Agrarpaket – ein „Sargnagel für die kleinen Höfe“

Manfred Haas, Vorsitzender des Kreisbauernverbands, im Gespräch mit Mitgliedern des Kreistags. Rechts neben ihm Diana Stierle, Vertreterin der Landjugend. Foto: mm
Manfred Haas, Vorsitzender des Kreisbauernverbands, im Gespräch mit Mitgliedern des Kreistags. Rechts neben ihm Diana Stierle, Vertreterin der Landjugend. Foto: mm

Die Bun­des­re­gie­rung hat Mit­te Sep­tem­ber ihr Agrar­pa­ket beschlos­sen. Mehr Tier­schutz, mehr Insek­ten, mehr Bio­pro­duk­ti­on sol­len damit erreicht wer­den. Doch die Land­wir­te gehen dage­gen auf die Bar­ri­ka­den.

Sie fürch­ten um ihre Exis­tenz, die neu­en Vor­schrif­ten könn­ten vie­le, vor allem klei­ne Land­wir­te zum Auf­ge­ben zwin­gen. Grü­ne Kreu­ze auf den Fel­dern sol­len den Pro­test unter­strei­chen, ein sol­ches wur­de am Mon­tag auch in Zim­mern auf­ge­stellt, auf einem Acker der Fami­lie Aulich gegen­über des Gewer­be­ge­biets Inkom.

Zur Auf­stel­lung waren auch Kreis­tags­mit­glie­der gekom­men, dar­un­ter Bernd Rich­ter von der ÖDP im oran­ge­nen Pro-Bie­nen-T-Shirt, was den Land­wir­ten nicht gut gefiel: Das Pro-Bie­ne-Volks­be­geh­ren, das inzwi­schen auch in Baden-Würt­tem­berg gestar­tet wor­den ist, stößt sogar Bio-Land­wir­ten auf. Man wol­le nicht allei­ne fürs Bie­nenster­ben ver­ant­wort­lich gemacht wer­den, mein­te einer, auch die Zube­to­nie­rung der Land­schaft und mehr Autos hät­ten den Insek­ten gescha­det.

Deut­li­che Wor­te hat­te Man­fred Haas, Vor­sit­zen­der des Kreis­bau­ern­ver­bands: Das Agrar­pa­ket „ist ein wei­te­rer Sarg­na­gel für die klei­ne­ren Höfe in Süd­deutsch­land.“ Die Land­wir­te arbei­te­ten mit der Natur, nicht gegen sie. Sein Urgoß­va­ter habe Bäu­me gepflanzt, die er jetzt nut­ze, und er pflan­ze Bäu­me für sei­ne Uren­kel. „Wir machen ja schon so vie­les frei­wil­lig“, so Haas, und die Dün­ge­mit­tel­ver­ord­nung, für die die Land­wir­te ein 100.000 Euro teu­res Güll­e­fass anschaf­fen müss­ten, „das kann sich ein klei­ner Schwarz­wald­bau­er nicht leis­ten. Der macht dann die Hof­tü­re zu.“

Das habe man schon beim Käfig­hal­tungs­ver­bot gemerkt, das die deut­schen Bau­ern ein­hal­ten müs­sen, doch sei in vie­len Pro­duk­ten Flüs­sig­ei aus Ost­eu­ro­pa, wo die Käfig­hal­tung sogar mit Her­mes­bürg­schaf­ten der Bun­des­re­gie­rung geför­dert wer­de. „Ich las­se mir Popu­lis­mus vor­wer­fen, damit auch der letz­te noch ver­steht, wie das gemeint ist“, so Haas.

Die For­de­rung der Land­wir­te ist jetzt auch an dem Kreuz in Zim­mern zu lesen: „Redet mit uns, nicht über uns.“ Regio­na­le hoch­wer­ti­ge Lebens­mit­tel bedeu­te­ten Arten­schutz und frucht­ba­re Böden statt Beton. Statt­des­sen gebe es jetzt aber das Mer­co­sur-Abkom­men, das 100.000 Ton­nen Rind­fleisch aus Süd­ame­ri­ka zulas­se, wäh­rend die deut­schen Land­wir­te der­zeit gera­de mal zehn Euro für ein Kalb bekä­men.

Ein Pes­ti­zid­ver­bot rui­nie­re die Land­wir­te, dabei wer­de in den Rhein-Auen wei­ter gespritzt, weil die Leu­te kei­ne Schna­ken in den Häu­sern haben woll­ten, so Haas. Und einer sei­ner Kol­le­gen beton­te: „Jedes Mal wenn wir sprit­zen, kos­tet uns das bares Geld.“

Man­fred Haas erzähl­te, wie der Kreis­bau­ern­ver­band letz­tes Jahr sei­nen Mit­glie­dern Saat­gut für Blüh­strei­fen geschenkt habe, das sei sehr gut ange­kom­men, doch dann habe ein Beam­ter des Regie­rungs­prä­si­di­ums erklärt, das sei eine Dop­pel­för­de­rung und die Akti­on gestoppt. „So kriegt man Prü­gel ins Geweih. Das tut dop­pelt weh.“

Im Früh­jahr ist ein Bür­ger­dia­log in Aich­hal­den geplant. „Wir wol­len den Dia­log zwi­schen Land­wir­ten und Ver­brau­chern.“, so Haas. Und Dia­na Stier­le, Ver­tre­te­rin der Land­ju­gend, ergänz­te: „Wir Jung­land­wir­te brau­chen Zukunft und Per­spek­ti­ve.“