In diesem Haus am Ortsrand von Hardt tötete eine 56-jährige Frau aus Hardt ihre 22-jährige Tochter mit Messerstichen. Foto: him

Die bei­den Blut­ta­ten vom Sonn­tag, 27. Janu­ar wer­den wahr­schein­lich kei­ne straf­recht­li­chen Kon­se­quen­zen für die mut­maß­li­che Täte­rin haben. Wie berich­tet, hat­te eine 56-jäh­ri­ge Frau zunächst in Hardt ihre 22-jäh­ri­ge Toch­ter ersto­chen und Stun­den spä­ter ihren 25-jäh­ri­gen Sohn in sei­ner Woh­nung in Ten­nen­bronn mit einem Mes­ser schwer ver­letzt.

Nach der Tat hat­te die Poli­zei die Frau in Ten­nen­bronn fest­ge­nom­men. Am nächs­ten Tag hat­te auf Antrag der Staats­an­walt­schaft Rott­weil  ein Haft­rich­ter gegen die 56-jäh­ri­ge Frau „Haft­be­fehl wegen des Ver­dachts des Tot­schlags sowie wegen ver­such­ten Mor­des in Tat­ein­heit mit gefähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung erlas­sen“.  Die Frau wur­de dar­auf­hin in ein Jus­tiz­kran­ken­haus gebracht und die Staats­an­walt­schaft hat­te ein psych­ia­tri­sches Gut­ach­ten ange­for­dert.

Auf­grund der wei­te­ren Ermitt­lun­gen ist nun­mehr davon aus­zu­ge­hen, dass die Beschul­dig­te zu den genann­ten Tat­zei­ten schuld­un­fä­hig gewe­sen ist“, so der Spre­cher der Staats­an­walt­schaft Rott­weil, Frank Grund­ke am Frei­tag. Auf Antrag der Staats­an­walt­schaft sei des­halb der bestehen­de Haft­be­fehl auf­ge­ho­ben und ein Unter­brin­gungs­be­fehl gegen die Beschul­dig­te erlas­sen wor­den.

Nach­dem der­zeit drin­gen­de Grün­de für die Annah­me einer spä­te­ren Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus gege­ben sei­en, habe das Amts­ge­richt Rott­weil die einst­wei­li­ge Unter­brin­gung ange­ord­net.

Es wer­de nach den der­zei­ti­gen Erkennt­nis­sen der Staats­an­walt­schaft nicht zu einem Straf­ver­fah­ren, son­dern zu einem Siche­rungs­ver­fah­ren kom­men, so Grund­ke auf Nach­fra­ge der NRWZ. Die­ses wer­de „zwin­gend“ beim Land­ge­richt Rott­weil geführt.

Unterbringung statt Gefängnis

Bis zum Pro­zess wird die Frau des­halb in einer geschlos­se­nen Abtei­lung eines psych­ia­tri­schen Kran­ken­hau­ses blei­ben. Wenn das Gericht sich der Ansicht des Gut­ach­ters anschließt, wird die Frau end­gül­tig in einer psych­ia­tri­schen Kli­nik unter­ge­bracht. Wie lan­ge die­se Unter­brin­gung daue­re, hän­ge von der Krank­heit ab und sei „nicht abschätz­bar“, so Grund­ke.

Die bei­den Taten hat­ten für gro­ßes Ent­set­zen in Hardt und Ten­nen­bronn geführt. Die Hard­ter Nar­ren­zunft hat­te ihren weni­ge Tage spä­ter geplan­ten tra­di­tio­nel­len Rol­letag abge­sagt, zumal die jun­ge Frau eini­ge Jah­re bei der Tanz­grup­pe der Nar­ren­zunft mit getanzt hat­te.

Info: Schuld­un­fä­hig ist nach Para­graf 20  Straf­ge­setz­buch, „wer bei Bege­hung der Tat wegen einer krank­haf­ten see­li­schen Stö­rung, wegen einer tief­grei­fen­den Bewußt­s­eins­stö­rung oder wegen Schwach­sinns oder einer schwe­ren ande­ren see­li­schen Abar­tig­keit unfä­hig ist, das Unrecht der Tat ein­zu­se­hen oder nach die­ser Ein­sicht zu han­deln.“ Schuld­un­fä­hi­ge Täter wer­den nicht bestraft, sie wer­den aber, wenn sie für die All­ge­mein­heit eine Gefahr dar­stel­len, im  Maß­re­gel­voll­zug einer foren­si­schen Psych­ia­trie in einer geschlos­se­nen Abtei­lung  unter­ge­bracht. Nur in ganz weni­gen Fäl­len (0,3 Pro­zent) gehen die Gerich­te von einer Schuld­un­fä­hig­keit aus.