Corona-Ausbruch in Sulz – aber bisher noch keine Hinweise auf Fasnets-Folgen

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In einem Seniorenheim in Sulz verzeichnet das Landratsamt Rottweil einen Corona-Ausbruch. Noch lägen nicht alle Testergebnisse vor, so Landrat Dr. Wolf-Rüdiger Michel am Mittwoch im Rahmen einer Pressekonferenz. Bislang gehe man aber von zehn Infizierten, vier Bewohnern und sechs Mitarbeitern der Einrichtung, aus. „Stand heute und jetzt“. Folgen der Fasnet? Vergangene Woche bezeichnete Michel den „merkwürdigen Umzug“ am Fasnetsmontag in Rottweil noch als „Mischung von Eitelkeit und Borniertheit“. Mögliche Auswirkungen auf das Infektionsgeschehen sind allerdings bisher nicht erkennbar.

Fast 5000 Covid-19-Infektionen seit Beginn der Pandemie 2020 – diese Zahl nannte Landrat Michel am Mittwoch. Allein 300 bislang in diesem Februar 2021. Insgesamt seit Beginn 136 Todesopfer. Allerdings ein Infektionsgeschehen auch, das aktuell überschaubar scheint. Bei einer 7-Tages-Inzidenz von 44 im Landkreis Rottweil. Für Michel kein Grund, sich zu entspannen. „Die Zahlen steigen leicht“, sagte er. Und warnte: „Das Elend wird meist mit einem leichten, mehrtägigen Anstieg eingeleitet.“ Dieser liege jetzt vor. „Das Virus ist unberechenbar“, so der Landrat.

Der Landrat ist auf der Hut

Neben dem von ihm als „Ausbruch“ bezeichneten Infektionsgeschehen in dem Sulzer Heim gibt es etwa auch vier neue Fälle in Dunningen allein gestern. Michel ist auf der Hut. Denn in diesen Tagen seien „Bürger und Wirtschaft immer weniger bereit, die Corona-Einschränkungen einzuhalten“, habe er beobachtet. Das sagte er am selben Tag, an dem ein Bäckermeister aus dem Landkreis Rottweil einen Brandbrief abschickte, in dem er Regierungsversagen anprangert. Zuletzt hatte das Landratsamt die Ausgangsbeschränkungen aufgehoben – und die Menschen zieht es nach draußen.

Michel schwant offenbar böses. Er sei „gespannt, was von den Öffnungsplänen übrig bleibt“, sagte er. Zumal sich auch hier Mutationen des Virus verbreiten, die ansteckender, gefährlicher sein sollen. „Eine erhöhte Infektiösität der Virus-Mutante wird bereits deutlich“, sagte etwa Dr. Petra Sostak, die stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamts.

Zugleich bedankte sich der Landrat aber auch bei den Bürgern, die sich an die Beschränkungen halten würden. „Sie machen das nicht nur für sich, sie tun das für alle.“ Andererseits gehe es um Existenzen etwa im Handel und in der Gastronomie. Und für die Kinder und Jugendliche gehe es um Bildung.

Zahl der wöchentlichen Impfungen verdreifacht

Wie überall sonst arbeitet man hier der Pandemie mit Impfungen entgegen. Deren Zahl steigt stetig. In der ersten Woche seien im Kreisimpfzentrum in der Rottweiler Stadthalle noch 301 Dosen verimpft worden, inklusive den mobilen Teams und den Impfungen in Kliniken kam man auf rund 500. Jetzt, vier Wochen später, liege man schon bei 1600 Impfungen in der Woche.

Das übrigens inzwischen mit zwei Impfstoffen, dem von Biontech und dem von AstraZeneca. Letzterer sei – entgegen zuletzt aufgekommener Kritik – aus Sicht von Dr. Sostak „hochwirksam“. Er verhindere eine Erkrankung oder sorge wenigstens für einen milderen Verlauf. Und das bereits nach der ersten Impfung, wie eine aktuelle Studie zeige. Das bedeute, dass geimpfte Menschen, die an Corona erkranken, nicht unbedingt in ein Krankenhaus, „nicht unbedingt hospitalisiert werden müssen“, wie Martine Hielscher, Ärztin im Rottweiler Gesundheitsamt, ergänzte.

Die Einhaltung der Hygieneregeln und die Impfung – bei unter 65-Jährigen auch mit AstraZeneca – ist der beste Schutz vor Corona.“

Dr. Petra Sostak, stellvertretende Leiterin, Gesundheitsamt Rottweil

Es bleibt so gut wie nichts übrig

Seit einer Woche werden im Kreisimpfzentrum (KIZ) neben dem Biontech-Stoff auch die ersten Dosen AstraZeneca verimpft, berichtete der Leiter des KIZ, Kreisbrandmeister Nicos Laetsch. 400 seien es diese Woche, „das wird sich auf bis zu 1300 pro Woche erhöhen.“ Er habe sogar ein erhöhtes Interesse an diesem Impfstoff wahrgenommen. Es käme fast nie zu Absagen von Terminen, das System würde diese dann weiteren Interessenten automatisch anbieten, weshalb abends, am Ende eines langen Impftages, höchstens zwei oder drei Dosen übrig seien, „das geht fast immer auf“, so Laetsch. Übrig bleibende Dosen würden zudem in den separat anberaumten Terminslots für Rettungsdienst-Angehörige und Ärzte vergeben.

Außerdem bedeutet der Stoff von AstraZeneca für das KIZ eine gewisse Erleichterung. Müsse der von Biontech, wenn die Dosis vorbereitet ist, innerhalb einer Stunde verimpft werden, bliebe bei AstraZeneca 48 Stunden Zeit.

Die Nebenwirkungen

Wie aber werden die Impfungen vertragen? „Es gibt Nebenwirkungen“, so Ärztin Hielscher. Meist aber seien dies Rötungen um die Einstichstelle selbst. „Manche reagieren auch heftiger“, erklärte die Amtsärztin, „mit grippeähnlichen Symptomen“. Diese aber seien eine normale Reaktion des Körpers und klängen nach zwei, drei Tagen ab.

Folgen der Fasnet?

Vor gut einer Woche ging es noch viral: das Video der NRWZ von einem schwarzen, von der Narrenzunft nicht veranstalteten Narrensprung in Rottweil. Das Verhalten der wilden Narren stieß bundesweit auf völliges Unverständnis, schaffte es in die Nachrichten, wurde höchst emotional diskutiert.

Spiegelt sich das Verhalten dieser „Unbelehrbaren“ aber nun im Infektionsgeschehen im Landkreis Rottweil wider? Bisher nicht, so die Antwort aus dem Landratsamt auf diese Frage. So sei an dem Ausbruch in Sulz eine Einreise aus dem Ausland schuld, den habe ein eingeschlepptes Virus verursacht. Und es „ist auch schwierig, das nachzuweisen, die Betroffenen werden nicht zugeben, dass sie Abstandsregeln und andere Corona-Maßnahmen nicht eingehalten haben“, so die stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamts, Sostak.

Oder, wie Landrat Michel das zusammenfasste: „Das Dunkelfeld kann nicht ausgeleuchtet werden.“

Peter Arnegger (gg)
Peter Arnegger (gg)https://www.nrwz.de
... ist seit gut 25 Jahren Journalist. Mehr über ihn hier.

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