Fast wia im richtigen Leben

Welch ein Auftakt des Ferienzaubers! Eine Revue mit Kabarett und Satire auf Bayrisch mit Gerhard Polt und den „Well-Brüdern ausm Biermoos“ riss die Zuschauer im völlig ausverkauften Kraftwerk mit – und auch nach knapp drei Stunden (mit Pause) hatten die Fans noch nicht genug.

Gerhard Polt ist inzwischen 77 und immer noch im Vollbesitz seiner kabarettistischen Kräfte. Er schlüpft in verschiedene Rollen, und egal in welche: Spätestens bei jedem zweiten Satz gibt es Lacher. Spätestens. Und das sind keine billigen Pointen, manchmal weiß man hinterher nicht so recht, warum man überhaupt gelacht hat. Es muss auch die Art sein, wie Polt das rüberbringt, fast beiläufig. Und dass er seine Figuren so lebensnah zeichnet mit ihren Vorlieben und Vorurteilen– „fast wia im richtigen Leben“, wie mal eine Sendereihe mit ihm hieß. Besonders deutlich wird das, als er gleich in zwei Rollen schlüpft: Der jungen, erst mal überforderten Radio-Journalistin und dem „Alkohol-Sportler“. Einfach köstlich. Die Zuschauer wollen fast nicht aufhören mit Beifall.

Den bekommen natürlich auch die Well-Brüder Christoph („Stofferl“) und Michael, die ihren Texter Hans durch Bruder Karli ersetzt und sich einen anderen Gruppennamen gegeben haben. Sie sind musikalisch – so viele Instrumente waren da auf der Bühne, dass man mit Zählen gar nicht mitkam, und sie (vor allem Christoph) beherrschen sie auch. Stubenmusik mit satirischen Texten, das Konzept, das auch bei der Biermösl Blosn überzeugte, auch hier. Und auch in dieser Besetzung zeigen sie, dass sie sich mit ihrem Auftrittsort beschäftigt haben – einen Knast braucht man, wo Thyssen und Rheinmetall sind, finden sie. Ungelöst die Frage, ob Zimmern zu Rottweil oder Rottweil zu Zimmern gehört. Und dann „Rottweil du Perle im Badener Land“ – das bringt natürlich Buh-Rufe. „Das war bloß ein Aufmerksamkeitstest“, erklärt Stofferl. Zur Zugabe packen sie dann auch noch drei Alphörner aus.

So kann’s weitergehen mit dem Ferienzauber. 

 

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