Durch Mietnomaden droht Ruin, und die Behรถrden halten die FรผรŸe still – Spendenaufruf gestartet

Autor / Quelle:
Lesezeit 6 Min.
iStock-Symbolfoto

Die Geschichte in Kรผrze: Die Gemeinde sucht Wohnraum fรผr Geflรผchtete, ein Zimmerner Bรผrger meldet sich, und es kommt zur Vermietung. Allerdings anders als erwartet. Und am Ende steht ein Zimmerner vor dem Ruin. Doch nein, so weit soll es nicht kommen. Fรผr den Zimmerner Bรผrger ist eine Spendenaktion angelaufen, rund 50 Prozent der Summe sind eingegangen.

Das Drama ist in Teilen bereits รถffentlich geworden, der “Schwarzwรคlder Bote” berichtete zunรคchst, und zwar von einem Scherbenhaufen. Lรคngst hat sich auch der bekannte Zimmerner Walter Schwer der Sache angenommen. Und er schildert sie wie folgt: Im Jahr 2018 habe der Zimmerner Bรผrger, ein gelernter Zimmermann, seine Wohnung renoviert und dafรผr einen Kredit aufgenommen. “Da er bei einer frรผheren Vermietung schlechte Erfahrungen gemacht hatte, entschied er sich nach einem Aufruf der Gemeinde im Amtsblatt, die fรผr Flรผchtlinge dringend Wohnrรคume suchte, seine Wohnung hierfรผr zur Verfรผgung zu stellen, also an die Gemeinde zu vermieten.” Es habe ihn daraufhin eine Beauftragte der Gemeinde besucht, alles schien klar. Eine dreikรถpfige Familie von Geflรผchteten sollte einziehen.

Aber daraufhin habe das Drama seinen Lauf genommen. Walter Schwer berichtet darรผber aus seiner Sicht ausfรผhrlich (im Rahmen eines Spendenaufrufs, zu dem wir spรคter noch kommen), Zitat:

  • Entgegen der Absprache zog nicht die vorgesehene Flรผchtlingsfamilie ein (2 Erwachsene mit Kind), sondern eine andere Gruppe (3 erwachsene Mรคnner und eine Frau). 
  • Der Mietvertrag wurde ohne Zustimmung [des Vermieters] von einer sogenannten โ€žBetreuerinโ€œ der Gemeinde geรคndert. Diese โ€žkรผmmerte sichโ€œ auch um seine Beschwerden รผber seine Mieter.
  • Die Gemeindeverwaltung bestreitet bis heute, dass die Betreuerin in ihren Diensten stand – hierfรผr gibt es jedoch zahlreiche Belege. [Schwer verรถffentlicht die Belege nicht, will sie aber auf Anfrage zur Verfรผgung stellen]. Die Frage, warum diese Dame dann ohne Wissen der Gemeindebeauftragten fรผr Asyl dem Betroffenen eigenmรคchtig andere Mieter zuwies, die Vertrรคge selbst verfasst und bei Beschwerden des Vermieters Ansprechpartnerin der Gemeinde war, und damit die Tragรถdie ausgelรถst hat, blieb bis heute von der Verwaltung unbeantwortet.

Gemeinde & Landratsamt: nicht zustรคndig

Hier mรผssen wir einhaken, der Gemeinde die Chance zur Stellungnahme geben. Diese fรคllt notwendigerweise eher knapp aus: “Der Gemeinderat hat sich mit dem … Vorgรคngen bereits mehrfach befasst. Da es sich um nichtรถffentliche Beratungen handelte und personenbezogene sowie haftungsrechtliche Aspekte betroffen sind, kรถnnen wir dazu keine weiteren Angaben machen. Ein Mietverhรคltnis mit der Gemeinde bestand jedoch nicht.”

Und weiter erklรคrt die Gemeinde Zimmern, eine Sprecherin stellte der NRWZ diese Stellungnahme zur Verfรผgung, so: “Grundsรคtzlich gilt, dass nur Mietverhรคltnisse, bei denen die Gemeinde selbst Vertragspartner ist, auch in die Verantwortung der Gemeinde fallen. Bei einer Vermietung von Wohnraum an die Gemeinde zur Unterbringung geflรผchteter Menschen ist von vornherein klar, dass die Wohnungen fรผr diesen Zweck vorgesehen sind. Die konkrete Zuweisung der Personen erfolgt nicht durch die Gemeinde, sondern durch das Landratsamt.” Doch auch dort sieht man sich nicht verantwortlich. Eine Sprecherin der Behรถrde: “Wir hatten von 2018 bis 2024 keinen Mietvertrag fรผr diese Adresse, und dort waren und sind auch keine Geflรผchteten untergebracht, die unter der Betreuung des Landkreises stehen.”

