Rottweil. Die AfD hat am Donnerstagabend ihr Wahlkampffinale zur Landtagswahl in Baden-Württemberg in der Stadthalle Rottweil abgehalten. Als Hauptredner traten die beiden Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla auf. Vor Anhängern kritisierten sie scharf die Energie- und Wirtschaftspolitik der Bundesregierung sowie die Migrationspolitik und warben für einen politischen Kurswechsel. Viele der vorgetragenen Thesen sind politisch umstritten oder werden von Experten anders bewertet.
- Weidel: Kritik an Energiewende, CO₂-Abgabe und Migration
- Forderungen zu Steuern, Rundfunk und Sozialpolitik
- Migration als zentrales Thema
- Chrupalla: Angriff auf Bundesregierung und Wirtschaftspolitik
- Kritik an Ukraine-Politik und Sanktionen
- Wirtschaft, Bauern und Bürokratie
- Migration, Sozialstaat und Familienpolitik
- Wahlaufruf zum Abschluss
- Sänzes einleitende Worte
Hinweis
Die Veranstaltung der AfD in Rottweil ist von Protesten begleitet worden, etwa 500 Menschen demonstrierten. In unserem Live-Blog berichten wir über den kompletten Verlauf des Tages, hier nur über die Reden der beiden Parteichefs.

Weidel: Kritik an Energiewende, CO₂-Abgabe und Migration
Alice Weidel stellte in ihrer Rede vor allem wirtschafts- und energiepolitische Themen in den Mittelpunkt. Deutschland steuere wegen der Energiewende und hoher Energiepreise auf eine „Deindustrialisierung“ zu, sagte sie.
Die AfD wolle deshalb die Energiewende beenden, zur Kernenergie zurückkehren und Energie wieder dort einkaufen, wo sie am günstigsten sei – auch in Russland. Außerdem forderte Weidel die Abschaffung der CO₂-Abgabe, die sie als „Raub“ am Verbraucher bezeichnete.
Einordnung:
Die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands wird von vielen Faktoren beeinflusst, darunter globale Konjunktur, Zinsen, Strukturwandel der Industrie und geopolitische Konflikte. Ökonomen sehen Energiepreise zwar als wichtigen Faktor, aber nicht als alleinige Ursache wirtschaftlicher Probleme.
Eine kurzfristige Rückkehr zur Kernenergie gilt nach Einschätzung vieler Energieexperten als schwierig, weil die deutschen Kernkraftwerke abgeschaltet und teilweise bereits zurückgebaut wurden.
Forderungen zu Steuern, Rundfunk und Sozialpolitik
Weidel sprach sich außerdem für niedrigere Energie- und Kraftstoffsteuern sowie für eine Abschaffung des Rundfunkbeitrags aus.
Im Bereich der Sozialpolitik erklärte sie, Leistungen sollten stärker an eigene Beitragszahlungen geknüpft werden. Auch in der Rentenpolitik forderte sie Reformen, etwa eine Einbeziehung von Beamten und Politikern in die gesetzliche Rentenversicherung.
Migration als zentrales Thema
Ein zentraler Teil der Rede betraf die Migrationspolitik. Weidel forderte strengere Grenzkontrollen und konsequentere Abschiebungen von abgelehnten Asylbewerbern.
Die AfD wolle Sozialleistungen stärker einschränken und Einbürgerungen erst nach längerer Aufenthaltsdauer ermöglichen.
Einordnung:
Migration gehört zu den zentralen politischen Streitpunkten der vergangenen Jahre. Während Parteien wie CDU, SPD oder Grüne eine Kombination aus Zuwanderung, Integration und Kontrolle betonen, fordert die AfD eine deutlich restriktivere Politik. Gleichzeitig verweisen Wirtschaftsverbände regelmäßig auf den Fachkräftemangel und die Bedeutung qualifizierter Zuwanderung.

