Der Rottweiler Gemeinderat am Mittwoch. Foto: gg

Unser Anspruch war es, ein gemein­sa­mes Ergeb­nis zu errei­chen.” Das erklär­te Rott­weils Ober­bür­ger­meis­ter Ralf Broß ein­gangs der Stadt­rats-Dis­kus­si­on über die künf­ti­ge Zusam­men­ar­beit mit Zim­mern in Sachen INKOM. Her­aus gekom­men sei bei einer gemein­sa­men, zwei­tä­gi­gen Klau­sur­ta­gung mit der Nach­bar­ge­mein­de ein Kom­pro­miss. Die­se Auf­fas­sung teilt er mit Bür­ger­meis­te­rin Car­men Merz. Und nun, nach Zim­mern, hat auch der Rott­wei­ler Rat die­sem Kom­pro­miss zuge­stimmt. Ein­stim­mig. „Ein ganz kla­res Zei­chen Rich­tung Zim­mern”, so Broß.

Broß bedank­te sich „bei mei­ner Kol­le­gin Merz” und den Zim­mer­ner Gemein­de­rä­ten. „Er hat Wort gehal­ten und sich an das Ergeb­nis der Klau­sur­ta­gung erin­nert”, so der OB. Nun sei die künf­ti­ge Zusam­men­ar­beit bei­der Kom­mu­nen gere­gelt.

Es müs­se klar sein, dass die Gemein­den nicht belie­big wach­sen könn­ten, son­dern sich am künf­ti­gen Flä­chen­be­darf der Unter­neh­men ori­en­tie­ren müss­ten. Geneh­mi­gungs­fä­hig sei damit ein wei­te­rer Flä­chen­an­teil Zim­merns von acht Hekt­ar. Zudem ein gesam­tes Wachs­tum um 20 Hekt­ar. An Rott­weil lie­ge es damit nun, zwölf Hekt­ar ein­zu­brin­gen. „Zim­mern 40 Pro­zent, Rott­weil 60 Pro­zent.”

Die­ses Ver­hält­nis sei bei den Las­ten des Gewer­be­ge­biets berück­sich­tigt wor­den, bei den lau­fen­den Kos­ten. Und eben­falls bei den Ein­nah­men, bei der Gewer­be­steu­er. Die­se wer­de eben nun nicht mehr im Ver­hält­nis 50 zu 50 auf­ge­teilt. Die Grund­steu­er bleibt dage­gen zu hun­dert Pro­zent bei Zim­mern. Vor allem des­halb, weil sich das Gewer­be­ge­biet auf Zim­mer­ner Gemar­kung befin­det.

Es war nie das Ziel, die Gewer­be­steu­er zu erhö­hen”, so Broß. Es habe ledig­lich den Wunsch des Rott­wei­ler Gemein­de­rats gege­ben, lang­fris­tig den Hebe­satz anzu­glei­chen. In Zim­mern liegt die­ser bei 340, in Rott­weil bei 370. Anders ver­stan­den hat­te das neben Zim­mer­ner Bür­gern auch die Gos­hei­mer Fir­ma Herm­le, die schon gedroht hat, künf­ti­ge Inves­ti­tio­nen in Zim­mern zu über­den­ken, soll­te die Gewer­be­steu­er stei­gen. Nach­dem Zim­mern das nun ein­deu­tig ver­wor­fen hat, ist das Gos­hei­mer Unter­neh­men wie­der zur All­tags­ar­beit zurück gekehrt.

Es hat Ver­wir­rung bei der Fir­ma Herm­le gege­ben”, so Broß. Nach der Dro­hung des Gos­hei­mer Unter­neh­mens will er sofort zum Tele­fon gegrif­fen haben, um dort mit der Chef­eta­ge zu spre­chen. „Wir sind aus­ein­an­der gegan­gen, dass man sich nicht auf­zu­re­gen braucht”, so der Ober­bür­ger­meis­ter. Am Mit­tag hat­te sich das Gos­hei­mer Unter­neh­men mit sei­ner neu­er­li­chen Pres­se­mit­tei­lung dage­gen auf den Zim­mer­ner Beschluss bezo­gen.

Mit Zim­mern wie­der­um sei man einig gewor­den, die Zusam­men­ar­beit fort­set­zen zu wol­len, sag­te Broß. Er hof­fe, dass es gelin­ge, „nach die­ser kur­zen, aber hef­ti­gen Dis­kus­si­on wei­ter ver­trau­ens­voll zusam­men zu arbei­ten.”

