Auch die Freien Wähler wollen den Verkehr aus Rottweil rausbekommen

Forderungskatalog ans Land vorgelegt / Darin: Bau eines weiteren Anschlusses an die B27-Umfahrung für die Hausener Straße

749

Die 20-er-Zone in Rott­weil ist für Fuß­gän­ger sehr ange­nehm, für Auto­fah­rer eine Tor­tur. In Stoß­zei­ten bil­den sich lan­ge Staus. Und nicht weni­ge Auto­fah­rer zei­gen, dass sie sich gegän­gelt füh­len, dadurch, dass sie mal ordent­lich den Motor auf­heu­len las­sen. Oder Zwi­schen­spurts ein­le­gen. Freie Fahrt für freie Alpha­tie­re. Die Frei­en Wäh­ler haben sich des Pro­blems ange­nom­men. Wer aber glaubt, sie woll­ten den Ver­kehr wie­der beschleu­ni­gen, der irrt.

Noch vor der Ver­ei­di­gung der neu­en Stadt­rä­te, noch bevor sie als Frak­ti­on „SPD+FFR” tat­säch­lich zusam­men­ge­hör­ten, sind die Stadt­rä­te der SPD und von FFR vor­ge­prescht. Sie wol­len Rott­weil auto­frei, ver­kün­de­ten sie, und das mög­lichst bis zur Lan­des­gar­ten­schau 2028. Also nicht ganz auto­frei, wie eine Tages­zei­tung auf Face­book ver­kün­de­te, Anwoh­ner und Lie­fe­ran­ten soll­ten schon noch in die Innen­stadt fah­ren dür­fen. Man kennt das aus mit­tel­al­ter­li­chen Städ­ten in Ita­li­en.

Bereits im Wahl­kampf haben die Orts-Grü­nen erklärt, dass ihnen eine stadt­freund­li­che Ver­kehrs­wen­de am Her­zen lie­ge.

Nun sind die Frei­en Wäh­ler mit einer neu­en Idee da. Die „Stei­ge­rung der Attrak­ti­vi­tät der Kern­stadt durch Redu­zie­rung des moto­ri­sier­ten Durch­fahrts- und Park­such­ver­kehrs”, haben sie sich auf die Fah­nen geschrie­ben. „Der poli­ti­sche Wil­le dazu ist in der Stadt spür­bar”, hal­ten sie fest.

Das nicht bei allen: Der frisch­ge­ba­cke­ne AfD-Stadt­rat Rei­mond Hoff­mann hat Wider­stand ange­kün­digt. Doch sonst scheint es im Gemein­de­rat tat­säch­lich Kon­sens zu geben.

Die Frei­en Wäh­ler haben in ihren Rei­hen einen Bau­sach­ver­stän­di­gen, Dr. Peter Schel­len­berg, näm­lich. Und unter sei­ner Ägi­de nähern sie sich dem The­ma Ver­kehrs­be­ru­hi­gung, wie Bau­sach­ver­stän­di­ge das eben tun: Sie den­ken zunächst an die Stra­ßen und Brü­cken. So glau­ben sie, dass der ers­te Schritt der wäre, aus der bis­he­ri­gen Lan­des­stra­ße – der frü­he­ren B 27 – eine städ­ti­sche zu machen. Oder, wie es Schel­len­berg selbst for­mu­liert:

Bei einer wei­te­ren Ver­kehrs­be­ru­hi­gung der Kern­stadt ist davon aus­zu­ge­hen, dass die Land­stra­ße L 423 im Zuge der Hoch­brück­tor­stra­ße und Unte­ren Haupt­stra­ße umge­wid­met und somit Eigen­tum der Stadt Rott­weil wird ein­schließ­lich der drei Brü­cken Hoch­brü­cke, Via­dukt und König-Karl-Brü­cke.

