Leben vegan und sprechen gerne darüber: Ramona Volz-Belk und Jochen Deibler. Foto: mm

Immer mehr Men­schen ent­schei­den sich, vegan zu leben. Auch Ramo­na Volz-Belk und Jochen Dei­bler gehö­ren dazu. Bei­de leben aller­dings schon lan­ge vegan und haben damit aller­hand ganz unter­schied­li­che Erfah­run­gen gemacht. Und die tei­len sie mit ande­ren, zum Bei­spiel in den Face­book­grup­pen „Vegan im Kreis Rott­weil” und der ent­spre­chen­den Grup­pe im Land­kreis Schwarz­wald-Baar. Hier orga­ni­sie­ren bei­de auch regel­mä­ßig Stamm­ti­sche für Vega­ner. Die NRWZ hat sich mit den bei­den unter­hal­ten.

Die ers­te und wich­tigs­te Fra­ge zuerst: Wie kommt man dazu, Vega­ner zu wer­den? Bei Jochen Dei­bler war es eine Her­aus­for­de­rung: „Ein Bekann­ter von mir hat mir erzählt, dass er jetzt vegan lebt. Da dach­te ich mir: Was der kann, kann ich schon lan­ge.”

Das war vor acht Jah­ren, seit­dem hat er kei­ne tie­ri­schen Pro­duk­te mehr ange­rührt. Dafür sich aller­hand ange­schaut, was ihn in sei­ner Über­zeu­gung nur bestärkt hat: Schwei­ne­mast­be­trie­be, Lege­bat­te­ri­en und auch, zusam­men mit Vol­ker Kau­der, einen soge­nann­ten Vor­zei­ge­bau­ern­hof. Die Bäue­rin habe die Bul­len­käl­ber in ihren Boxen als für ihre Milch­wirt­schaft so wert­los wie männ­li­che Küken für die Eier­pro­duk­ti­on bezeich­net, wie Jochen Dei­bler erzählt. „Sie mein­te, die müss­te man eigent­lich auch schred­dern. Das war für mich ein Schlüs­sel­er­leb­nis.”

Ramo­na Volz-Belk hin­ge­gen war schon immer Vege­ta­rie­rin, und als sie 2013 Tho­mas Bau­mann, den Macher des Veg­gie-Treffs in Blum­berg ken­nen­lern­te, wur­de ihr klar, dass es nicht aus­reicht, auf Fleisch zu ver­zich­ten. „Tier­leid gibt es auch in der Milch­pro­duk­ti­on.”

Dabei stel­len bei­de klar, dass es kein Ver­zicht für sie ist, vegan zu leben. Im Gegen­teil: „Man befasst sich viel mehr mit dem, was man isst. Und lernt viel Neu­es ken­nen.” Qui­noa zum Bei­spiel, oder das Rezept für Merin­gu­en aus Kicher­erb­sen­was­ser, sol­che Din­ge wer­den bei den Veg­gie­treffs aus­ge­tauscht. „Das Spek­trum an Lebens­mit­teln ist viel grö­ßer als man denkt”, so Ramo­na Volz-Belk. Aber es geht auch um ganz pro­fa­ne Din­ge, erzählt sie: „Wie bringt man den Kuchen dazu, dass er nicht zusam­men­fälllt?”

Auf der ande­ren Sei­te müs­sen sich die Vega­ner aber auch stän­dig recht­fer­ti­gen. Zum Bei­spiel gegen das Argu­ment, als Vega­ner för­de­re man den Soja­an­bau in Bra­si­li­en und damit die Regen­wald­zer­stö­rung. „Das meis­te Soja wird doch an Tie­re ver­füt­tert”, und wenn mal Tofu bei ihr auf den Tisch kommt, dann sol­cher mit Soja aus hie­si­ger Bio­pro­duk­ti­on. Aber Soja ist nur ein klei­ner Teil ihrer vega­nen Ernäh­rung. „Wir essen ganz viel Gemü­se und Obst.”

Auf­pas­sen müs­sen sie als Vega­ner aber auch, dass sie nicht in die Mis­sio­nar­s­ecke gestellt wer­den. Dabei pas­siert das schnell. „Wenn man mal die Erkennt­nis erlangt hat, ist das Bedürf­nis groß, das ande­ren mit­zu­tei­len”, gibt sie zu. Und Jochen Dei­bler betont, dass der Druck manch­mal groß ist, sich ver­tei­di­gen zu müs­sen. Doch inzwi­schen hat er genü­gend Argu­men­te parat, um viel­leicht sogar den einen oder ande­ren zu über­zeu­gen. Oder zumin­dest sei­ne eige­ne Über­zeu­gung klar zu stel­len, zu der es auch gehört, kei­ne Pro­duk­te aus Leder zu tra­gen. Ramo­na Volz-Belk tut sich damit nicht ganz so leicht. „Für eine Frau mit aus­ge­präg­tem Schuh­tick ist es nicht ein­fach.”

Die Din­ge, die sie sich vor ihrer vega­nen Zeit zuleg­te, trägt sie noch. Auch aus Grün­den der Nach­hal­tig­keit. „Ich ver­ab­scheue die­se ver­brei­te­te Weg­werf­men­ta­li­tät.” Ihre Über­zeu­gung ist klar: Wenn alle auf tie­ri­sche Pro­duk­te ver­zich­ten wür­den, wäre die Welt ein gutes Stück bes­ser. Für Mensch und Tier.

Denn nach wie vor kom­men 95 bis 98 Pro­zent des Flei­sches aus Mas­sen­tier­hal­tung, was nicht nur für die Tie­re, son­dern auch für die Umwelt sehr schäd­lich ist. Und aus fri­schen, hoch­wer­ti­gen Lebens­mit­teln, ohne tie­ri­sche Pro­duk­te, las­sen sich wun­der­ba­re Din­ge zau­bern, sind die bei­den über­zeugt. Anre­gun­gen und Rezep­te gibt es im Netz und in Büchern immer mehr, und die Aus­wahl der als vegan gekenn­zeich­ne­ten Lebens­mit­tel wächst genau­so schnell wie die Fan­ge­mein­de.

Info: Wer mehr über die Grup­pe wis­sen will, bekommt hier die Infos auch zu den regel­mä­ßi­gen Veg­gie-Treffs in ver­schie­de­nen Loka­len in der Regi­on. Die dann natür­lich ein vega­nes Abend­essen anbie­ten: vegan-rottweil@gmx.de oder www.facebook.com/groups/1466595440325016