Die koronare Herzkrankheit (KHK) zählt in den Industrieländern weiterhin zu den häufigsten Todesursachen. Im Landkreis Rottweil zeigt sich jedoch ein positiver Trend: Die Zahl der Menschen, die wegen KHK in ärztlicher Behandlung sind, ist in den vergangenen Jahren gesunken.
Laut aktuellen Daten waren im Jahr 2024 im Landkreis 5,27 Prozent aller AOK-Versicherten betroffen – das entspricht rund 4.440 Personen. Besonders auffällig: Männer leiden deutlich häufiger unter der Erkrankung als Frauen.
Rückgang seit 2020: KHK-Fälle in Rottweil nehmen ab
Zwischen 2020 und 2024 ist die Zahl der Betroffenen im Landkreis Rottweil im Durchschnitt um 0,32 Prozent pro Jahr zurückgegangen. Auch in Baden-Württemberg zeigt sich dieser Trend: Hier sank die Quote im gleichen Zeitraum im Schnitt um 0,37 Prozent jährlich.
Was ist eine koronare Herzkrankheit?
Bei einer koronaren Herzkrankheit sind die Herzkranzgefäße durch Ablagerungen verengt. Dadurch kann das Herz schlechter mit Sauerstoff versorgt werden – im schlimmsten Fall droht ein Herzinfarkt.
„In mehr als der Hälfte der Fälle äußert sich eine koronare Herzkrankheit zunächst als Angina pectoris“, erklärt Dr. med. Ariane Chaudhuri, Ärztin bei der AOK Baden-Württemberg. Typisch seien Schmerzen hinter dem Brustbein, die vor allem bei körperlicher oder psychischer Belastung auftreten.
Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Für die Entstehung von KHK und anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielen mehrere Faktoren eine wichtige Rolle. Zu den Hauptrisikofaktoren zählen unter anderem:
- Rauchen (Tabakkonsum)
- Bewegungsmangel
- Übergewicht
- Diabetes mellitus
- Bluthochdruck
- Fettstoffwechselstörungen
- Dauerstress und genetische Veranlagung
Diese Einflüsse können einzeln – besonders aber im Zusammenspiel – dazu führen, dass sich Ablagerungen an Gefäßwänden bilden.
Prävention: So lässt sich das KHK-Risiko senken
Um das Risiko für koronare Herzkrankheit zu verringern, empfiehlt die AOK vor allem einen gesundheitsbewussten Lebensstil. Wichtige Bausteine sind:
- fettarme und ballaststoffreiche Ernährung
- regelmäßige Bewegung
- Nichtrauchen
- Gewicht normalisieren
- Stressabbau und Entspannung
Zusätzlich könne laut Dr. Chaudhuri auch die regelmäßige Grippeimpfung zur Vorbeugung beitragen.
AOK fordert stärkere Präventionsprogramme
Mit Blick auf die anstehende Landtagswahl betont Harald Rettenmaier, Geschäftsführer der AOK Schwarzwald-Baar-Heuberg, die Bedeutung wirksamer Prävention.
„Prävention und Gesundheitsförderung müssen stärker in den öffentlichen Fokus rücken und als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden werden“, so Rettenmaier. Prävention müsse dort ansetzen, „wo Menschen leben, lernen und arbeiten“.
Neben Aufklärung seien auch strukturelle Maßnahmen wichtig – etwa eine verbesserte Orientierung beim Einkauf. Andere Länder gingen bereits voran, beispielsweise durch:
- verpflichtende, sichtbare Lebensmittelkennzeichnung
- Besteuerung stark gezuckerter Lebensmittel
Gesundheits-Check-up ab 35 Jahren: Anspruch für gesetzlich Versicherte
Wer gesetzlich versichert ist, hat ab dem 35. Lebensjahr alle drei Jahre Anspruch auf einen Gesundheits-Check-up in der Hausarztpraxis. Ziel ist es, Hinweise auf häufige Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Leiden oder Stoffwechselstörungen frühzeitig zu erkennen. Dabei wird unter anderem eine Blutprobe entnommen, um Werte wie Cholesterin und Blutzucker zu untersuchen.
Haus- und Facharztprogramm: Bessere Versorgung für chronisch Kranke
Das Haus- und Facharztprogramm der AOK Baden-Württemberg soll vor allem chronisch erkrankten Menschen eine intensivere und koordinierte Versorgung ermöglichen. Eine aktuelle Evaluation durch die Universität Frankfurt und das Universitätsklinikum Heidelberg zeigt positive Effekte: Teilnehmende müssen seltener wegen potenziell vermeidbarer Ursachen ins Krankenhaus, zudem treten bei chronisch Kranken seltener schwere Komplikationen auf.
Kurzfazit
Die Zahl der KHK-Patientinnen und -Patienten im Landkreis Rottweil ist rückläufig. Trotzdem bleibt die koronare Herzkrankheit eine der wichtigsten Volkskrankheiten – vor allem bei Männern. Prävention, Früherkennung und eine gut koordinierte Versorgung gelten weiterhin als zentrale Schlüssel, um schwere Verläufe zu verhindern.
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