Aber weiter in dem Fall des Zimmerner Vermieters, wie von Walter Schwer dargestellt, Zitat:

  • Mieten und Nebenkosten, die zur Tilgung des Kredits direkt von den Mietern รผberwiesen werden sollten, blieben รผber Monate unbezahlt, obwohl die Betreuerin dem Vermieter zusagte, dieses Problem mit dem Mieter zu lรถsen [auch hierfรผr hat Schwer nach eigenen Angaben Belege].
  • Die Wohnung wurde durch mehrfache รœberbelegung durch die Mieter (z. T. waren 12 Personen anwesend), Beschรคdigungen und mutwillige Zerstรถrung des Inventars, von Abwasseranschlรผssen sowie der vรถlligen Zerstรถrung des Bodens (der Wohnraum wurde mehrfach unter Wasser gesetzt) in einem vรถllig desolaten Zustand hinterlassen.

Hoher Schaden

Das Ergebnis: Mietausfรคlle von mindestens 6000 Euro, rechnet Schwer vor, es habe Schรคden an Mobiliar, Heizung und Sanitรคranlagen gegeben, am FuรŸboden und anderem Hรถhe von rund 25.000 Euro. AuรŸerdem sei die Wohnung wegen der Schรคden und des fehlenden Geldes zur Renovierung seit einem Jahr nicht mehr vermietbar.

Vonseiten der Gemeinde habe der Zimmerner Vermieter keine Hilfe bekommen, “die entzieht sich noch immer jeglicher Verantwortung”, so Schwer. Rechtsanwรคlte hรคtten wenig Erfolgsaussichten gesehen, auf rechtlichem Wege (Klage) Schadensersatz und nicht erstattete Mietzahlungen durch die Mietnomaden zu erhalten.

Termin fรผr das drohende Aus steht fest

Jetzt drohe dem Zimmerner Vermieter der Ruin. Dieser sei bereits terminlich auf den 30. November 2025 festgelegt, dann wolle die Bank das ursprรผngliche Darlehen fรผr die Wohnung zurรผckgezahlt haben. Deshalb hรคtten sich Nachbarn und Freunde des Zimmerner Bรผrgers nun zusammengetan, um Spenden zu sammeln. Sie schreiben:

Wir bitten Sie daher von Herzen: Helfen Sie …, um die drohende Insolvenz zu verhindern, die dringend nรถtige Renovierung der Wohnung โ€“ die er selbst bewerkstelligen will – zu finanzieren, die entstandenen Mietschulden und Schรคden auszugleichen.

Unser Ziel ist es, die hierfรผr erforderlichen Finanzmittel zu sammeln, um die notwendigsten Reparaturen und die Tilgung des Kredits zu sichern. Jeder Betrag โ€“ ob klein oder groรŸ โ€“ ist ein wichtiger Schritt, um einem unschuldig in Not geratenen Mitbรผrger wieder eine Perspektive zu geben.

Spendenaufruf “Damit aus Vertrauen kein Ruin wird”

Walter Schwer hat, wie erwรคhnt, einen Spendenaufruf gestartet. Rund die Hรคlfte der zunรคchst veranschlagten Summe ist zusammengekommen, weitere Spenden sind hochwillkommen:

Danke, dass Sie die NRWZ lesen.

NRWZ.de ist kostenlos. Damit das so bleibt, brauchen wir Werbeeinnahmen โ€” die funktionieren besser mit Ihrer Einwilligung. Nutzen Sie NRWZ kostenlos mit Werbung oder unterstรผtzen Sie unsere Redaktion mit einer Steady-Mitgliedschaft und lesen dafรผr werbefrei.

Kostenlos mit Werbung

Der kostenlose Zugang wird durch Werbung finanziert. Dafรผr bitten wir um Ihre Einwilligung in die dafรผr notwendigen Cookies und Dienste.

Bereits Mitglied? Dann kรถnnen Sie sich direkt einloggen:

Werbefrei mit Steady

Mit Steady unterstรผtzen Sie unabhรคngigen Lokaljournalismus aus der Region und lesen NRWZ ohne Werbung*.

*Frei von Werbung รผber die externen Anbieter Google und Taboola. Lokale Werbung zeigen wir im Interesse unserer Direktkunden weiterhin an.

Mehr Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklรคrung und im Impressum.