Dienstag, 16. April 2024

„Herzensprojekt“: Persönliche Geschichten aus dem Jahr 2020 gesucht

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Ein bewegtes, aufwühlendes Jahr neigt sich dem Ende zu. Für die einen war es mit Ängsten oder gar Trauer verbunden, anderen hat es neue Horizonte eröffnet. All die Gefühle, Erfahrungen und sehr persönlichen Geschichten, die sich mit 2020 verbinden, möchte die Rottweilerin Natascha Roth sammeln und in einem Buch festhalten. Auch die NRWZ-Leser lädt sie ein, ihre Geschichten zu erzählen.

„In einer Schublade habe ich alte Briefe von meinem Opa gefunden“, erzählt Natascha Roth im Gespräch mit der NRWZ von der Entstehung ihres Projekts. Diese Briefe haben sie berührt. „Sie haben zurückgeholt, was mein Opa erlebt und wie er sich gefühlt hat“, berichtet sie.

Die lebensnahen Schilderungen und Einblicke haben die sympathische Vierzigjährige gepackt. „Das findet man später in keinem Geschichtsbuch, das ist einfach verloren“, bedauert sie. Die Erfahrung mit den Briefen hat die Fremdsprachen-Korrespondentin und Mutter jedoch auf einen Gedanken gebracht: „Wir erleben gerade eine außergewöhnliche Zeit und unsere Erfahrungen sind auch irgendwann für unsere Kinder und Enkel nicht mehr greifbar“, erläutert Natascha Roth.

Deshalb fasste sie den Entschluss, alltägliche Beobachtungen und Erlebnisse aus dem Jahr 2020 zu sammeln. Und sie in einem Buch zu veröffentlichen – sozusagen als gemeinschaftliches Erinnerungsprojekt. Weil es für sie ein Projekt ist, hinter dem sie voller Begeisterung steht, hat Natascha Roth das Vorhaben schwungvoll „Herzensprojekt“ genannt.

Briefe ihres Großvaters haben Natascha Roth inspiriert. Foto: pm

„Viele Freunde waren von der Idee begeistert und haben mich ermutigt“, erzählt sie. Allein aus ihrem Umfeld, das auch Netzwerke in Frankreich einschließt, könnte die dynamische, zupackende Frau wohl bereits ein halbes Buch mit Geschichten füllen. Schon hier zeigt sich, wie gegensätzlich das Jahr 2020 erlebt wurde: „Manche Kinder waren traurig, weil sie nicht auf den Spielplatz durften, andere waren glücklich, weil der Papa wegen des Lockdowns endlich mehr zuhause war“, lacht Natascha Roth.

Solchen und vielen anderen Episoden will Roth Raum geben und sie festhalten über den Tag hinaus. Aber auch an Pflegekräfte und Menschen, die einen Angehörigen verloren haben, denkt sie: „Mir ist es wichtig, viele verschiedene Perspektiven aufzugreifen – fröhliche genauso wie bedrückende“.

Auch bei der Art der Beiträge ist sie offen: Das kann ein getippter oder handgeschriebener Text sein, mit Namen oder anonym, gerne auch mit passendem Bild – alles, was auf eine Buchseite passt. Die Beiträger haben da freie Bahn.

Was in die Publikation letztlich aufgenommen wird, das entscheidet Natascha Roth jedoch eigenständig. Politische Statements oder kontroverse Einschätzungen zur Pandemie finden wohl eher keinen Eingang. „Mir geht es um diesen nahen Blick in das Innenleben und die Erfahrungen der Menschen, wie bei den Briefen meines Opas“, hebt sie hervor. Und, wer weiß, vielleicht werden viele Enkel einmal ebenso dankbar und gefesselt sein, wenn sie Geschichten aus einem lange zurückliegenden Jahr 2020 lesen, wie Natascha Roth es bei ihrem Fund in der Schublade war.

Info: Bis 31. Januar 2021 kann man Natascha Roth per E-Mail unter dieser Mailadresse [email protected] Geschichten senden.

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