Die Rott­wei­ler Stadt­rä­te begrüß­ten uni­so­no den Zim­mer­ner Beschluss und das gemein­sa­me Vor­an­kom­men. FDP-Stadt­rat Dr. Micha­el Ger­lich sprach der Zim­mer­ner Bür­ger­meis­te­rin Merz sei­ne Hoch­ach­tung aus. Sie habe es geschafft, die ver­gif­te­te Situa­ti­on zu befrie­den.

Ich bedaue­re es, dass wir bei der Gewer­be­steu­er nicht einig gewor­den sind – wobei es nie das Ansin­nen gewe­sen ist, die Zim­mer­ner über den Tisch zu zie­hen”, erklär­te der Freie Wäh­ler Karl-Heinz Weiss. Und unter­brei­te­te einen neu­er­li­chen Kom­pro­miss­vor­schlag: einen neu­en, mitt­le­ren Gewer­be­steu­er-Hebe­satz von 355, genau in der Mit­te der aktu­el­len Hebe­sät­ze der bei­den Kom­mu­nen. Das aber wur­de nicht wei­ter dis­ku­tiert, das war eher fürs Pro­to­koll.

FFR-Stadt­rä­tin Hei­de Frie­de­richs kri­ti­sier­te die Ein­fluss­nah­me etwa von Herm­le aus Gos­heim, ein Unter­neh­men, das sei­ne Gewer­be­steu­er ja dort zah­le, nicht in Zim­mern bezie­hungs­wei­se Rott­weil. Die Gewer­be­steu­er fest­zu­le­gen sei Sache der Kom­mu­nen, nicht der Unter­neh­men.

Rott­weil nimmt als Mit­tel­zen­trum auch Funk­tio­nen für das Umland wahr”, erin­ner­te Gün­ter Pos­selt (CDU). Die Stadt hal­te Infra­struk­tur vor – Schu­len, Kin­der­gär­ten – und finan­zie­re sie. Wenn die Stadt aber Infra­struk­tur anbie­te, dann müs­se sie sich auch um die Finan­zie­rung küm­mern. Daher der Wunsch nach Mehr­ein­nah­men.

Inter­kom­mu­na­le Zusam­men­ar­beit bedeu­te zudem, so Pos­selt wei­ter, dass „die Auf­ga­ben dort erle­digt wer­den, wo sie am bes­ten auf­ge­ho­ben sind.” Das sei „das Gegen­teil von Kirch­turm­po­li­tik.” Die Zusam­men­ar­beit sei sach­lich rich­tig und gut. Und nicht nur der Hebe­satz der Gewer­be­steu­er habe die Unter­neh­men ange­zo­gen, auch die gute Ver­kehrs­la­ge und die guten Arbeits­kräf­te, die in und um Zim­mern und Rott­weil leb­ten. Die Bür­ger erwar­te­ten zudem attrak­ti­ve Arbeits­plät­ze.

In unse­ren Schu­len gibt es eine gro­ße Anzahl an Zim­mer­ner Schü­lern”, so Pos­selt. Eine gute Zusam­men­ar­beit zwi­schen den bei­den Gemein­den sei unab­ding­bar. Die­se spie­ge­le sich nun in dem ange­pass­ten INKOM-Ver­trag wie­der.

Dr. Jür­gen Mehl (SPD) kri­ti­sier­te, dass ein­zel­ne Zim­mer­ner Gemein­de­rä­te sich nicht hät­ten an den Beschluss der Klau­sur mit Rott­weil hal­ten wol­len. Im Vor­feld sei auch mit unvoll­stän­di­gen und teils unrich­ti­gen Infor­ma­tio­nen gehan­delt wor­den.

Dr. Mar­tin Hiel­scher erin­ner­te sich an pro­duk­ti­ve und frucht­ba­re Klau­sur mit den Zim­mer­nern. Er reg­te an, ein jähr­li­ches Tref­fen anzu­be­rau­men. Und an die Zim­mer­ner gerich­tet, mein­te er, dass „wie nie irgend­wel­che For­de­run­gen gestellt” hät­ten und dass „wir nicht wegen jedem Hekt­ar, den wir ein­brin­gen, eine Gegen­leis­tung ver­lan­gen.”

Der Grü­ne Hubert Nowack gab zu beden­ken, dass Zim­mern sich eine mög­li­che künf­ti­ge Gewer­be­steu­er­erhö­hung nun selbst unnö­ti­ger Wei­se ver­baut habe.