Chrupalla: Angriff auf Bundesregierung und Wirtschaftspolitik
AfD-Co-Vorsitzender Tino Chrupalla knüpfte in seiner Rede an viele Punkte Weidels an und griff insbesondere die Bundesregierung und die CDU scharf an.
Er warf der Politik vor, durch hohe Schulden, steigende Energiepreise und Bürokratie die Wirtschaft zu schwächen. Deutschland verliere Industriearbeitsplätze und Unternehmen würden ins Ausland abwandern.
Einordnung:
Die wirtschaftliche Lage Deutschlands wird derzeit intensiv diskutiert. Zwar ist die Industrieproduktion zuletzt schwächer ausgefallen, dennoch bleibt Deutschland eine der größten Industrienationen der Welt. Wirtschaftsforscher führen aktuelle Probleme neben Energiepreisen auch auf internationale Konkurrenz, Transformation der Industrie und globale Nachfrage zurück.
Kritik an Ukraine-Politik und Sanktionen
Chrupalla kritisierte zudem die deutsche Ukraine-Politik und Sanktionen gegen Russland. Die AfD lehnt militärische Unterstützung für die Ukraine ab und fordert stattdessen eine stärker auf Verhandlungen ausgerichtete Außenpolitik.
Einordnung:
Die Bundesregierung unterstützt die Ukraine seit Beginn des russischen Angriffskriegs 2022 militärisch und finanziell. Ziel ist es, das Land bei der Verteidigung gegen den Angriff Russlands zu unterstützen. Die Sanktionen gegen Russland wurden von der EU beschlossen und sollen den Druck auf die russische Regierung erhöhen.
Wirtschaft, Bauern und Bürokratie
Chrupalla sprach außerdem über die Situation von Mittelstand, Handwerk und Landwirtschaft. Viele Betriebe litten unter Bürokratie und hohen Kosten, sagte er.
Die AfD wolle Bürokratie abbauen, Handelsabkommen überprüfen und insbesondere kleinere landwirtschaftliche Betriebe stärker schützen.
Migration, Sozialstaat und Familienpolitik
Auch Chrupalla stellte die Migrationspolitik in den Mittelpunkt seiner Rede. Er kritisierte Sozialleistungen für Menschen ohne Beitragszahlungen und sprach sich für strengere Regeln aus.
Gleichzeitig betonte er, qualifizierte Zuwanderer, die arbeiten und sich integrieren, seien willkommen.
Wahlaufruf zum Abschluss
Zum Ende ihrer Reden riefen sowohl Weidel als auch Chrupalla die Zuhörer dazu auf, bei der Landtagswahl am 8. März die AfD zu wählen.

Sänzes einleitende Worte
Der Rottweiler AfD-Landtagsabgeordnete und Landessprecher Emil Sänze eröffnete die Veranstaltung in der Stadthalle und begrüßte die Besucher zu diesem Wahlkampfendspurt-Termin seiner Partei. Mit Blick auf die bevorstehende Landtagswahl am 8. März sprach er von einer „Regierung, die vollkommen versagt hat“, und griff insbesondere die grün-schwarze Landesregierung sowie Bundespolitiker anderer Parteien an. In seiner Rede kritisierte Sänze unter anderem die Finanzpolitik des Landes, steigende Energiepreise und die wirtschaftliche Entwicklung.
Auch energie- und klimapolitische Maßnahmen der Bundesregierung griff der AfD-Politiker an. Er wandte sich gegen die CO₂-Abgabe und das sogenannte Heizungsgesetz und forderte, Bürger sollten selbst entscheiden können, wie sie ihre Häuser heizen. Gleichzeitig beklagte er eine zunehmende wirtschaftliche Belastung von Unternehmen und Arbeitnehmern und warnte vor Arbeitsplatzverlusten.
Wie auch die späteren Redner des Abends thematisierte Sänze zudem Migration und Integration. Er betonte, Menschen, die sich in Deutschland integrieren und arbeiten, seien willkommen. Gleichzeitig sprach er sich für eine deutlich restriktivere Migrationspolitik aus und kritisierte Medien sowie politische Gegner scharf. Zum Abschluss kündigte er an, als Gastgeber durch den weiteren Abend zu führen und die Hauptredner Alice Weidel und Tino Chrupalla auf die Bühne zu bitten.


