Vor dem Verlassen des Hofs müssen alle durch eine Schleuse. Fotos: him

Groß­auf­ge­bot von Hilfs­diens­ten beim Land­wirt­schafs­be­trieb der Stif­tung St. Fran­zis­kus in Schram­berg-Hei­li­gen­bronn: Am Sams­tag prob­te das Vete­ri­när- und Ver­brau­cher­schutz­amt des Land­rats­am­tes Rott­weil den Ernst­fall: Den Aus­bruch der „Afri­ka­ni­sche Schwei­ne­pest (ASP)“ auf dem Betrieb.

Ein Schutz­an­zug reicht nicht: Die Vete­ri­nä­re Lena Fuß­bahn und Jörg Hau­ser hat­ten sich zwei der Over­alls über­ge­streift, als sie gemein­sam mit dem Kata­stro­phen­schutz, der Feu­er­wehr mit dem auf dem Sul­gen sta­tio­nier­ten ABC-Zug, Hel­fern des Tech­ni­schen Hilfs­werks (THW) aus Rott­weil, dem DRK, der Poli­zei und dem Vete­ri­närzug aus Frei­burg auf dem Hof anrück­ten.

Als die Pres­se hin­zu gebe­ten wur­de, hat­te bereits die Blut­ent­nah­me bei 30 Schwei­nen in Stall statt­ge­fun­den, berich­te­te der Lei­ter des Gesund­heits­am­tes Dr. Heinz-Joa­chim Adam. „Im Ernst­fall müss­te man die Tie­re keu­len und durch Schleu­sen die Kada­ver hin­aus­brin­gen.“ End­sta­ti­on: Tier­kör­per­be­sei­ti­gung.

Die Schweinepest kommt näher

Die „Afri­ka­ni­schen Schwei­ne­pest“ ist hoch­an­ste­ckend und dringt aus Ost­eu­ro­pa lang­sam auch gen Wes­ten vor. In Tsche­chi­en und in Ungarn sei­en jüngst Fäl­le von ASP auf­ge­tre­ten. Es dro­he, dass die Seu­che auch hier her kommt. „Wir wol­len vor­her aktiv wer­den“, erklärt Vete­ri­när Hau­ser. Über­tra­gen wer­den kann die Seu­che von Wild­schwei­nen auf Haus­schwei­ne, aber auch durch ver­seuch­te Fut­ter­mit­tel für die Schwei­ne.

Das war die Übungs­an­nah­me in Hei­li­gen­bronn. Ursprüng­lich war die ASP nach Euro­pa über ein Schiff gekom­men, das in Geor­gi­en ent­la­den wur­de. Abfäl­le, in denen das Virus leb­te, lan­de­ten auf einer Müll­kip­pe. Von dort gelang­te das Virus über Weiß­russ­land die Ukrai­ne bis in die bal­ti­schen Staa­ten und Polen. Gut 200 Tage kann der Erre­ger in Klei­dern, Erd­bro­cken oder Fut­ter­mit­teln aktiv blei­ben – und so mit Trans­por­tern quer über den Kon­ti­nent gelan­gen. Men­schen oder ande­re Tie­re sei­en nicht in Gefahr, so Adam.

Was tun?

Wenn Schwei­ne ange­steckt wer­den, wer­den sie schlapp, bekom­men Fie­ber, die Haut ver­färbt sich am Bauch, an den Bei­nen und Ohren und nach etwa vier Tagen ster­ben die Tie­re, berich­tet Tier­ärz­tin Fuß­bahn.

Ergibt die Blut­un­ter­su­chung, dass Schwei­ne in einem Betrieb infi­ziert sind, muss der gesam­te Bestand getö­tet wer­den. Das müs­se der Vete­ri­närzug aus Frei­burg über­neh­men. Es gesche­he tier­schutz­ge­recht nach einer Betäu­bung, und so, dass die ande­ren Tie­re es nicht mit­er­le­ben, ver­si­chert Fuß­bahn. Für sei­ne Schwei­ne sei die Blut­ent­nah­me „biss­le stres­sig” gewe­sen, berich­tet der Lei­ter des Hofs der Stif­tung, Franz Schnei­der. Ande­rer­seits  wür­den die Tie­re ja auch sonst regel­mä­ßig unter­sucht. Von der Übung an sich hät­ten die Schwei­ne nichts gemerkt.

Damit sich die Seu­che nicht aus­brei­ten kann, muss ein betrof­fe­ner Hof kom­plett des­in­fi­ziert wer­den. Um einen sol­chen Hof wer­den zwei Zonen ein­ge­rich­tet. Im Umkreis von drei Kilo­me­tern dür­fen bei­spiels­wei­se alle Tie­re, auch Haus­tie­re nur noch mit Geneh­mi­gung weg­ge­bracht wer­den, im Umkreis von zehn Kilo­me­tern wer­den alle Betrie­be genau beob­ach­tet. „Das hat Fol­gen für die betrof­fe­nen Land­wir­te“, mach­te Fuß­bahn deut­lich.

Umfangreiche Schutzmaßnahmen

Damit wäh­rend der Unter­su­chung und der Keu­lung kei­ne Viren ver­schleppt wer­den, haben die THWler und die Feu­er­wehr­leu­te gro­ße Schleu­sen auf­ge­baut. Fahr­zeu­ge wer­den rings­um des­in­fi­ziert. Men­schen müs­sen sich voll­stän­dig aus­zie­hen, duschen und neue Kla­mot­ten anzie­hen.

Ziel der Übung, so Hau­ser, sei es das Mit­ein­an­der und die Abläu­fe zu trai­nie­ren. Das klapp­te schon sehr gut, so der Ein­druck. Für Vete­ri­när Hau­ser zeig­te sich, dass bei der Anfahrt der Hel­fer die Rei­hen­fol­ge wich­tig ist: „Sonst blo­ckie­ren wir uns gegen­sei­tig.“

Aber für die Teil­neh­mer aus den ver­schie­de­nen Hilfs-Orga­ni­sa­tio­nen war wich­tig die Arbeits­wei­se der Kol­le­gen ken­nen zu ler­nen. „Und zu wis­sen, wer hat was und wo“, so Micha­el Bahr vom Rott­wei­ler THW. „Wenn der Vete­ri­närzug Des­in­fek­ti­ons­mit­tel mit­bringt, brau­chen wir uns nicht drum zu küm­mern.“