Heilige Gäste und närrische Töne: Fasnetsonntag im Münster sorgt für Begeisterung

Rottweil – Ein Gottesdienst der besonderen Art hat am Fasnetsonntag zahlreiche Gläubige ins Heilig-Kreuz-Münster gelockt. Mit einer humorvollen Predigt rund um die Heiligen Christopherus, Cäcilia und Hubertus verband Pfarrer Jürgen Rieger närrische Leichtigkeit mit einer klaren Botschaft: Vielfalt, Gemeinschaft und Einheit in Christus. Die ungewöhnliche Inszenierung sorgte für spürbare Begeisterung und viel Applaus.

Ein Gottesdienst voller Freude

Beim Gottesdienst am Fasnetsonntag im voll besetzten Heilig-Kreuz-Münster war die besondere Stimmung sofort spürbar. Freude, ja beinahe „Glückseligkeit“, prägten die Atmosphäre unter den Anwesenden. Die ungewöhnliche Predigt, die Bezug auf Lesung und Evangelium nahm, wurde von Pfarrer Jürgen Rieger, Patrick Mink (Texte) und Marcel Raffoul vorgetragen. Die drei hatten die Idee gemeinsam entwickelt.

Wenn Heilige sprechen

Pfarrer Rieger eröffnete die Predigt in gereimter Form und kündigte besondere Gäste an. Kurz darauf stellte sich Cäcilia als Patronin der Musik vor – stilecht mit einem Hinweis auf die laufende Orgelrenovierung. Hubertus ergänzte augenzwinkernd, dass zuletzt nur noch die Hälfte der Orgelpfeifen schön geklungen habe.

Cäcilia nutzte ihren Auftritt, um den Blick auf die aktuellen Veränderungen in der Kirchenlandschaft zu lenken. Das „Zauberwort Raumschaft“ stand dabei im Mittelpunkt – weit vernetzt und doch vor Ort. Der Kerngedanke der Predigt wurde immer wieder durch den Gemeindegesang unterstrichen:
„Strahlen brechen viele aus einem Licht. Unser Licht heißt Christus.“

Die Aussage, dass alle Christen in Christus eins sind, zog sich als roter Faden durch den gesamten Gottesdienst.

Christopherus und die Rottweiler Umwege

Nach einem schnellen Rollenwechsel erschien Pfarrer Rieger als Heiliger Christopherus. Als Patron der Reisenden widmete er sich den bekannten Rottweiler Umwegen – nicht ohne humorvolle Seitenhiebe auf Baustellen und Verkehrsführung. Die Botschaft blieb dabei klar: Manchmal führen vermeintliche Umwege genau dorthin, wo man hingehört – ins Münster.

Hubertus und der Marder von AC

Auch Hubertus erhielt seinen großen Auftritt. Mit einer humorvollen Geschichte aus der Auferstehung-Christi-Kirche (AC) schilderte er die Begegnung mit einem hartnäckigen tierischen „Mitbewohner“. Die Konsequenz: Gottesdienste mussten ins Gemeindezentrum verlegt werden – was sich überraschend positiv auswirkte. „Plötzlich war die Kirche voll“, hieß es in der gereimten Erzählung.

Einparken, Raumschaft und neue Perspektiven

Ein weiteres Erlebnis griff die Predigt ebenfalls auf: Pfarrer Rieger berichtete von der Weihnachtsmette in St. Pelagius und der anschließenden Heimfahrt – die zunächst an einem eingeparkten Auto scheiterte. Hubertus übertrug die Episode auf das Thema Raumschaft und neue Gemeindestrukturen. Die Veränderungen böten Chancen, neue Menschen kennenzulernen und andere Perspektiven zu entdecken.

Eine närrische Mahnung mit Tiefgang

Trotz aller Fasnets-Leichtigkeit enthielt die Predigt auch nachdenkliche Töne. Mit Blick auf das Evangelium wurde vor Hochmut gewarnt und zu mehr gegenseitiger Wertschätzung aufgerufen. Die gereimte Botschaft: Nicht über andere spotten, sondern die eigenen Schwächen erkennen – und offen aufeinander zugehen.

Applaus und außergewöhnliche Klänge

Der mehrfach aufbrandende Applaus zeigte die begeisterte Zustimmung der Gemeinde. Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst von der SE IV-Band unter der Leitung von Patrick Mink. Lisa Hummel spielte am Ende auf der Chororgel und unterstützte zuvor die Band mit der Geige.

Zum Abschluss erklangen außergewöhnliche Gemeindegesänge: „Jucket, ihr Narre“ sowie der Rottweiler Narrenmarsch – begleitet von schunkelnden Gläubigen und sichtbar gelöster Stimmung.

Glaube und Fasnet – kein Widerspruch

Die Begeisterung der Anwesenden bezog sich nicht allein auf die Fasnet. Spürbar wurde auch die Freude über einen Gottesdienst, der Humor, Gemeinschaft und die zentrale Botschaft des Glaubens miteinander verband: Christen sind von Gottes Liebe begleitet – und in Christus eins.

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