20 Jahre Schnupfelfinger: „Dass da sowas draus wird“

Schramberg – Was einst als Fasnetsgag entstand, bereichert nun seit 20 Jahren die Schramberger Fasnet. Initiator Thomas Kuhner alias Bürgermeister Hans Schickele konnte es bei der Begrüßung in der Szene 64 selbst kaum fassen, „dass da sowas draus wird.“

Der traditionelle Hausball der Schnupfelfinger Schnoogadatscher war im Vorverkauf schon nach wenigen Minuten restlos ausgebucht und dementsprechend viele Gäste fanden sich am Schnoogafreitag in Schnupfelfingen wieder. Zu Beginn veranschaulichte die Brauchtumsvorstellung mit der Gründungsgeschichte von Schnupfelfingen allen Erstbesuchern sowie Stammgästen einen Eindruck davon, was sie an diesem Abend zu erwarten hatten. Der sagenumwobene Hans im Schnoogaloch (Jürgen Kern), der als Erfinder des Schnoogadatschers gilt, vertrieb die Schnooga und eröffnete somit den Narrensprung der „kleinsten Zunft der Welt“.

Poetry Slam und Salamander-Kurzfilm

Anschließend spielten die „Mauldäschle“ einige schwäbische Klassiker sowie ihren Hit „Mauldäschle-Blues“, womit sie dem Publikum die Wartezeit versüßten. Als nächstes stand bereits der dritte „Schnupfelfinger Poetry Slam“ von Yasmin Hettich auf dem Programm. Die junge Schramberger Künstlerin begann in gewohnter Manier mit einem schlechten Witz: „Papa läuft nicht an der HaBaBar vorbei, sondern er sucht sie!“ Nachdem das Gelächter verhallt war, trug sie ihren Text vor. In ihm schilderte sie die Bedeutung von Träumen und Ideen, die nur bei ihrer Umsetzung erkennbare Früchte tragen können und bezog sich dabei auf die 20-jährige Tradition der Schnupfelfinger.

Vor der nächsten Nummer hielt Kuhner nach Martin Himmelheber Ausschau und meinte schließlich, „dann kann ich’s ja verzelle!“ Auf die Einladung der Presse zum Hausball meinte der stadtbekannte Journalist nämlich, dass die Winterpause der Baustelle nicht allein den Salamandern zu verdanken ist. Kuhner entgegnete ihm jedoch, dass sie „aus jeder Schnake einen Elefanten“ machen würden. So sei dann auch der oscarreife Kurzfilm „Bloß schnell weg, Salamander“ entstanden, zu dem Sophie Kussberger Live sang. Für die Dreharbeiten sei jedoch „kein Tier zu Schaden gekommen“, versicherte der KI-affine Kuhner.

Presseschau: Vom Gefängnisbau bis zum Speckgürtel

Die humoristische Presseschau gab wieder tiefe Einblicke in die großen und kleinen Pannen des vergangenen Jahres. So wunderte sich Kuhner über die Verzögerungen beim Gefängnisbau in Rottweil kaum, nachdem er im vergangenen Jahr auf die Ausschreibung für studentische Hilfskräfte hingewiesen hatte. Auch die Kinoexerzitien des Klosters Heiligenbronn waren einen Lacher wert. Dort lief nämlich der Film „Plötzlich Papa“, was „der eine oder der andere von der Fasnet“ ja kenne. In den Brantner traue sich Kuhner an Montagen und Donnerstagen nicht mehr, da er sich nichts unter der angekündigten Bäckerliebe an diesen Wochentagen vorstellen könne.

Die Analyse der übergewichtigen Kinder seit Corona, die der Schwabo veröffentlichte sorgte gleichfalls für eine Schunkelrunde. Schließlich bilden Aichhalden, Lauterbach und Eschbronn „quasi den Speckgürtel von Schramberg“, da sie besonders betroffen seien. Als Lösung schaffte die CDU kurzerhand das 1-Euro-Ticket ab, damit die Jugend wieder mehr Bewegung habe. Dass wir mit Julia Ehrle prompt eine Weltmeisterin im Berglauf vorweisen, bezeuge das Konzept.

