Es hat gedau­ert. Acht Jah­re ist es her, dass Jür­gen Gräss­lin eine Anzei­ge gegen den Obern­dor­fer Waf­fen­her­stel­ler Heck­ler und Koch wegen ille­ga­len Waf­fen­ex­ports nach Mexi­ko erstat­tet hat.

Im August 2010 hat­te der Spie­gel erst­mals dar­über berich­tet, dass Heck­ler und Koch zwi­schen 2006 und 2009 eini­ge tau­send  G 36-Geweh­re in vier mexi­ka­ni­sche Unru­he­pro­vin­zen gelie­fert habe, obwohl dies das Bun­des­amt für Wirt­schaft und Aus­fuhr­kon­trol­le im Som­mer 2006 aus­drück­lich ver­bo­ten habe. Ein Whist­leb­lo­wer hat­te dem lang­jäh­ri­gen Heck­ler-und-Koch-Kri­ti­ker Gräss­lin Doku­men­te gesteckt, die zei­gen, dass bei den Geschäf­ten des Unter­neh­mens mit Mexi­ko etwas faul war.

Der dama­li­ge Heck­ler-und-Koch-Geschäfts­füh­rer Peter Bey­er­le nann­te die Vor­wür­fe im Spie­gel „absurd“.  Bey­er­le war vor sei­ner Zeit als Jus­ti­ti­ar und dann als Geschäfts­füh­rer in Obern­dorf Prä­si­dent des Land­ge­richts Rott­weil.

Ein Fehler der Mexikaner

Als der Spie­gel berich­te­te, war die Anzei­ge schon drei Mona­te alt. Bey­er­le erklär­te damals im Gespräch mit der NRWZ: „Das erfah­re ich von Ihnen jetzt zum ers­ten Mal.“  Es sei ledig­lich Zube­hör für das G 36-Gewehr in eine der Unru­he­pro­vin­zen, näm­lich Chiap­pas, gelie­fert wor­den. Ein Feh­ler, den die Mexi­ka­ner began­gen hät­ten. Als man von der Behör­de dar­auf hin­ge­wie­sen wor­den sei, habe man den Feh­ler sofort kor­ri­giert. In der Sache Mexi­ko wer­de „wider bes­se­res Wis­sen“ etwas behaup­tet, das nicht stim­me, so Bey­er­le. Und über­haupt sei der mexi­ka­ni­sche Markt für sein Unter­neh­men „völ­lig unbe­deu­tend“.

Das mag sein, aber für Bey­er­le und die wei­te­ren Ange­klag­ten hat die Mexi­ko-Affä­re inzwi­schen sicher an Bedeu­tung gewon­nen. Nach sechs Jah­ren Ermitt­lun­gen, Haus­durch­su­chun­gen, Arbeits­ge­richts­ver­fah­ren, meh­re­ren Fern­seh­do­ku­men­ta­tio­nen, ja sogar einem preis­ge­krön­ten Spiel­film zum The­ma und wei­te­ren zwei Jah­ren War­te­zeit wird jetzt vor dem Land­ge­richt Stutt­gart die juris­ti­sche Auf­ar­bei­tung begin­nen. Ab Diens­tag wird in der Urban­stra­ße ver­han­delt. Bis Ende Okto­ber hat das Gericht bereits 24 wei­te­re Ter­mi­ne ein­ge­plant.

Ein juris­ti­sches Mam­mut­ver­fah­ren. Akten­zei­chen  13 KLs 143 Js 38100/10

Grässin unzufrieden

Jür­gen Gräss­lin, der das gan­zer Ver­fah­ren mit sei­ner Anzei­ge ins Rol­len brach­te,  spricht vom „größ­ten Pro­zess gegen die Rüs­tungs­in­dus­trie der letz­ten Jah­re“. 28 Zeu­gen wer­den zu Wort kom­men.

Jür­gen Gräss­lin bei einer Demons­tra­ti­on vor Heck­ler und Koch vor fünf Jah­ren. Archiv-Foto: him

In einer Pres­se­mit­tei­lung sei­nes Ver­lags kri­ti­siert er aber die Staats­an­walt­schaft Stutt­gart. Die­se hät­te „neben der Fir­ma Heck­ler & Koch auch umfas­send gegen invol­vier­te Ver­tre­ter der Rüs­tungs­ex­port­kon­troll­be­hör­den ermit­teln und deren recht­lich mehr als bedenk­li­che Rol­le über­prü­fen müs­sen”. Das Bun­des­aus­fuhr­amt (BAFA) und das Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um (BMWI) hät­ten zumin­dest die­sen ille­ga­len Waf­fen­han­del gedul­det, wenn nicht sogar beför­dert, wie er und sei­ne Ko-Auto­ren im Buch ‚Netz­werk des Todes’ bewie­sen hät­ten.

Dass es den­noch zu kei­nen Unter­su­chun­gen kam, lie­ge dar­an, dass die Ermitt­lun­gen gegen Ver­tre­ter der Rüs­tungs­ex­port­kon­troll­be­hör­den zwar for­mal auf­ge­nom­men, das Ver­fah­ren aber umge­hend wie­der geschlos­sen wur­de. „Dadurch konn­te die fünf­jäh­ri­ge Ver­jäh­rungs­frist in Kraft tre­ten. Und das führt heu­te dazu, dass inner­halb des jetzt anste­hen­den Pro­zes­ses kein Ver­tre­ter von BAFA oder BMWI auf der Ankla­ge­bank sitzt“. so Gräss­lin.

Von drei zu beschul­di­gen­den Insti­tu­tio­nen müs­se sich mit den Heck­ler-und-Koch-Leu­ten nur eine ver­ant­wor­ten. „Von 15 von mir ange­zeig­ten Per­so­nen sit­zen ledig­lich sechs auf der Ankla­ge­bank. Da sind Kräf­te im Spiel, die gewal­tig sind zum Schutz der Ver­ant­wort­li­chen – in den Behör­den und in der Regie­rungs­po­li­tik“, mut­maßt er.