Der Minister bringt dem „Streber“ eine Dreiviertelmillion

Breitbandausbau im Landkreis

Diese Urkunde ist eine Dreiviertelmillion Euro wert. Bei der Übergabe: Landrat Wolf-Rüdiger Michel, Minister Andreas Scheuer, der CDU-Bundestagsabgeordnete Volker Kauder und der FDP-Landtagsabgeordnete Daniel Karrais. Fotos: wede

Der Land­kreis Rott­weil kann auch als Stre­ber bezeich­net wer­den.“ Die­se Aus­sa­ge in einer Schu­le? Ganz schön mutig, der Herr Minis­ter. Andre­as Scheu­er hat­te aber auch einen dicken Scheck dabei, oder viel­mehr einen Zuschuss-Bescheid, bei sei­nem Besuch im Berufs­schul­zen­trum: 755.000 Euro dafür, dass 129 Schu­len und Bil­dungs­ein­rich­tun­gen im Kreis einen Glas­fa­ser-Anschluss fürs schnel­le Inter­net bekom­men.

Stre­ber – oder Vor­bild: Was der Ver­kehrs- und Digi­ta­li­sie­rungs­mi­nis­ter vor einem aus­ge­such­ten Publi­kum von Ver­tre­tern der Kom­mu­nen und der Wirt­schaft lob­te, das bringt den meis­ten Haus­hal­ten (95 Pro­zent laut Tele­kom) und Betrie­ben im Kreis das „Tur­bo-Inter­net“ mit­tels Glas­fa­ser. Als einer der ers­ten Land­krei­se in Baden-Würt­tem­berg, wie Land­rat Dr. Wolf-Rüdi­ger Michel stolz beton­te. Gebaut hat es die Tele­kom, aber es gab auch Inves­ti­ti­ons­bei­hil­fe vom Land­kreis (11,8 Mil­lio­nen), vom Land (2,37 Mil­lio­nen) und 5,92 Mil­lio­nen vom Bund. Letz­te­rer hat ja erst fünf Mil­li­ar­den für die­sen Zweck ein­ge­plant. „Das Geld ist da, es wird aber nicht abge­ru­fen – außer in Rott­weil“, lob­te der Minis­ter. Das Ziel des Bun­des sei Tur­bo-Inter­net für alle Haus­hal­te bis 2025 – im Kreis Rott­weil eben schon frü­her.

Es erfüllt uns mit Stolz, 64.000 Haus­hal­te ver­sorgt zu haben“, sag­te Frank Bothe, Nie­der­las­sungs­lei­ter der Tele­kom. Es sei dafür auch viel gesche­hen in den letz­ten zwei Jah­ren: 210 Kilo­me­ter Glas­fa­ser­ka­bel ver­legt, 160 Kilo­me­ter Tief­bau, 5500 Bau­gru­ben aus­ge­ho­ben dafür waren 15000 Arbeits­auf­trä­ge not­wen­dig und 230 Tele­fon­kon­fe­ren­zen. Als beson­de­res Bei­spiel nann­te er die Gemein­de Esch­bronn (Maria­zell und Locher­hof), die die Ver­le­gung des Kabels mit der Gas­ver­sor­gung ver­bun­den habe.

In den kom­men­den zwei Jah­ren sol­len nun die Schu­len direkt mit Glas­fa­ser-Anschlüs­sen ver­sorgt wer­den. Dafür sei­en neun Kilo­me­ter Tief­bau not­wen­dig, wie Bothe berich­te­te. Dafür gibt es eine Inves­ti­ti­ons­bei­hil­fe von 1,5 Mil­lio­nen Euro, von denen der Bund besag­te 755.000 über­nimmt. Wie not­wen­dig das im Fal­le der beruf­li­chen Schu­len in Rott­weil ist, beton­ten die Schul­lei­ter Ste­fan Stei­nert (Erich-Hau­ser-Gewer­be­schu­le) und Ingo Lüt­jo­hann (Nell-Bre­u­ning-Schu­le): Zwar gibt es intern schon eine her­vor­ra­gen­de Infra­struk­tur, aber die Anbin­dung sei zu schwach. „Wenn vie­le unse­rer Klas­sen gleich­zei­tig ins Netz gehen, heißt www nicht „World wide web“, son­dern „war­ten war­ten war­ten“, sag­te Lüt­jo­hann. Die Arbei­ten dafür sol­len laut Bothe im Früh­jahr gleich nach Frost-Ende begin­nen.

Gut aus­ge­bil­de­te jun­ge Men­schen sind der wich­tigs­te Roh­stoff unse­res Lan­des, des­halb müs­sen unse­re Schu­len schnell auf den neu­es­ten Stand der Digi­ta­li­sie­rung gebracht wer­den“, assis­tier­te der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Vol­ker Kau­der. Er beton­te, dass der Glas­fa­ser-Anschluss ein Schritt zu glei­chen Lebens­be­din­gun­gen in Stadt und Land sei. Damit sei die Ent­wick­lung aber noch nicht am Ende: „Der Dank ist die schärfs­te Form der Bit­te“. Schließ­lich, so wur­de von meh­re­ren Red­nern gefor­dert, sei­en flä­chen­de­cken­de Ver­sor­gung mit Mobil­funk­stan­dard 4G und Glas­fa­ser Vor­aus­set­zung für die flä­chen­de­cken­de Ein­füh­rung des 5G-Stan­dards.

Rott­weils Ober­bür­ger­meis­ter Ralf Broß nütz­te die Gele­gen­heit, den Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter auf den Aus­bau der Gäu­bahn, ins­be­son­de­re die Mit­tel für den zwei­glei­si­gen Aus­bau des Abschnitts Rott­weil – Neuf­ra, und den zusätz­li­chen Ring­zug-Halt am Stadt­gra­ben im Zusam­men­hang mit der Lan­des­gar­ten­schau auf­merk­sam zu machen. Und beim Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plan Neuf­ra nicht zu ver­ges­sen.