AfD fliegt aus Oberndorfer Gaststätte – Abgeordneter spricht von „Gesinnungsterror”

Der AfD-Kreis­ver­band Rott­weil-Tutt­lin­gen woll­te eigent­lich am heu­ti­gen Mitt­woch zu einem Stamm­tisch in der Obern­dor­fer Gast­stät­te „Del­le Rosa“ ein­la­den (Kreis Rott­weil). Dort woll­te die Par­tei nach eige­nen Anga­ben mit Bür­gern über poli­ti­sche Lan­des-, Bun­des- und Kom­mu­nal­the­men dis­ku­tie­ren. Nun  aber habe der Wirt der Gast­stät­te kurz­fris­tig abge­sagt. Begrün­dung: Er habe Droh­an­ru­fe erhal­ten. Update: Hier berich­ten wir über die Sicht des Wirts.

Die Ver­an­stal­tung, zu der die Par­tei über die ört­li­che Tages­pres­se ein­ge­la­den hat­te, konn­te somit nicht statt­fin­den. Das teil­te das Büro des Rott­wei­ler AfD-Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Emil Sän­ze mit. Er ist zugleich Spre­cher des betrof­fe­nen Kreis­ver­ban­des. 

Des­sen Mit­glie­dern habe er, Sän­ze, in einer Absa­ge per E-Mail mit­ge­teilt, dass der Wirt des Del­le Rose „im Lau­fe des heu­ti­gen Tages, mit mehr oder min­der ein­deu­ti­gen Droh­an­ru­fen dazu genö­tigt“ wor­den sei, sei­ner Par­tei das „Gast­recht zu ent­zie­hen“.

Damit sei es „wie­der ein­mal sei zu einer schwer­wie­gen­den Ver­let­zung der demo­kra­ti­schen Selbst­be­stim­mung und auch zu einem Ein­griff in die wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen eines Gast­wirts gekom­men, dem offen mit Boy­kott gedroht wird”, hieß es am spä­ten Abend aus Sän­zes Stutt­gar­ter Büro. Die Droh­an­ru­fer hät­ten sich als Mit­glie­der von CDU, SPD und FDP zu erken­nen gebe­ben. Sän­ze will nun Gegen­maß­nah­men im Hin­blick auf die Ver­ei­te­lung der Ver­an­stal­tung ange­hen. Genau­er defi­niert wer­den die­se in der Erklä­rung nicht.

An ihre sei­ne Mit­glie­der erklär­te der AfD-Kreis­ver­band am Abend:

Heu­te soll­te der ers­te Stamm­tisch im  Ris­tor­an­te Del­le Rose, 78727 Obern­dorf (Lin­den­hof), Ring­stra­ße 26 statt­fin­den. Im Vor­feld wur­de mit dem Wirt abge­spro­chen, dass er gegen eine Ver­öf­fent­li­chung in der Pres­se nichts ein­zu­wen­den hat. Bedau­er­li­cher­wei­se wur­de der Wirt im Lau­fe des heu­ti­gen Tages, mit mehr oder min­der ein­deu­ti­gen Droh­an­ru­fen dazu genö­tigt, uns das Gast­recht zu ent­zie­hen. Sodass wir den Stamm­tisch kurz­fris­tig absa­gen müs­sen. Wie­der­um kommt es zu einer schwer­wie­gen­den Ver­let­zung der demo­kra­ti­schen Selbst­be­stim­mung und auch in den Ein­griff in die wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen eines Gast­wirts, dem offen mit Boy­kott gedroht wird, ja die Anru­fer schre­cken nicht ein­mal davor zurück sich als CDU, SPD und FDP – Mit­glied zu outen.

Dar­über hin­aus warnt Sän­ze gemäß sei­nem Büro all­ge­mein vor der „Gefahr eines Abdrif­tens in einen lin­ken Gesin­nungs­staat”. Die Akti­vi­tä­ten, die zur Absa­ge der Ver­an­stal­tung geführt hät­ten, stell­ten eine „ekla­tan­te Miss­ach­tung des Demo­kra­tie­prin­zips” dar. Demo­kra­tie lebe davon, dass die ver­schie­de­nen poli­ti­schen Strö­mun­gen in einem Land die Gele­gen­heit hät­ten, „ihre Vor­stel­lun­gen auf fried­li­chem Wege an den Mann zu brin­gen.”

Sän­ze sieht eine „inzwi­schen über den lin­ken Rand hin­aus­rei­chen­de bezie­hungs­wei­se die nun nicht mehr nur die Links­par­tei­en, son­dern auch brei­te Tei­le des einst­mals bür­ger­li­chen Lagers erfas­sen­de Demo­kra­tie­feind­lich­keit und einen damit ver­bun­de­nen „Gesin­nungter­ror”, den er als „erschre­ckend” bezeich­net. Sei­ne poli­ti­schen Geg­ner bedien­ten sich rechts­wid­ri­ger Mit­tel, um eine AfD-Ver­samm­lung zu unter­bin­den. In die­sem Hin­blick erwar­tet Sän­ze nach eige­nen Anga­ben eine ein­deu­ti­ge Distan­zie­rung der Kreis- und Orts­vor­sit­zen­den von CDU, SPD und FDP.

Ihn, Sän­ze, und die AfD und ihre Geg­ner unter­schei­de eine „völ­lig unter­schied­li­che Vor­stel­lung von Demo­kra­tie”. Aus sei­ner Sicht sei Demo­kra­tie die von einem im Sin­ne hei­mi­scher Kul­tur gepräg­ten Staats­volk und sei­nen Reprä­sen­tan­ten aus­ge­üb­te Regie­rung in einem klar abge­grenz­ten Staats­ge­biet. Sei­ne poli­ti­schen Kon­tra­hen­ten hin­ge­gen ent­frem­de­ten den Begriff und mein­ten damit unge­fähr so viel wie „gute Poli­tik für die Bevöl­ke­rung, die in einem ent­grenz­ten Gebiet belie­big aus­ge­wei­tet wer­den kön­ne”.

Sän­ze sieht sich und sei­ne Par­tei „rigo­ros als men­schen- oder frem­den­feind­lich bekämpft und dis­kri­mi­niert”. Dem Gegen­wind zum Trotz wol­le er die Bür­ger ver­stärkt auf­klä­ren, dass Demo­kra­tie nur im natio­na­len Kon­text mög­lich sei und die Alter­na­ti­ve hier­zu nur Unfrei­heit und Unsi­cher­heit hei­ßen könn­ten.

Der nächs­te Stamm­tisch der Kreis-AfD soll am mor­gi­gen Don­ners­tag statt­fin­den. Ort: das Gast­haus Kro­ne in Rott­weil-Fecken­hau­sen, Schwa­ben­stra­ße 6.