Dabei sei aber zu beach­ten, dass bei einer Umwid­mung die Stadt künf­tig für die bau­li­che Erhal­tung der drei Brü­cken auf­kom­men muss. „Die ent­spre­chen­den Kos­ten dafür wer­den
erheb­lich sein. Die­ses ‚Geschenk‘ vom Land kann nur unter Bedin­gun­gen von Sei­ten der Stadt Rott­weil ange­nom­men wer­den”, schrei­ben die Frei­en Wäh­ler wei­ter.

Sie haben an Rott­weils Ober­bür­ger­meis­ter Ralf Broß einen Antrag gestellt. Der da lau­tet: „Um über­haupt in die Dis­kus­si­on zur Redu­zie­rung des Durch­gangs- bezie­hungs­wei­se des Park­such­ver­kehrs in der Kern­stadt ein­tre­ten zu kön­nen sind in einem aller ers­ten Schritt die Moda­li­tä­ten für die Umwid­mung mit dem Land fest­zu­le­gen. Hier­zu wird von den Frei­en Wäh­ler Rott­weil bean­tragt, die Stadt­ver­wal­tung möge zeit­nah mit dem Land (Regie­rungs­prä­si­di­um Frei­burg) in die Ver­hand­lun­gen gehen.”

Die Stadt solle dabei den folgenden Forderungskatalog aufstellen:

  • Das Land über­nimmt die Sanie­rung ent­spre­chend einem Neu­bau mit einer ange­streb­ten Nut­zungs­dau­er von 30 Jah­ren
  • Im Zuge der Sanie­rung soll­te der Höhen­un­ter­schied zwi­schen Geh­weg und Fahr­bahn ange­gli­chen wer­den, damit spä­ter die vol­le Brü­cken­brei­te für Fuß­gän­ger und Rad­fah­rer genutzt wer­den kann.

Zudem verlangen sie folgende Baumaßnahmen:

  • den Bau eines Kreis­ver­kehrs am Kno­ten Hau­se­ner Stra­ße – Heerstraße/Feldbergstraße
  • den Anschluss der Bun­des­stra­ße B 27 (Süd­um­ge­hung) an die Hau­se­ner Stra­ße

Denn die Umwid­mung der L423 wer­de sich nicht nur auf die Kern­stadt bezie­hen, son­dern auch im wei­te­ren Ver­lauf auf die Hau­se­ner Stra­ße bis zur B 27 (Süd­um­ge­hung). Die­ser Stre­cken­ab­schnitt sei bereits jetzt in Stoß­zei­ten über­las­tet. In der Zukunft wer­de dort der Ver­kehr noch wei­ter zuneh­men – der Neu­bau­ge­bie­te Spi­tal­hö­he und Hau­sen wegen, zudem wegen des Neu­baus der Edith-Stein-Schu­le.

Die NRWZ hat die Stadt­ver­wal­tung zu ihrer Hal­tung zu dem Antrag der Frei­en Wäh­ler gefragt. Und woll­te wis­sen, ob eine Dis­kus­si­on über die Umwid­mung der Stra­ße üver­haupt anste­he.

Tobi­as Her­mann, Pres­se­spre­cher der Stadt­ver­wal­tung Rott­weil, ant­wor­te­te:

Hoch­brück­tor­stra­ße und Unte­re Haupt­stra­ße sind Teil einer Lan­des­stra­ße. Damit liegt die Stra­ßen­bau­last beim Land. Je nach Aus­ge­stal­tung einer zusätz­li­chen Ver­kehrs­be­ru­hi­gung ist damit zu rech­nen, dass die Stra­ßen­bau­last und damit die Unter­halts­pflicht der Brü­cken auf die Kom­mu­ne über­ge­hen könn­te. Der Gemein­de­rat hat die Stadt Rott­weil damit beauf­tragt, ein Mobi­li­täts­kon­zept für die Innen­stadt zu erar­bei­ten. Auf die­ser Grund­la­ge wird das Gre­mi­um in sei­ner neu­en Legis­la­tur­pe­ri­ode sicher­lich auch dar­über zu ent­schei­den haben, wel­che Form der Ver­kehrs­be­ru­hi­gung in der Innen­stadt künf­tig gewünscht und sinn­voll ist.  

Diesen Beitrag teilen …