Der CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel hat bei einem Auftritt in Rottweil seine politischen Schwerpunkte für die Landtagswahl 2026 skizziert und diese als Richtungsentscheidung für Baden-Württemberg dargestellt. Neben viel Lokalkolorit und Lob für Vereine, Ehrenamt und Brauchtum spannte Hagel einen weiten Bogen von internationaler Sicherheitspolitik bis zur Bildungspolitik im Land.
- Ehrenamt und gesellschaftlicher Zusammenhalt
- Freiheit, Demokratie und internationale Lage
- Wirtschaft unter Druck – Ruf nach neuer Strategie
- Klimaschutz durch Innovation
- Bildung als zweite Priorität
- Aufwertung von Handwerk und dualer Ausbildung
- Innere Sicherheit und Videoüberwachung
- Klare Abgrenzung zur AfD
- Angriff auf die Staatskanzlei
Ehrenamt und gesellschaftlicher Zusammenhalt
Zu Beginn würdigte Hagel das Engagement von Musikvereinen, Fastnacht und anderen Ehrenamtlichen. Solche Strukturen stärkten den gesellschaftlichen Zusammenhalt und wirkten präventiv gegen soziale Probleme. Gerade in einer zunehmend digitalen Welt seien reale Gemeinschaften wichtiger denn je.
Freiheit, Demokratie und internationale Lage
Mit Blick auf den russischen Angriff auf die Ukraine erinnerte Hagel an den 24. Februar 2022 als Zäsur. Der Krieg in Europa zeige, wie verletzlich Freiheit und Demokratie seien. Deutschland und Europa müssten bereit sein, mehr für ihre Sicherheit zu tun. Gleichzeitig warnte er vor einer Gewöhnung an Kriegsbilder und betonte die Verantwortung, demokratische Werte aktiv zu verteidigen.
Wirtschaft unter Druck – Ruf nach neuer Strategie
Ein zentraler Teil der Rede galt der wirtschaftlichen Lage. Baden-Württemberg leide unter hohen Energie-, Steuer- und Bürokratiekosten. Zugleich veränderten sich die internationalen Rahmenbedingungen: Protektionistische Tendenzen in den USA – namentlich unter Donald Trump – sowie Chinas staatlich gelenkte Industriepolitik erhöhten den Wettbewerbsdruck.
Hagel forderte eine eigene strategische Antwort Deutschlands und Europas statt „Kulturkämpfe“ über Nebenthemen. Baden-Württemberg habe Strukturwandel in der Vergangenheit mehrfach gemeistert und könne das wieder schaffen – etwa durch neue Schwerpunkte in Medizintechnik, Luft- und Raumfahrt, Verteidigungstechnologie, Biotechnologie und Krebsforschung. Dazu schlug er Sonderwirtschaftszonen mit weniger Bürokratie vor.

Klimaschutz durch Innovation
Klimaschutz dürfe nicht gegen Wirtschaftswachstum ausgespielt werden, so Hagel. Deutschland müsse über Innovationen Vorreiter werden, damit klimafreundliche Technologien weltweit übernommen würden. Als Beispiel nannte er den Erfolg FCKW-freier Kühlschränke beim Kampf gegen das Ozonloch.
Bildung als zweite Priorität
Neben der Wirtschaft stellte Hagel die Bildungspolitik als zweite zentrale Aufgabe einer von der CDU geführten Landesregierung heraus. Er forderte mehr Leistungsorientierung, eine Stärkung von Grundkompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen sowie mehr Sport, Musik und Kunst in der Grundschule.
Ein zentrales Vorhaben sei ein verpflichtendes, kostenloses letztes Kindergartenjahr, um Sprachdefizite vor der Einschulung abzubauen. Zudem sprach sich Hagel für verbindlichere Empfehlungen beim Übergang auf weiterführende Schulen und für eine stärkere Wertschätzung aller Schularten aus. Haupt- und Realschulen dürften nicht abgewertet werden.
Aufwertung von Handwerk und dualer Ausbildung
Deutlich machte Hagel auch, dass berufliche Bildung gleichwertig zur akademischen Laufbahn sein müsse. Er kündigte an, die Meisterprämie zu verdoppeln und perspektivisch eine kostenlose Meister- und Technikerausbildung einzuführen. Angesichts vieler anstehender Betriebsübergaben brauche es gezielte Unterstützung für Nachfolgerinnen und Nachfolger im Handwerk.
Innere Sicherheit und Videoüberwachung
Beim Thema Sicherheit versprach Hagel mehr Personal und Befugnisse für die Polizei sowie einen stärkeren Einsatz KI-gestützter Videoüberwachung an Kriminalitätsschwerpunkten. Entscheidungen über Standorte solcher Kameras sollten stärker auf kommunaler Ebene getroffen werden.
Klare Abgrenzung zur AfD
Scharf grenzte sich Hagel von der AfD ab. Deren Positionen seien mit den Werten der CDU unvereinbar. Eine Zusammenarbeit oder Koalition schloss er kategorisch aus. Die CDU trete an, um die AfD politisch zu schlagen und Probleme in der politischen Mitte zu lösen.
Angriff auf die Staatskanzlei
Zum Schluss warb Hagel offensiv für einen Regierungswechsel nach der Ära von Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Baden-Württemberg brauche neuen wirtschaftlichen Aufbruch, mehr Bildungsqualität und ein stärkeres Sicherheitsgefühl. Er rief dazu auf, sowohl die Erststimme für den Rottweiler CDU-Abgeordneten Stefan Teufel als auch die Zweitstimme für die CDU zu geben.
Sein Fazit: Die meisten Probleme seien hausgemacht – und damit auch lösbar. Baden-Württemberg habe die Kraft, wieder zum Vorbild für Deutschland zu werden.
Graf Zeppelin, der das Luftschiff erfunden hat, hatte ganz viele Rückschläge. Der Kaiser in Potsdam hat ihn mal als den dümmsten aller Süddeutschen bezeichnet. Er war oft kurz davor, aufzugeben, weil ihm alle gesagt haben: „Das wird nichts, das klappt nicht. Alle haben es schon probiert, geht alles schief.“ Und in der Phase, wo er oft davor war, aufzugeben, hat sich Graf Zeppelin drei Sätze immer wieder gesagt. Der erste Satz war: „Du musst etwas wollen.“ Der zweite Satz war: „Und daran glauben.“ Und der dritte Satz war: „Dann wird es gelingen.“ Und wenn Sie jetzt Graf Zeppelin am Boden sehen, geschafft hat, dass Schiffe fliegen, mein Gott, dann kriegen wir es doch jetzt auch wieder hin, dass wir dieses Land flott bekommen. Nicht nur wegen uns, sondern auch wegen unseren Kindern. Dass, wenn die uns in zehn, fünfzehn Jahren mal fragen: „Wie war das damals, als wir in Rezession waren, Massenarbeitslosigkeit gedroht hat, die Bildungsrank im Mittelfeld? Wie war das?“ Dann wollen sie nicht von uns hören, dass wir alle Probleme wunderbar beschreiben konnten. Sie werden uns fragen: „Was habt ihr getan?“ Und diese Kraft wollen wir einer Landesregierung geben. Diese Kraft möchte ich als Ministerpräsident dieser Landesregierung geben. Und deshalb, meine sehr geehrten Damen und Herren, Baden-Württemberg ist ein geiles Land. Packen wir es zusammen an! Herzlichen Dank fürs Zuhören.
Manuel Hagel schloss mit diesen Worten seine Rede in Rottweil.










