Die AfD auf dem Podium, von links: Rüdiger Klos MdL, Karl-Heinz Schruder (Bürgerwille eV), Stefan Räpple MdL, Lars Patrick Berg MdL, Bernd Gögel MdL, Emil Sänze MdL und Stefan Herre MdL. Foto: wede

Mehr direk­te Demo­kra­tie durch Volks­ab­stim­mun­gen im Land, das for­dert die AfD-Land­tags­frak­ti­on. Der Auf­takt ihrer Kam­pa­gne mit meh­re­ren Abge­ord­ne­ten lock­te etwa 150 Per­so­nen in die Rott­wei­ler Stadt­hal­le.

Es wird ein lan­ger Marsch wer­den“, bis das Ziel erreicht sei, mein­te Emil Sän­ze, der stell­ver­tre­ten­de Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de und hie­si­ge Wahl­kreis-Abge­ord­ne­te, als er das Pro­jekt vor­stell­te. Aber als frü­he­re Ultra-Lang­stre­cken­läu­fer sei er Aus­dau­er gewohnt: „Wir wer­den nicht nach­las­sen, bis es durch­ge­setzt ist. Dies ist kei­ne Dro­hung, son­dern ein Ver­spre­chen!“, sag­te er.

Und so stell­te er das Pro­jekt vor: Zwar gibt es in der Lan­des­ver­fas­sung die Mög­lich­keit von Volks­an­trag, ‑begeh­ren und –abstim­mung. Aber die Quo­ren, also die Min­dest­an­zahl an Unter­schrif­ten oder Stim­men, sei­en zu hoch, die Fris­ten zu kurz. Und hier setzt der Antrag der AfD an: Sie möch­te bei­des ändern. Einen ent­spre­chen­den Antrag im Land­tag hat­te die gro­ße Mehr­heit abge­lehnt (die Quo­ren waren 2015 bereits geän­dert wor­den).

Und das möch­te die AfD nun:

Ein Volks­an­trag, also der Antrag von Bür­gern an den Land­tag, sich mit einem The­ma zu befas­sen, ist nur dann ver­pflich­tend, wenn ein hal­bes Pro­zent der Wahl­be­rech­tig­ten unter­schrie­ben hat. Das sind etwa 38.000 Unter­schrif­ten. Die AfD möch­te das auf ein Pro­mil­le, also etwa 7700, sen­ken. Das The­ma muss in der Zustän­dig­keit des Lan­des lie­gen.

Mit einem Volks­be­geh­ren kön­nen Bür­ger den Antrag an den Land­tag stel­len, ein bestimm­tes Gesetz zu erlas­sen. Der Land­tag muss dar­über abstim­men, wenn ein Pro­zent der Wahl­be­rech­tig­ten unter­schrie­ben hat (also rund 77.000). Die AfD möch­te auch die­ses Quo­rum auf ein Pro­mil­le absen­ken. Außer­dem müs­sen die­se Unter­schrif­ten bis­her inner­halb von sechs Mona­ten gesam­melt wer­den; die AfD möch­te die Frist auf neun Mona­te ver­län­gern.

Lehnt der Land­tag den Geset­zes­ent­wurf ab, muss er die­sen dem Wahl­volk zur Volks­ab­stim­mung vor­le­gen. Ange­nom­men ist ein sol­cher Antrag, wenn die Mehr­heit der Abstim­men­den, min­des­tens aber ein Fünf­tel aller Wahl­be­rech­tig­ten zustimmt. Bei Ver­fas­sungs­än­de­run­gen muss min­des­tens die Hälf­te aller Wahl­be­rech­tig­ten dafür stim­men. Die­se Min­dest­gren­zen möch­te die AfD abschaf­fen, die ein­fa­che Mehr­heit soll genü­gen.

Außer­dem sind bis­her Steu­ern, Besol­dung und der Staats­haus­halt von Volks­be­geh­ren und –abstim­mung aus­ge­nom­men. Auch dies möch­te die AfD ändern – und weil der Gesamt­haus­halt auch nach AfD-Ansicht zu kom­plex ist: „Ein­zel­ti­tel ab 500 Mil­lio­nen Euro müs­sen dem Volk vor­ge­legt wer­den“, for­der­te Sän­ze. Ins­ge­samt also ist die Schweiz mit ihren Volks­ab­stim­mun­gen das Vor­bild der AfD-Frak­ti­on.

