Absage des AfD-Stammtisches in Oberndorf: Wirt will einfach keinen Ärger

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Beherbergte nicht die AfD: das "Delle Rose" in Oberndorf. Foto: Peter Arnegger

Schwe­re Geschüt­ze hat der AfD-Land­tags­ab­ge­ord­ne­te des Wahl­krei­ses Rott­weil, Emil Sän­ze, am spä­ten Mitt­woch­abend auf­ge­fah­ren. Wegen „Gesin­nungs­ter­rors“ und Droh­an­ru­fen von „Mit­glie­dern von CDU, SPD und FDP“ gegen den Wirt eines Obern­dor­fer Restau­rants habe sein Kreis­ver­band dort kei­nen Stamm­tisch abhal­ten kön­nen. Die NRWZ hat sich nun mit dem betrof­fe­nen Wirt unter­hal­ten, woll­te wis­sen, war­um er die AfD aus­ge­la­den hat. Bei einem Espres­so erklär­te er es ger­ne.

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Don­ners­tag­mit­tag im „Ris­tor­an­te Del­le Rose“ in Obern­dorf. Fast alle Tische sind besetzt. Fami­li­en und Paa­re sind unter den Gäs­ten, zumeist aber Mit­ar­bei­ter umlie­gen­der Unter­neh­men. Heck­ler und Koch liegt nur über die Stra­ße. Es ist 13 Uhr, der Ansturm auf die Küche ist vor­über. Mani Gashi, Inha­ber des Restau­rants, hat Zeit für den Mann von der NRWZ. Er ordert zwei Espres­si. Ein freund­li­cher Mensch. Aus­kunfts­be­reit. Ein Wirt, der froh ist, dass sein Laden läuft.

Am Mitt­woch war das anders. „Kein Mensch war zum Mit­tag­essen gekom­men, auch am Abend blieb mein Restau­rant leer“, sagt er, die Hand­flä­chen aus­brei­tend. Für ihn liegt der Grund auf der Hand: Nach­dem in der ört­li­chen Tages­zei­tung gestan­den hat­te, dass die AfD zu ihrem Stamm­tisch ins „Del­le Rose“ ein­la­de, sei­en sei­ne Stamm­gäs­te aus­ge­blie­ben. 

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Aus allen Wol­ken sei er, Gashi, gefal­len, als er in der Zei­tung gele­sen habe, wer da einen Stamm­tisch ange­mel­det habe. Bei der Buchung, vor eini­gen Wochen, sei das Wort „AfD“ nicht gefal­len. Es sei ihm auch nicht klar gewe­sen, dass er eine Par­tei beher­ber­gen wer­de, so der Wirt. Es sei ein­fach ein Stamm­tisch ange­mel­det wor­den.

„Das haben wir oft“, so Gashi zur NRWZ. Jahr­gän­ge, Wan­de­rer, jüngst die Stadt­ka­pel­le kom­men nach sei­nen Anga­ben ger­ne in sein Restau­rant. Die Musi­ker zuletzt mit 150 Leu­ten, man­che sei­en bis mor­gens um sechs geblie­ben. „Wir machen das ger­ne“, sagt der Wirt und strahlt. Das „Del­le Rose“ füh­re er jetzt seit drei Jah­ren. All­mäh­lich mache sich die Auf­bau­ar­beit bezahlt. 

„Das Restau­rant war eigent­lich am Boden“, erin­nert sich ein Stamm­gast, der bei einem Glas Bier und einem Kreuz­wort­rät­sel das Gespräch zwi­schen Wirt und Repor­ter ver­folgt. Bevor Gashi über­nom­men habe, sei­en zuletzt vor­nehm­lich Spiel­au­to­ma­ten im ehe­ma­li­gen „Alb­blick“ gewe­sen. Wie gesagt: Inzwi­schen brummt der Laden. „Wir haben mit­tags und abends immer ein vol­les Haus“, so Gashi.

Bis auf Mitt­woch. Was ihm Angst gemacht habe. „Es braucht nur eine Klei­nig­keit, und Dein Ruf ist am Boden“, fürch­tet der Gas­tro­nom. Und die­se Klei­nig­keit, so scheint’s, hät­te der AfD-Stamm­tisch sein kön­nen.

