Einen Mitbewohner fast umgebracht: Prozess gegen Asylbewerber in Rottweil

Das Landgericht Rottweil.

Weil er Mit­te April einen Mit­be­woh­ner mit einem Holz­bein ver­prü­gelt und schwer ver­letzt hat­te, wird einem 33-jäh­ri­gen – bereits abge­lehn­ten – Asyl­be­wer­ber bald in Rott­weil der Pro­zess gemacht. Der Vor­wurf: ver­such­ter Mord. Außer­dem wer­den ihm gefähr­li­che Kör­per­ver­let­zung und Wider­stand gegen Voll­stre­ckungs­be­am­te zur Last gelegt. Sein Opfer hat nach der Tat einen Teil eines Fin­gers ein­ge­büßt. Die Staats­an­walt sieht als Mord­merk­mal Heim­tü­cke gege­ben. 

Am 12. April soll der 33-Jäh­ri­ge in einer Rott­wei­ler Asyl­be­wer­ber­un­ter­kunft ver­sucht haben, einen Mit­be­woh­ner umzu­brin­gen. Mit einem Holz­stuhl­bein bewaff­net und unter Ein­wir­kung von Alko­hol und Can­na­bis soll er gegen 22.30 Uhr gewalt­sam in das Zim­mer des Mit­be-woh­ners ein­ge­drun­gen sei. „Er schlug sodann viel­fach und wuch­tig den Mit­be­woh­ner, der nicht mit einem Angriff gerech­net hat­te, mit dem Holz­stuhl­bein auf Bei­ne, Kör­per und – über­wie­gend – auch gezielt ins Gesicht und auf den Kopf”, heißt es in der Ankla­ge­schrift. 

Dabei sei der Mann heim­tü­ckisch vor­ge­gan­gen – juris­tisch wich­tig für die Ankla­ge wegen ver­such­ten Mor­des. Er habe das Stuhl­bein zunächst hin­ter sei­nem Rücken ver­steckt, sein Opfer sei vom Angriff über­rascht gewe­sen.

Den Tod des Bekann­ten soll er bewusst in Kauf genom­men haben. Erst als hin­zu­ge­ru­fe­ne Poli­zei­be­am­te ein­ge­trof­fen waren, habe er von sei­nem Opfer abge­las­sen. Die­ses erlitt laut Staats­an­walt­schaft schwers­te Ver­let­zun­gen, unter ande­rem mehr­fa­che Frak­tu­ren der Augen­höh­len, einen Joch­bein­bruch und mehr­fa­che Nasen­bein­frak­tu­ren. Auch muss­te ihm ein Teil des Ring­fin­gers ampu­tiert wer­den.

Das Gan­ze hat­te eine Vor­ge­schich­te: Der Ange­klag­te ist abge­lehn­ter Asyl­be­wer­ber, er wohn­te in einer Rott­wei­ler Asyl­be­wer­ber­un­ter­kunft. Bereits am 7. April habe er dort nachts in sei­nem Zim­mer ran­da­liert – und der Mit­be­woh­ner rief damals die Poli­zei.

Es folg­te da schon eine Gewalt­or­gie gegen die ein­ge­setz­ten Beam­ten, zudem Belei­di­gun­gen. Nur mit Mühe und unter Kraft­auf­wen­dung hät­ten die Poli­zis­ten den rabia­ten Mann ins Kran­ken­haus brin­gen kön­nen – wo er dann zunächst wei­ter ran­da­liert haben soll. 

Der Ange­klag­te war alko­ho­li­siert und stand unter Can­na­bis­ein­fluss”, notier­te der Poli­zei­be­richt.

Der Pro­zess gegen den 33-Jäh­ri­gen beginnt am Frei­tag, 28. Sep­tem­ber, vor der Gro­ßen Schwur­ge­richts­kam­mer des Land­ge­richts Rott­weil. Betei­ligt sind vier Dol­met­scher und drei Sach­ver­stän­di­ge. 30 Zeu­gen sind gela­den wor­den.