich nach Aus­kunft des Tier­schutz­ver­eins auf rund 100 Euro je Tier belau­fen. In den Jah­ren 2015 bis 2017 wur­den jähr­lich zwi­schen 44 und 51 frei­le­ben­de Kat­zen ein­ge­fan­gen, kas­triert und gechipt.

In Schram­berg lit­ten alle Kat­zen­wel­pen, die vom Tier­schutz­ver­ein gefan­gen wur­den, an Kat­zen­schnup­fen. Auch eine Rei­he wei­te­rer Krank­hei­ten wer­den bei den frei leben­den Kat­zen immer wie­der fest­ge­stellt. Der Tier­schutz­ver­ein und die Stadt­ver­wal­tung sehen in der flä­chen­de­cken­den Kas­tra­ti­on aller Frei­gän­ger­kat­zen den ein­zi­gen tier­schutz­ge­rech­ten Weg, um den Bestand an frei­le­ben­den Kat­zen zu kon­trol­lie­ren, ein­zu­däm­men und somit das Lei­den der Tie­re zu ver­mei­den. In allen drei bis­her befass­ten Gre­mi­en stand der Vor­sit­zen­de des Tier­schutz­ver­eins, Clau­dio Di Simio den Räten Rede und Ant­wort. Er warb gemein­sam mit Cor­ne­lia Pen­ning von der Ord­nungs­ver­wal­tung der Stadt für die Kat­zen­schutz­ver­ord­nung.

Im Ort­schafts­rat Wald­mös­sin­gen kri­ti­sier­te Adri­an Schmid einen Pas­sus in der Ver­ord­nung, wonach zum Ergrei­fen der Kat­zen das Betre­ten eines Pri­vat- oder Betriebs­ge­län­des ermög­licht wer­den muss. Roland Wei­ßer setzt auf eine stär­ke­re Auf­klä­rung. Bei­de stimm­ten gegen die Ver­ord­nung, alle ande­ren Räte dafür. Im Ort­schafts­rat Ten­nen­bronn stimm­ten Peter Bösch, Felix Bro­g­ham­mer und Oskar Rapp gegen die Ver­ord­nung. Die ande­ren sie­ben Ort­schafts­rä­te stimm­ten dafür.

Im Aus­schuss für Umwelt und Tech­nik wur­de eben­falls dis­ku­tiert. Oskar Rapp (Freie Lis­te) for­der­te erst wei­te­re Aus­künf­te, bevor ent­schie­den wird. So etwa woll­te er einen schrift­li­chen Nach­weis dar­über, wie vie­le Kat­zen bis­her gefan­gen wur­den und wie krank sie wirk­lich sind. Die Zah­len zu den gefan­ge­nen Kat­zen waren jedoch bereits in der Vor­la­ge zu fin­den. Edgar Reut­ter (SPD/Buntspecht) stell­te sich hin­ter Di Simio. Reut­ter erin­ner­te sich an eine Nach­bar­schafts­ak­ti­on, in dem Wohn­ge­biet in dem er sel­ber wohnt, als die Nach­barn gemein­sam gegen die zuneh­men­de Zahl an Kat­zen vor­ge­gan­gen waren. Uli Bauknecht (CDU) ent­geg­ne­te gegen­über Oskar Rapp, dass auch kas­trier­te Kat­zen Mäu­se fan­gen kön­nen. Rapp hat­te zuvor die Sor­ge geäu­ßert, dass sich für den Fall, dass es weni­ger Kat­zen gibt, die Schad­na­ger stär­ker ver­meh­ren. Von den neun Räten stimm­te am Ende Oskar Rapp (Freie Lis­te) dage­gen, Achim Ben­dig­keit (Freie Lis­te) ent­hielt sich der Stim­me. Die ande­ren sie­ben Räte waren dafür.

Die end­gül­ti­ge Ent­schei­dung tritt der Gemein­de­rat am Don­ners­tag, 26. Sep­tem­ber.