Kreis Rottweil. Schnelleres Internet für tausende Haushalte: In gleich 13 Städten und Gemeinden im Landkreis Rottweil soll der Glasfaserausbau in den sogenannten „Grauen Flecken“ vorankommen. Betroffen sind unter anderem Bösingen, Deißlingen, Dornhan, Schiltach und Zimmern ob Rottweil. Für das Großprojekt ist eine Investitionsbeihilfe von rund 37,7 Millionen Euro vorgesehen – der Löwenanteil finanziert durch Fördermittel von Bund und Land. Für viele Bürgerinnen und Bürger entscheidet sich damit, wann endlich stabiles Highspeed-Internet bis ins Haus kommt.
Der Kreistag des Landkreises Rottweil entscheidet in seiner kommenden Sitzung am 9. Februar über einen weiteren bedeutenden Schritt beim Breitbandausbau. Konkret geht es um die Vergabe des vierten Kreisprojekts zum Glasfaserausbau in sogenannten „Grauen Flecken“ – also Adressen, die bislang noch keinen gigabitfähigen Internetanschluss haben.
Ein erster großer Förderantrag für rund 14.000 Adresspunkte 2023 führte laut Landratsamt nicht zum Erfolg. Auch 2024 bestanden kaum Chancen. Deshalb setzte der Kreis gemeinsam mit den Kommunen jetzt auf ein verkleinertes, punkteoptimiertes Projekt im „Fast-Lane-Verfahren“. Dieses umfasst nun 13 Städte und Gemeinden im Kreisgebiet mit ursprünglich 6.229 vorgesehenen Anschlusspunkten. Nach Bereinigung fehlerhafter oder ungeeigneter Adressen – etwa Garagen oder Nebengebäude – bilden 5049 Adresspunkte die Grundlage der Ausschreibung.
Die geschätzte Wirtschaftlichkeitslücke lag bei rund 56 Millionen Euro. Dafür sagten Bund und Land Fördermittel zu: Der Bund übernimmt 50 Prozent, das Land weitere 40 Prozent. Beide Zusagen erfolgten zunächst über vorläufige Bescheide.
Den Zuschlag für den Ausbau soll nach dem Willen der Verwaltung die GlasfaserPlus GmbH erhalten. Dabei handelt es sich um ein Gemeinschaftsunternehmen der Deutschen Telekom und des IFM Global Infrastructure Fund, das in Deutschland Glasfasernetze ausbaut, insbesondere in ländlichen und geförderten Gebieten. Grundlage ist laut Landratsamt das letzte verbindliche Angebot vom Dezember 2025. Vorgesehen ist eine Investitionsbeihilfe von rund 37,75 Millionen Euro. Der Verwaltungsausschuss hat diesen Vergabevorschlag bereits nichtöffentlich vorberaten und empfiehlt dem Kreistag einstimmig, den Auftrag entsprechend zu erteilen.
Zusätzlich soll die Kreisverwaltung beauftragt werden, die endgültigen Förderbescheide bei Bund und Land zu beantragen, das vierte Kreisprojekt umzusetzen und die nötigen Mittel in die mittelfristige Finanzplanung aufzunehmen. Damit rückt ein weiterer Ausbauabschnitt auf dem Weg zu flächendeckend leistungsfähigem Internet im Kreis näher.
Was bedeutet FTTB?
FTTB steht für „Fiber to the Building“ und bezeichnet Glasfaser, die bis ins Gebäude, aber nicht bis in jede einzelne Wohnung geführt wird.
FTTB – Glasfaser bis ins Gebäude
Bei FTTB endet die Glasfaserleitung im Haus, meist im Keller oder Technikraum; von dort aus werden die Wohnungen über bestehende Kupfer-, Koax- oder Ethernetkabel versorgt.
Technik und Leistung
Die Glasfaser übernimmt die lange Strecke bis zum Gebäude, das „letzte Stück“ läuft über die hausinterne Verkabelung, was Bandbreite und Stabilität im Vergleich zu reinem Kupfer deutlich verbessert. Typisch sind hohe Datenraten bis in den dreistelligen Mbit/s-Bereich, teilweise auch bis nahe Gigabitniveau – begrenzt durch Qualität und Länge der Kupferwege im Haus.
Vorteile
- Deutlich schneller und stabiler als klassisches DSL oder viele Kabelanschlüsse, besonders bei gleichzeitiger Nutzung mehrerer Dienste wie Streaming, Cloud und Homeoffice.
- Oft kostengünstiger und baulich einfacher umzusetzen als FTTH, weil die bestehende Hausverkabelung weiter genutzt wird.
Nachteile
- Die „Schwachstelle“ bleibt das Kupfer im Gebäude: Signalverlust, niedrigere Maximalgeschwindigkeiten und mögliche Störanfälligkeit gegenüber einem reinen Glasfaseranschluss bis in die Wohnung.
- Weniger zukunftssicher als FTTH, wenn sehr hohe Geschwindigkeiten im Gigabitbereich dauerhaft und symmetrisch benötigt werden.
Einordnung: FTTB, FTTH, FTTC
- FTTH („Fiber to the Home“): Glasfaser bis in die Wohnung, technisch das Optimum für Tempo und Stabilität.
- FTTB („Fiber to the Building“): Glasfaser bis ins Haus, Verteilung intern über Kupfer – ein Kompromiss aus Performance und Ausbaukosten, besonders in Bestandsbauten.
- FTTC („Fiber to the Curb“): Glasfaser nur bis zum Straßenverteiler, danach längere Kupferstrecken, meist langsamer und weniger zukunftsfähig als FTTB oder FTTH.



