Kreis Rottweil. Die Wohneigentumsquote im Landkreis Rottweil liegt mit 61,4 Prozent deutlich über dem Bundesschnitt. Doch gerade die Generation der 25- bis 40-Jährigen kann sich Hausbau oder Wohnungskauf immer seltener leisten. Verbände der Bauwirtschaft fordern ein staatliches Förderprogramm – und verweisen auf den Koalitionsvertrag.
Rund 40.800 Wohnungen im Landkreis Rottweil werden von ihren Eigentümern selbst bewohnt – vom Einfamilienhaus bis zur Eigentumswohnung, 27 Prozent davon sind Letztere. Das geht aus einer regionalen Wohnungsmarkt-Analyse hervor, die das Pestel-Institut im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) erstellt hat. Mit einer Wohneigentumsquote von 61,4 Prozent liegt der Kreis Rottweil dabei weit über dem Bundesschnitt von 43,5 Prozent.
Doch hinter den Zahlen verbirgt sich ein wachsendes Problem: Die Generation der Jobstarter und Familiengründer kann sich ein Eigenheim immer seltener leisten. Rund 26.900 Menschen im Alter zwischen 25 und 40 Jahren leben laut Pestel-Institut im Landkreis – und immer mehr von ihnen sind gezwungen, dauerhaft zur Miete zu wohnen. „Die Nestbauer-Generation ist längst zur Verlierer-Generation beim Wohneigentum geworden“, sagt Institutsleiter Matthias Günther. Deutschland lande beim Wohneigentum im europäischen Vergleich auf dem vorletzten Platz.
Die Ursache sehen Vertreter der Bauwirtschaft vor allem in fehlender staatlicher Unterstützung. Der Bund habe mit der Abschaffung von Eigenheimzulage und Baukindergeld die effektive Förderung von Wohneigentum faktisch eingestellt, kritisiert BDB-Präsidentin Katharina Metzger. Sie fordert ein Förderprogramm mit direkten Zuschüssen als Startkapital für das erste selbstgenutzte Wohneigentum, ergänzt um ein Niedrigzinsprogramm. „Geld vom Bund, das auch Durchschnittsverdiener im Kreis Rottweil in die Lage versetzt, endlich eine Chance auf die eigenen vier Wände zu haben.“
Dabei müsse eine solche Förderung langfristig angelegt sein, betont Hannes Zapf, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau. Wer heute anfängt, für ein Eigenheim zu sparen, müsse sich auch in fünf oder sieben Jahren noch auf die staatliche Zusage verlassen können. „Es muss eine Marathon- und darf keine Sprint-Förderung geben.“
Metzger appelliert an die Bundestagsabgeordneten aus dem Landkreis Rottweil und ganz Baden-Württemberg, den Koalitionsvertrag umzusetzen: Dort sei die Förderung von Wohneigentum klar und deutlich festgelegt. „Aber wann, wenn nicht jetzt?“ Solange nichts passiere, liege der Traum von den eigenen vier Wänden weiter auf Eis.
Auch mit Blick auf die Rente warnen die Experten: Die geburtenstarken Jahrgänge gingen nun nach und nach in den Ruhestand – mit deutlich weniger Geld. Die Miete aber bleibe oder steige sogar. „Wohnarmut im Alter ist vor allem eine Mieterarmut“, sagt Matthias Günther. Wer Eigentum besitze, komme finanziell im Alter deutlich besser über die Runden.



