Ausschnitt aus dem Video der "Aktiven Bürger" Schramberg.

(Kom­men­tar). Mit dem Rei­sig­be­sen, mit dem Stroh- und dem Hof­be­sen. Damit wol­len sie das Schram­ber­ger Rat­haus – ja was denn? Säu­bern? Die Gemein­de­rats­kan­di­da­ten der „Akti­ven Bür­ger” nen­nen es „Kehr­wo­che”. Und schie­ßen mit ihrem ent­schlos­se­nen Auf­tritt weit übers Ziel hin­aus.

Stel­len Sie sich vor, lie­be Leser, Sie sind amtie­ren­des Mit­glied des Schram­ber­ger Gemein­de­rats. Eine Stadt­rä­tin, ein Stadt­rat. Gewählt vor fünf Jah­ren mit einer ent­spre­chen­den Mehr­heit der Stim­men. Stel­len Sie sich wei­ter vor, Sie säßen in einer Sit­zung – und die Tür springt auf.

Mit grim­mi­gem Blick drän­gen neun Män­ner und eine Frau her­ein, alle mit einem Besen bewaff­net. Und schi­cken sich an, Sie hin­aus zu keh­ren. „Ja, geht’s noch?”, wür­den Sie viel­leicht rufen. Und Sie wür­den sich weh­ren, zu recht. Denn Sie sit­zen mit Recht da drin, im Stadt­rat. In einer demo­kra­ti­schen Wahl gewählt.

Nun – die Kan­di­da­tin und die Kan­di­da­ten der „Akti­ven Bür­ger” Schram­berg dro­hen genau damit. In einem Video entern sie mit Besen bewaff­net das Rat­haus. Und auf ihrer Bro­schü­re lehnt ein Rei­sig­be­sen an der Rat­haus­tür. Dro­hend.

Argu­men­te? Fehl­an­zei­ge. Im Video: kein ein­zi­ges. Am 26. Mai, dem Tag der Kom­mu­nal­wahl, sei „Kehr­wo­che im Rat­haus”, heißt es da. Dro­hend.

Wer arbei­tet so? Wer droht sei­nen Geg­nern an, ihn mit dem Besen hin­aus zu keh­ren? Popu­lis­ten tun das. Das gro­ße Vor­bild aller Popu­lis­ten tat dies etwa:

Ich wer­de mit eiser­nem Besen aus­keh­ren und alle die­je­ni­gen, die aus­schließ­lich wegen ihrer roten oder schwar­zen Gesin­nung und zur Unter­drü­ckung aller natio­na­len Bestre­bun­gen in Amt und Wür­den sit­zen, hin­aus­fe­gen.” 

Her­mann Göring.
Anspra­che als Preu­ßi­scher Innen­mi­nis­ter im Febru­ar 1933.

Das Bild des Säu­berns mit dem har­ten oder dem eiser­nen Besen, das ist immer eines der Rech­ten gewe­sen. Etwa auf einem Wahl­pla­kat der „Natio­na­len Front” von 1933 mit dem Slo­gan: „Wir säu­bern” mit einem Besen, der das Schwei­zer Kreuz säu­bert. Auch hier war’s ein Rei­sig­be­sen, wie in Schram­berg.

Man muss aber gar nicht mit der Nazi-Keu­le kom­men, um die­se Form der Wahl­wer­bung zurück zu wei­sen. Es gibt näm­lich schlicht kei­nen Grund für einen der­art mar­tia­li­schen, Gewalt andro­hen­den Auf­tritt. In Schram­berg haben, gemäß ihrem Auf­trag, Stadt­rä­tin­nen und Stadt­rä­te ehren­amt­lich nach bes­tem Wis­sen und Gewis­sen Kom­mu­nal­po­li­tik gemacht. Haben Mehr­hei­ten gesucht und gebil­det, sich gezofft und ver­tra­gen, in der Sache ent­schie­den, mal mit dem Kopf und mal mit dem Herz. Dar­an war nichts falsch.

Übri­gens: Johan­nes Grimm und Jür­gen Reu­ter waren da schon dabei. Haben die Bei­den ihre Pose von der Kehr­wo­che im Rat­haus tat­säch­lich zu Ende gedacht? Und dann nicht gemerkt, dass sie sich höchst­selbst raus­keh­ren wol­len? Haben sie nicht gemerkt, dass der Slo­gan „Zeit für neue Köp­fe im Rat­haus” – nun­ja, auch auf sie zutrifft? Nach der Num­mer viel­leicht gera­de auf sie?

Der eine oder ande­re Stadt­rat mag am 26. Mai nun ab-, ein neu­er mag gewählt wer­den. Damit hat es sich aber auch. Soll­ten Ver­tre­ter der „Akti­ven Bür­ger” ins Gre­mi­um kom­men – es sei ihnen von Her­zen gegönnt. Aber den Besen, den soll­ten sie dann schön zuhau­se las­sen. Der hat – in die­ser Pose und in der Kom­mu­nal­po­li­tik – nichts zu suchen.

PS: Nein, die Sache mit dem Besen ist kein Schram­ber­ger Insi­der-Witz. Klar – es gibt dort an der Fas­net den Kehr­aus (die­ses Jahr sogar mehr als ein­mal). Der aber fegt nicht etwa die Ver­wal­tung aus dem Rat­haus oder die dort amtie­ren­den Kom­mu­nal­po­li­ti­ker. Um es mit den Wor­ten der Nar­ren­zunft Schram­berg zu schrei­ben:

Der Kehr­aus geht bei den Umzü­gen und beim Han­sel­sprung vor­aus und fegt sym­bo­lisch mit sei­nem gro­ßen Rei­sig­be­sen den Win­ter aus.