EU: TikTok macht süchtig – und verstößt damit wohl gegen geltendes Recht

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Hinweis der Redaktion: Dieser Beitrag folgt dem Servicegedanken und wurde von uns redaktionell gesichtet. Dennoch kann er werbliche Aussagen enthalten.

Die EU-Kommission wirft TikTok vor, mit seinem App-Design gezielt Nutzer in den Endlos-Konsum zu treiben. Vor allem Jugendliche sind gefährdet. Dem Unternehmen droht eine Milliardenstrafe. Was Eltern von Nutzern tun können.

Unendliches Scrollen, automatisch abspielende Videos, personalisierte Empfehlungen und ständige Push-Benachrichtigungen: TikTok setzt auf ein ganzes Arsenal an Funktionen, um seine Nutzer möglichst lange am Bildschirm zu halten. Dass dieses Design vor allem bei Jugendlichen suchtfördernd wirkt, hat nun auch eine Untersuchung der Europäischen Kommission bestätigt. Die Brüsseler Behörde sieht darin einen Verstoß gegen das EU-Gesetz über digitale Dienste, den Digital Services Act (DSA).

Dopamin im Dauertakt

Der Erfolg der Plattform basiert auf einem simplen neuropsychologischen Prinzip: Jedes neue Video kann einen kleinen Dopaminreiz auslösen – ähnlich wie beim Glücksspiel. Das Gehirn wird durch den ständigen Strom individuell zugeschnittener Inhalte in eine Art Autopilot-Modus versetzt. Bewusst aufhören? Wird zur echten Herausforderung. Bei Jugendlichen ist das besonders problematisch, weil Selbstregulation und Impulskontrolle in ihrem Alter noch nicht voll entwickelt sind.

Kommission fordert Konsequenzen

Nach Einschätzung der EU-Kommission hat TikTok bisher nicht ausreichend geprüft, welche Risiken seine Designmechanismen für die psychische und körperliche Gesundheit der Nutzer haben. Auch Schutzmaßnahmen wie Bildschirmzeit-Tools oder Jugendschutzfunktionen seien unzureichend. Die Behörde fordert grundlegende Änderungen: strengere Zeitlimits, eine Überarbeitung der Empfehlungsalgorithmen und eine konsequentere Risikobewertung.

Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, drohen TikTok empfindliche Sanktionen. Wie die ARAG-Versicherung in einer aktuellen Mitteilung erläutert, sind Bußgelder von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes möglich – bei einem Umsatz von rund 300 Milliarden US-Dollar wäre das eine Strafe in Milliardenhöhe. Ein solches Verfahren könnte zudem als Präzedenzfall für die Regulierung anderer großer Plattformen dienen.

25,7 Millionen Nutzer allein in Deutschland

Die Zahlen unterstreichen die Dimension: Weltweit nutzen rund 1,59 Milliarden Menschen TikTok monatlich, in Europa sind es mehr als 260 Millionen. In Deutschland greifen nach Unternehmensangaben 25,7 Millionen Nutzer jeden Monat auf die App zu – besonders stark verbreitet ist sie bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Was Eltern tun können

Statt TikTok komplett zu verbieten, empfehlen die ARAG-Experten, die Nutzung aktiv zu begleiten. Konkret heißt das: feste tägliche Zeitlimits setzen, smartphonefreie Zeiten vereinbaren – etwa bei Hausaufgaben oder vor dem Schlafengehen –, Push-Benachrichtigungen deaktivieren und die Autoplay-Funktion einschränken. Bei jüngeren Nutzern bietet sich der Familienmodus an, über den Eltern Nutzungsdauer, Inhalte und Kontaktmöglichkeiten steuern können. Vor allem aber helfen offene Gespräche über Algorithmen, Werbung und mögliche Risiken, die Medienkompetenz der Kinder zu stärken.

Hinweis: Dieser Text ist aus Inhalten von NRWZ.de sowie mithilfe externer Quellen, ggf. unterstützt von künstlicher Intelligenz, verfasst worden.
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