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Es stimmt: Es hat Anru­fe gege­ben, das bestä­tigt der Wirt. Droh­an­ru­fe will er sie nicht nen­nen. Es hät­ten sich drei oder vier Leu­te gemel­det, die gesagt hät­ten, dass er kei­nen Mist machen und die AfD nicht beher­ber­gen sol­le.  Die Anru­fe habe meist eine Ange­stell­te ent­ge­gen genom­men, teils habe er dann das Gespräch über­nom­men. Laut gewor­den sei kei­ner.

Und: Kei­ner habe sich als einer Par­tei zuge­hö­rig zu erken­nen gege­ben. Genau das hat Emil Sän­ze, der gera­de aus­ge­la­de­ne Gast, aber in sei­ner Pres­se­mit­tei­lung am Mitt­woch­abend erklärt. „Die Droh­an­ru­fer sei­en nicht ein­mal davor zurück­ge­schreckt, sich als Mit­glie­der von CDU, SPD und FDP zu outen“, behaup­te­te er. 

„Das ist Quatsch“, so der Gas­tro­nom auf Nach­fra­ge der NRWZ. Kei­ner habe eine Par­tei am Tele­fon genannt, er selbst sei ein eher unpo­li­ti­scher Mensch, ken­ne sich mit den Par­tei­en auch nicht aus. Kei­nes­falls kön­ne er ahnen, ob er irgend­ein Par­tei­mit­glied am Tele­fon habe. 

Woher stammt also die Infor­ma­ti­on, dass hier „die CDU, die SPD und die FDP“ gewirkt hät­ten? Von Emil Sän­ze selbst, erklärt des­sen Stutt­gar­ter Büro­lei­ter und Refe­rent eben­falls auf Nach­fra­ge der NRWZ. Alle Inhal­te der ent­spre­chen­den Pres­se­mit­tei­lung lie­fe­re Sän­ze per­sön­lich. Also auch: Damit sei es „wie­der ein­mal …zu einer schwer­wie­gen­den Ver­let­zung der demo­kra­ti­schen Selbst­be­stim­mung und auch zu einem Ein­griff in die wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen eines Gast­wirts gekom­men, dem offen mit Boy­kott gedroht wird“. So zu fin­den in Sän­zes Pres­se­er­klä­rung. 

Sän­ze sah auch eine „inzwi­schen über den lin­ken Rand hin­aus­rei­chen­de bezie­hungs­wei­se die nun nicht mehr nur die Links­par­tei­en, son­dern auch brei­te Tei­le des einst­mals bür­ger­li­chen Lagers erfas­sen­de Demo­kra­tie­feind­lich­keit“ und einen damit ver­bun­de­nen „Gesin­nungter­ror“, den er als „erschre­ckend“ bezeich­net. Sei­ne poli­ti­schen Geg­ner bedien­ten sich rechts­wid­ri­ger Mit­tel, um eine AfD-Ver­samm­lung zu unter­bin­den.

Nun – offen­bar woll­te der Wirt des „Del­le Rose“ ein­fach kei­nen Ärger. „Wir sind ein Spei­se­re­stau­rant“, ergänzt Gashi. In sei­nem Lokal soll­ten die Men­schen mög­lichst gepflegt und gut essen. Nicht par­tei­po­li­tisch debat­tie­ren. 

Der Stamm­gast, der Pen­sio­när mit dem Pils, pflich­tet bei: „Es hat hier noch nie einen Stamm­tisch einer Par­tei gege­ben.“ So wahr er Gast sei in dem Restau­rant, und das ist er offen­bar schon Jahr­zehn­te lang. Die AfD aber hät­te wohl auch ihn ver­trie­ben – „wir hät­ten dem Wirt abge­ra­ten, sie ein­zu­la­den“, sagt er über sich und sei­ne Kum­pels. 

Gashi wie­der­um fühlt sich am Ende auch nicht unbe­dingt schlecht dabei, dass er die Leu­te, die am Mitt­woch­abend zum AfD-Stamm­tisch hät­ten gehen wol­len, wie­der weg­ge­schickt hat. „Fünf oder sechs“, sol­len es gewe­sen sein, dar­un­ter auch Emil Sän­ze als Vor­sit­zen­der des Kreis­ver­bands, Gashi erkennt ihn auf einem Foto wie­der. „Sie hät­ten doch einen Saal mie­ten kön­nen“, sagt er. War­um sein Restau­rant? Nein, die Stamm­gäs­te aus Obern­dorf, die Fami­li­en, die Paa­re und die Mit­ar­bei­ter etwa von Heck­ler und Koch, die sind ihm lie­ber. Egal, zu wel­cher Par­tei sie ten­die­ren.