Des Weiteren gingen die diesjährigen Forsteinnahmen für den notwendigen Hubschraubereinsatz im Spitalwald drauf. Dass dieser ausgerechnet von der Firma „Wucher“ stammt, spreche Bände. Für das volle Stadtarchiv schlug Kuhner einen Containeranbau wie an der Berneckschule vor und vermachte dem Museums- und Archivleiter Carsten Kohlmann sogleich einen Jubiläumsteller der Majolikafabrik zum Thema „150 Jahre Stadtmusik.“

Salamander-Ballett und Polonaise in der Szene 64

Das Zunftballett, bestehend aus Ina Bischof, Ines Faller-Langeneck, Katrin Mayer und Bea Letzin, trat in diesem Jahr dem Motto entsprechend als Salamander auf und tanzte unter anderem zum bekannten Lied „Bodo mit dem Bagger“. Im Anschluss startete eine Polonaise in der eng bestuhlten Szene 64, die die Pause bis zum nächsten Programmpunkt füllte. Zunftarchivar Carsten Kohlmann präsentierte im Anschluss die neue Postkarte, die einem „seltenen Jubiläum gewidmet ist. Denn nicht nur Schramberg habe seit 1876 ein Narrenblättle, sondern auch der am Hochrhein gelegene Ort Schnupfelfingen. Recherchen für das immaterielle UNESCO-Weltkulturerbe ergaben sogar, das alle Narrenblättle aus dieser Gründerzeit auf die Initiative von Fritz Würtz genannt „Krumbein“ zurückgingen, wie eine Ausstellung im Schnupfelfinger Fasnetsmuseum anschaulich zeige.

Schaufensterlyrik und gestohlene Schnoogadatscher

Sportlich ging es mit der Männergymnastikgruppe weiter, die auf dem Rausteinsportplatz in einem Container Pezzibälle gefunden hat. Die geforderte Zugabe wollen Torsten Hettich, Tobias Mettmann und Michael Günter im nächsten Jahr abliefern, denn „das war ihre größte Angst, dass sie es nochmal machen müssen“, scherzte Kuhner über den Beifall und die Zugabe-Rufe. Bei ihrer Schaufensterlyrik thematisierten Michael Günter und Thomas Kuhner verschiedene Schramberger Orte und forderten das Publikum zu nostalgischen Seufzern auf. Am Ende überzeugten sie mit einem Zungenbrecherlied zu einem gestohlenen Schnoogadatscher. Doch wem gehörte er? Das war natürlich „dem Rainer Rheiner seiner!“

Schramboli lebt: Stadtmaskottchen feiert Premiere

Kurz vor dem Ende teilte Kuhner mit, dass Schnupfelfingen eine Firma gegründet habe, die Konzepte für Gutachten erstelle. Das sei die Idee für Schramberg, aber „wir wollen horrende Honorare kassieren“, scherzte er. Mit dem Stück „Berater, Berater oh passt jetzt gut auf“ (Parodie zu: Theater, Theater…) unterstrich Katrin Mayer das Ganze musikalisch.

Der große Höhepunkt bildete die Enthüllung des Stadtmaskottchens „Schramboli“. Dieser wolle nicht mehr länger nur ein Bildchen sein und erhielt eine eigene Hymne (Parodie zu: This is me) als großes Finale. Die Stadt Schramberg könne sich den süßen Greif zum Sonderangebotspreis von lediglich 80 Euro pro Tag sichern, da der Städtepartnerrabatt und das Schnoogafreitag Sonderangebot den Ursprungspreis von 980 Euro erheblich drückten. Anschließend bestand die Möglichkeit mit dem sicher schon ausgebuchten Maskottchen Bilder zu machen.

Ausklang mit Blumen, Dank und Party bis spät in die Nacht

Zum Schluss bat Thomas Kuhner alle Akteurinnen und Akteure nochmals auf die Bühne und bedankte sich mit Blumen. Sein Dank galt auch der bewährten Location sowie dem Catering, der Technik und allen Helfenden bei Kulisse und Kostümen. Das Publikum ging allerdings noch lange nicht nach Hause, sondern feierte mit der „Happy-Hiasl-Band“ und anschließend mit den „Mauldäschle“ noch fröhlich weiter, ehe alle das Winterquartier aufsuchten.

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