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Mittwoch, 30. September 2020

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„Die Situation lässt es einfach nicht zu“ – möglicher Rottweiler Kultur-Herbst geplatzt

Das hätte ein kleines Festival werden sollen. Mehrere Konzerte wenigstens mit regionalen Größen, den Hygieneanforderungen entsprechend. Der Titel: Rottweiler Kultur-Herbst. Doch wieder steigende Infektionszahlen haben den Planern von MAS-Veranstaltungsservice einen Strich durch die Rechnung gemacht. MAS-Chef Andreas Rohr zur NRWZ: „Die Situation lässt es einfach nicht zu.“

Rohr hat Bands wie „Wilde Engel“ und „Rosewood“ im Angebot. Für den Start des Kultur-Herbstes plante er schon mal grob vor mit „The Soulmachine“. Seine bisherigen Konzerte dieses Jahr musste er aufs nächste verschieben. MAS steckte hinter dem gut gelaufenen Auto-Event in Schramberg, das Bands in einem Autokino präsentierte. Er bestückt Vereins- und Dorffeste, Firmenevents und Hochzeiten.

Jetzt wollten Rohr und sein Team sich an einem Konzert-Highlight in Corona-Zeiten versuchen. „Sehr viele Künstler waren daran interessiert, mitzumachen“, so Rohr gegenüber der NRWZ. Er signalisierte bereits Mitte August, dass so ein kleines Festival „natürlich ein sehr großes Wagnis ist zwecks Kosten, Technik, Bühne, WC, Anlage, Personalkosten, Coronaauflagen, Werbung und so weiter.“

Es kam, wie es offenbar zurzeit kommen muss: Dieses Projekt bleibt in der Startphase stecken. „Vielen Dank für euer Interesse mit dabei zu sein bei unserem Projekt Kultur-Herbst“, schreibt Rohr am Sonntagnachmittag in einer Rundmail und -message. Er und sein Team hätten über das gesamte Wochenende sehr viel hin und her überlegt – man sei „leider zu einem nicht so tollen Ergebnis gekommen.“

Die Werbemaßnahmen, die laut Rohr mit hohen Kosten verbunden gewesen wären, hätten am morgigen Montag starten müssen, damit es zeitlich reicht für Druck und einen guten Ticketverkauf.

Angesichts dessen aber, dass die Zahl der Corona-Infizierten wieder steigt, wollen Rohr & Co. das finanzielle Wagnis derzeit nicht eingehen. „Nachdem die Infizierten-Zahlen erneut sehr steil im Südwesten ansteigen, sowie vom Bund eher die Andeutung kommt, wieder verschärfte Maßnahmen auch in Bezug auf die Besucherzahlen zu erlassen, es aber bis jetzt auch keine richtigen Aussagen dafür gibt, können wir hier nicht richtig planen und handeln“, schreibt Rohr.

Er kann als Veranstalter – wie alle Veranstalter bundesweit – auf nichts bauen. Steht gleichsam auf Treibsand. Bund und Länder haben jüngst getagt, aber zum Thema Events nichts Einheitliches beschlossen. Das Infektionsgeschehen in den einzelnen Bundesländern ist unterschiedlich, einheitliche Regelungen gibt es daher nicht.

Die Konsequenz für Rohr & Co: „Wir müssen das Projekt, so schwer es uns fällt, heute absagen.“ Rohr ergänzt: „Es tut uns selber in der Seele weh, euch leider kein positiveres Ergebnis mitteilen zu können, aber die Gesundheit steht vor allem.“

Mit Stand vom vergangenen Donnerstag gibt es derzeit 41.247 Corona-Infizierte im Land Baden-Württemberg, 283 mehr als am Vortag. Die Zahl der Genesenen stieg laut Gesundheitsministerium zugleich um 141 auf 36.381. Die sogenannte 7-Tage-Inzidenz im Land liegt bei 13,7. Ab 50 wird es kritisch. Davon ist das Land scheinbar weit entfernt, das pandemische Corona-Infektionsgeschehen hat aber die Angewohnheit, exponentiell zu wachsen.

Im Landkreis Rottweil sind bislang laut Gesundheitsamt 710 Menschen mit dem Virus infiziert worden, drei mehr als am Vortag. 18 aktive Fälle nennt das Landratsamt aktuell, fünf etwa in Rottweil und fünf in Schramberg, weitere in den übrigen Kreisgemeinden.

Momentan sei die Zahl der Neuinfektionen in den südlichen Bundesländern am höchsten, hat Rohr festgestellt. „Daher ist hier besondere Vorsicht geboten.“ Der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, sagte vor drei Tagen: „Die Infektionszahlen haben ein gefährliches Niveau erreicht und drohen den Erfolg der ersten Jahreshälfte im Kampf gegen die Pandemie zu zerstören.“ Weiter warnte Kretschmann, die zweite Hälfte des Jahres werde nicht leichter werden als die ersten sechs Monate. Vor allem da sich das Virus im Herbst und Winter leichter verbreiten könne, wenn das Leben wieder drinnen stattfinde. „Wenn wir die Lockerungen der vergangenen Wochen nicht gefährden wollen, dann müssen die Infektionszahlen jetzt zwingend wieder runter“, so Kretschmann. 

Beim Thema Veranstaltungen setzen Bund und Länder zunächst weiter auf Eigenverantwortung. „Wir werden das Infektionsgeschehen in Zusammenhang mit privaten Feiern sehr genau im Auge behalten und reagieren, falls es notwendig werden sollte“, so Kretschmann. Er appellierte an die Bürgerinnen und Bürger weiter die Kontakte möglichst zu reduzieren, auf einen festen Kreis von Menschen zu beschränken. Treffen sollten vorzüglich im Freien stattfinden. Man solle weiter Abstand halten, und dort, wo dies nicht möglich ist, eine Alltagsmaske tragen.

Rohr und sein Schramberger MAS-Veranstaltungsservice haben damit derzeit keine klaren Vorgaben für ein mögliches Festival im Herbst. Alles ist und bleibt im Fluss. „Wir, das Orgateam Kultur-Herbst, werden jedenfalls die Situation im Auge behalten und sobald die Zahlen wieder niedriger werden und es von Bund oder Land eine richtige Aussage beziehungsweise Neuverordnung gibt, nochmals einen Anlauf für Kulturveranstaltungen in Rottweil wagen“, so Rohr.

 

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