Die katholische Diözese Rottenburg-Stuttgart will sich zukunftsfähig aufstellen. Das
Dekanat Rottweil steht vor großen Herausforderungen. Dekan Rüdiger Kocholl und
der gewählte Vorsitzende des Dekanatsrates, Heiko Leibold, luden zu einer Online-
Informationsveranstaltung für die Kirchengemeinderäte im Dekanat Rottweil am
Mittwoch, 4. Februar, ein. Dort hatten die über 150 Teilnehmenden die Gelegenheit, sich umfassend zu informieren und in offener Diskussion Fragen zu stellen.
Mit Beginn des Jahres hat im Dekanat das Projekt „Seelsorge in neuen Strukturen“
gestartet. Es gehört zum Programm „Kirche der Zukunft“. Ziel ist es, die kirchliche
Arbeit in den Gemeinden auch künftig zu sichern, obwohl es weniger Mitglieder gibt,
der demografische Wandel voranschreitet und immer weniger Menschen getauft
werden. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart möchte Traditionen bewahren, das
vielseitige Gemeindeleben erhalten und zugleich in der Seelsorge präsent bleiben.
Gleichzeitig sollen auch neue Gruppen angesprochen werden, die sich nach einem
spirituellen Mehrwert sehnen.
Aus 1020 Kirchengemeinden sollen 50 bis 80 neue Raumschaften entstehen. Ende
November 2025 hat der Diözesanrat Bischof Dr. Klaus Krämer empfohlen, dieses
Konzept umzusetzen. Nach intensiven Beratungen und einer umfangreichen
Beteiligung stimmte der Diözesanrat nahezu einstimmig (eine Gegenstimme) für die
Neustrukturierung. Ziel ist es, Verwaltungsaufgaben zu reduzieren und die pastorale
Arbeit langfristig zu sichern.
In den kommenden Monaten finden in allen 25 Dekanaten der Diözese Beratungen
statt, um passende Zusammenschlüsse von Kirchengemeinden zu erarbeiten. Dabei
werden unterschiedliche städtische und ländliche Gegebenheiten berücksichtigt,
ebenso ökumenische Beziehungen, kommunale Strukturen und die Lebensrealitäten
der Menschen. Kooperationen mit anderen kirchlichen Angeboten und
Organisationen spielen eine wichtige Rolle.
Für die Steuerung des Projekts auf Dekanatsebene wurde eine Steuerungsgruppe
eingerichtet. Zu ihr gehören Dekan Rüdiger Kocholl, stellvertretende Dekane Dr.
Eberhard Eisele und Martin Schwer, Dekanatsreferent Jens Wöhrle, der Leiter des
Verwaltungszentrums Michael Rais sowie der gewählte Vorsitzende des
Dekanatsrates Heiko Leibold. Bis Mai sind Kirchengemeinderäte und Pastoralräte
aufgerufen, Vorschläge zur Bildung der neuen Raumschaften zu erarbeiten. Diese
fließen in einen ersten diözesanen Entwurf ein.
Bis Ende 2026 soll eine neue diözesane Karte der künftigen Raumschaften
vorliegen. Nach Klärung offener Fragen prüfen diözesane Gremien die Entwürfe, und
Bischof Krämer trifft eine endgültige Entscheidung. Der Aufbau der Raumschaften
soll bis spätestens 2030 abgeschlossen sein. Die bisherigen Kirchengemeinden
bleiben als „Kirchorte“ wichtiger Bestandteil der „Kirche am Ort“ und der „Kirche an
vielen Orten“. Sie dienen weiterhin als erste Anlaufstelle in Städten und Dörfern und
arbeiten gleichzeitig in Netzwerken mit anderen Kirchorten, kirchlichen Akteuren, der
Caritas, der Jugendarbeit, der Katholischen Erwachsenenbildung (keb) und weiteren
Organisationen zusammen.
Zusätzlich zu den neuen Raumschaften plant die Diözese auch neue
Leitungsmodelle. Ziel ist es, Gemeindeleitungen zu entlasten, indem
Verwaltungsbeauftragte bestimmte Aufgaben übernehmen. Die Raumschaften
werden nach dem Unionsmodell gestaltet: Eine der bestehenden Kirchengemeinden
übernimmt die anderen; der Name der neuen Einheit wird neu festgelegt. Die
Zusammenarbeit erfolgt verbindlich in einer Gründungsvereinbarung.


