Polizeipräsident Gerhard Regele stellte die erneut ziemlich erfreuliche Kriminalitätsstatistik des Landkreises vor. Foto: Moni Marcel

Poli­zei­prä­si­dent Ger­hard Rege­le stell­te am Frei­tag die Kri­mi­na­li­täts­sta­tis­tik des Land­kreis vor. Und er muss­te sich erneut wie­der­ho­len: Der Land­kreis ist in Rege­les drit­tem Jahr der sichers­te im Bereich des Poli­zei­prä­si­di­ums, und das Prä­si­di­um wie­der­um das sichers­te im Land. Dabei sei es gar nicht so ein­fach, die ohne­hin schon guten Zah­len noch wei­ter zu ver­bes­sern, so Rege­le, doch es ist offen­bar gelun­gen.

Aller­dings macht ihm die Stadt Obern­dorf Sor­gen: Sie tanzt mit einem Plus von 2,4 Pro­zent an Straf­ta­ten gänz­lich aus der Rei­he. Lan­des­weit ist die Zahl 2018 um 1,3 Pro­zent zurück­ge­gan­gen, im Bereich des Prä­si­di­ums Tutt­lin­gen um 4,6 Pro­zent. Der Land­kreis liegt bei 10,4 Pro­zent Rück­gang, die Stadt Rott­weil bei 12,3 Pro­zent, Schram­berg toppt mit 16,5 Pro­zent alles, Sulz liegt bei minus 13 Pro­zent. Auch die Auf­klä­rungs­quo­te konn­te wie­der leicht ver­bes­sert wer­den, sie liegt in Rott­weil bei zwei Drit­teln, in Schram­berg, dem Mus­ter­schü­ler, bei drei Vier­teln.

Rege­le hat­te die Zah­len mit denen von vor zehn und vor 35 Jah­ren ver­gli­chen, und auch hier zeigt sich, dass das Jahr 2018 das Sichers­te seit­dem war. „Von wegen frü­her war alles bes­ser”, kom­men­tier­te das der Prä­si­dent. Denn von 35 Jah­ren war der Ost­block noch unter sich und auch in die Nach­bar­län­der kam man nur durch Grenz­kon­trol­len. „Auch damals haben die Bür­ger nicht siche­rer gelebt.”

Gestie­gen ist aller­dings die Zahl der Sexu­al­straf­ta­ten, um ein Vier­tel, doch das fin­det man bei der Poli­zei eigent­lich ganz gut. Denn zum Einen liegt das an einer Geset­zes­än­de­rung: Wer frü­her jeman­den gegen des­sen Wil­len anfass­te, konn­te wegen Belei­di­gung ange­klagt wer­den. Heu­te fällt das unter sexu­el­le Beläs­ti­gung. Und zum Ande­ren wird vie­les eher ange­zeigt als frü­her. „Mir ist es lie­ber, ein Opfer kommt zu uns, ver­traut sich uns an, und der Täter wird belangt, als wenn das Opfer aus Scham schweigt.” Nur so kön­ne man die Täter ermit­teln, „ich bin nicht trau­rig, wenn hier die Zah­len noch nach oben gehen”, so Rege­le. Aber die Poli­zei wer­de auch genau hin­schau­en, vor allem bei Groß­ver­an­stal­tun­gen.

Und er beton­te: In die­sem Bereich fal­len aus­län­di­sche Tat­ver­däch­ti­ge nicht auf. Aller­dings bei den Gewalt­de­lik­ten, hier liegt deren Anteil bei 42 Pro­zent: Von 173 Taten wur­den 73 von Nicht­deut­schen began­gen, davon waren 34 Asyl­be­wer­ber. Aller­dings sei­en die Opfer hier meist eben­falls Asyl­be­wer­ber, sol­che Taten sei­en frü­her inner­halb der Unter­künf­te aus­ge­tra­gen wor­den, jetzt öfter in der Öffent­lich­keit. „Obwohl Deut­sche hier nicht Opfer wer­den, krie­gen sie es mit und füh­len sich unsi­cher”, so Rege­le. Sei­ne Befürch­tung ist, dass sol­che Angrif­fe, bei denen oft Mes­ser im Spiel sind, auch auf deut­sche Jugend­li­che abfär­ben. Und er betont, die­ses Pro­blem kön­ne die Poli­zei allei­ne nicht lösen. Man gehe in die Schu­len und arbei­te prä­ven­tiv, aber wenn Kin­der in der Fami­lie Gewalt erleb­ten, wür­den sie auch viel eher gewalt­tä­tig.

Gewalt gegen Poli­zei­be­am­te ist ein erschre­cken­des Phä­no­men, das es auch im Prä­si­di­um gibt: 84 Beam­te wur­den im letz­ten Jahr ver­letzt, meist aller­dings nur leicht. Hier ist Rege­le froh über die Body­cams, die seit die­ser Woche im Ein­satz sind: Ein nüch­ter­ner, kon­trol­liert han­deln­der Täter wer­de sicher davon abge­schreckt, hin­ge­gen wir­ke es bei sol­chen, die alko­ho­li­siert sind oder unter Dro­gens tehen, wohl eher nicht.

Auch in Sachen Rausch­gift­kri­mi­na­li­tät hat die Poli­zei noch eini­ges zu tun: „Die Kon­sum­freu­dig­keit bei jun­gen Men­schen nimmt zu”, so Rege­le. Die Zah­len unter­schei­den sich hier aber auch stark: In Rott­weil gin­gen die Fäl­le um 37,7 Pro­zent zurück, in Schram­berg um sechs Pro­zent, in Ober­dorf waren es 1,9 Pro­zent mehr und in Sulz ein Plus von 13,2 Pro­zent. Gefähr­lich sei­en vor allem die syn­the­ti­schen Dro­gen, „sie wis­sen hier oft gar nicht, was sie da neh­men.”

Erfreu­lich hin­ge­gen ist die Ent­wick­lung in Sachen Woh­nungs­ein­brü­chen: Hier gab es 22 Fäl­le im Land­kreis, 2017 waren es noch 49. Als einen Grund dafür sieht Rege­le die Tat­sa­che, dass die Bür­ger selbst mehr für ihre Sicher­heit tun, wofür es auch För­der­gel­der gebe. Er ver­wies dazu auf die Bera­tungs­stel­le der Poli­zei, die kos­ten­los Tipps und Hil­fe anbie­te.

Noch eine eigent­lich nega­ti­ve Zahl, die aber gar kei­ne ist: 41,3 Pro­zent mehr Fäl­le in Sachen ille­ga­ler Waf­fen­be­sitz. Doch das hat mit der Amnes­tie zu tun: Wer sei­ne ille­ga­le Waf­fe abgibt, wird bei der Poli­zei erst­mal als Straf­tä­ter regis­triert. Erst danach ist die Staats­an­walt­schaft für die Amnes­tie zustän­dig.