Der Landkreis Rottweil steht bei der Versorgung mit Breitband-Anschlüssen relativ gut da. Auch wenn es noch einige Jahre dauern wird, bis die meisten Anschlüsse mit ausreichend Leistung versorgt sind. Der Kreistag hat jetzt der Vergabe von entsprechenden Arbeiten zugestimmt.
Kreis Rottweil – Es ist das vierte Kreisprojekt, der erste „FTTB-Ausbau Graue Flecken“. FTTB bedeutet in diesem Fall „Fiber to the building“, also Glasfaserleitung bis ins Gebäude. Damit können über 5000 Haushalte und Firmen („Adresspunkte“) ans Glasfasernetz angeschlossen werden, die bislang zwar einen Online-Anschluss hatten, der aber nicht gigabitfähig („Graue Flecken“) war. Die Adresspunkte sind in Bösingen, Deißlingen, Dietingen, Dornhan, Dunningen, Epfendorf, Lauterbach, Schenkenzell, Schiltach, Sulz, Vöhringen, Wellendingen und Zimmern. Also 13 Gemeinden aus dem Kreis.
Dieser Ausbau ist insgesamt mit Kosten im neunstelligen Euro-Bereich verbunden. Die Glasfaser-Firmen wie Telekom, Vodafone und andere können im weniger dicht besiedelten ländlichen Raum die Kosten nicht mit ihren Einnahmen decken. Es bleibt eine Differenz, die „Wirtschaftlichkeitslücke“. Also springt die öffentliche Hand ein, um Bevölkerung und Firmen nicht vom schnellen Internet abzuhängen. Eine besondere Art der Wirtschafts- und Bevölkerungsförderung.
Der Landkreis allein könnte die Kosten, im aktuellen Fall sind es 37,75 Millionen Euro, nicht decken. Aber Bund und Land haben großzügig Mittel dazu bereitgestellt. Vom Bund zugesagt sind 50 Prozent der Wirtschaftlichkeitslücke, vom Land 40 Prozent. Erst mal vorläufig. Die Verwaltung wird aber nun die endgültigen Bescheide beantragen – eine Formsache, wie bei der Sitzung zu verstehen war. Der Landkreis steuert eine Million Euro bei, die beteiligten Kommunen 2,76 Millionen.
Den Ausbau der Leitungen hat der Kreistag einstimmig an die Firma GlasfaserPlus vergeben. Das ist ein „Joint Venture“ unter anderem der Telekom. Der Bau der Leitungen soll im Herbst beginnen und 2029 oder 2030 abgeschlossen sein, wie Sachbearbeiter Stefan Wiest dem Kreistag berichtete.
Rottweil und Schramberg
Was aber ist mit den weiteren Städten und Gemeinden im Kreis, darunter Anschlüsse in Rottweil und Schramberg? Diese waren ursprünglich für das vierte Kreisprojekt vorgesehen. Damit hätte es aber keine Erfolgsaussichten für die Zuschüsse gegeben, so musste die Zahl der Kommunen verringert werden. Doch nun hat der Landkreis sechs der sieben restlichen Kommunen in das neue, das fünfte Kreisprojekt aufgenommen und positive Bescheide erhalten. „Wir hatten Glück, dass andere Länder ihre Mittel nicht ausgeschöpft haben und auch in Baden-Württemberg nicht alle so mutig waren“, erklärte Wiest. Nun können auch in Rottweil, Schramberg, Oberndorf, Villingendorf, Fluorn-Winzeln und Hardt die „Grauen Flecken“ geschlossen werden. Das sind 7440 Adresspunkte. Die Wirtschaftlichkeitslücke beträgt hier 67 Millionen Euro. Der Landkreis trägt davon 1,5, die beteiligten Kommunen 5,1 Millionen. Den Löwenanteil tragen hier wieder Bund (33,5) und Land (26,8 Millionen). Weil hier noch Ausschreibung und Planung erfolgen, kann der Ausbau frühestens Ende 2027 starten. Mit einer Fertigstellung rechnet Wiest für 2031 oder 32.

Schlau
Nun fehlt noch eine Gemeinde, und das ist Eschbronn. Hier, so berichtete Landtag Dr. Wolf-Rüdiger Michel, hat die Gemeinde vor ein paar Jahren ein Gasleitungsnetz gebaut und dabei auch gleich an das Glasfaserkabel gedacht.
Dass noch nicht alle der Glasfaser-Anschlüsse auch immer die versprochene Rate lieferten, beanstandete Kreisrat Daniel Karrais (FDP). Da müsse politischer Druck kommen, fand Martin Rudersdorf, der den Landkreis in der Sache berät.
178 Millionen Euro
Wenn auch das fünfte Kreisprojekt abgeschlossen ist, so hat Wiest ausgerechnet, sind Wirtschaftlichkeitslücken im Gesamtwert von 178 Millionen Euro abgedeckt worden. Davon sind dann 89 Millionen vom Bund, 68,5 Millionen vom Land, zehn Millionen vom Landkreis und 10,5 Millionen von den Städten und Gemeinden.
Vom Landrat und aus dem Reihen der Kreisräte kam viel Lob für die Akteure.