Wo hät­te das Volk denn abstim­men kön­nen: Euro­päi­sche Eini­gung, Ein­füh­rung des Euro, Mili­tär­ein­sastz in Afgha­ni­stan – und Aus­bau der Gäu­bahn, mein­te der Abge­ord­ne­te. Wegen der hohen Hür­den gebe es kaum Volks­ab­stim­mun­gen, sag­te Sän­ze, „die letz­te vor 50 Jah­ren“. Da hat er aller­dings die Abstim­mung 2011 zu Stutt­gart 21 über­se­hen.

Für ein Volks­be­geh­ren müss­ten über 400 Unter­schrif­ten je Tag gesam­melt wer­den, mein­te Sän­ze, das sei kaum zu schaf­fen. Doch Karl-Heinz Schru­der, Vor­sit­zen­der des Ver­eins „Bür­ger­wil­le“, rech­ne­te es etwas anders vor: Bei 1750 Akti­ven der AfD müs­se jeder in sechs Mona­ten 450 Unter­schrif­ten sam­meln. „Das ist mach­bar.“ Er berich­te­te von erfolg­rei­chen Aktio­nen der Bür­ger­be­tei­li­gung, so habe in Kauf­beu­ren ein Bür­ger­be­geh­ren den Bau einer Moschee ver­hin­dert. Und „die Moschee in Lein­fel­den-Ech­ter­din­gen, die wird auch nicht kom­men.“

 

Dis­kus­si­on

 

Das eigent­li­che The­ma nahm nur die hal­be Zeit der Ver­an­stal­tung ein. Natür­lich woll­ten die Gäs­te, die teil­wei­se aus den Nach­bar­krei­sen gekom­men waren, noch mehr von den Abge­ord­ne­ten wis­sen. So stell­te ein ziem­lich unge­hal­te­ner Bür­ger (nach dem State­ment zu Mer­kel: „Zur Höl­le mit ihr!“, was ihm Bei­fall ein­brach­te) die Fra­ge, „mit wem wollt ihr euch ins Bett legen?“ Der Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Bernd Gögel schloss aus, Juni­or­part­ner einer ande­ren Par­tei zu sein. Aber wenn er in einer Koali­ti­on so viel AfD-Poli­tik durch­set­zen kön­ne wie der­zeit die Grü­nen ihre Poli­tik in der Koali­ti­on mit der CDU, dann sei das anders.

Der FDP-Abge­ord­ne­te Dr. Ger­hard Aden brach­te das „Fami­li­en-Wahl­recht“ vor, der AfD-Abge­ord­ne­te Ste­fan Räpp­le sah dies nicht als Alter­na­ti­ve zu den Ele­men­ten der direk­ten Demo­kra­tie an. Das Wahl­al­ter will die AfD nicht sen­ken, beschied der Abge­ord­ne­te Ste­fan Her­re einen jun­gen Fra­ger.

Ande­re Teil­neh­mer gaben den AfD-Män­nern Gele­gen­heit, sich nach rechts abzu­gren­zen: „Die AfD wird sich hüten, Geset­ze zu erlas­sen, die die Mei­nungs- und Pres­se­frei­heit ein­schrän­ken wür­den“, beschied Gögel einen Fra­ger (der sich dabei miss­ver­stan­den fühl­te). Lars Patrick Berg mahn­te das offen­sicht­lich unge­hal­te­ne Publi­kum bei einem kri­ti­schen Teil­neh­mer, auch des­sen The­men sei­en wich­tig (da hat­te der Mann aber schon den Saal ver­las­sen). Und als ein als Rechts­ex­tre­mist nicht unbe­kann­ter Bür­ger frag­te, „wie kann es sein, dass Juden Mit­glie­der der AfD sind?“, explo­dier­te Gögel fast: „In die Par­tei kann jeder Mensch, egal wel­che Haut­far­be oder Reli­gi­on!“

Die mit etli­chen Fahr­zeu­gen und Beam­ten ange­rück­te Poli­zei hat­te übri­gens einen ruhi­gen Abend: Es ist nichts pas­siert, war aus dem Prä­si­di­um zu hören.