Die Galerie der ehemaligen Oberbürgermeister der Stadt Rottweil im Sitzungssaal des Neuen Rathauses ist um ein weiteres Bild ergänzt worden: Am Freitagnachmittag wurde dort im Rahmen einer kleinen Feierstunde das Portrait von Ralf Broß, Oberbürgermeister der Stadt Rottweil von 2009 bis 2022, feierlich enthüllt. Gemalt hat das Bild der renommierte Künstler Axel Brandt aus Ulm. Das teilt die Stadtverwaltung mit.
Zu der Veranstaltung hatte die Stadt enge Weggefährten eingeladen, die Ralf Broß während seiner zwölfjährigen Amtszeit begleitet und unterstützt hatten. Der Sitzungssaal, in dem die Portraits traditionell hängen, war über viele Jahre hinweg „seine gute Stube“, wie Oberbürgermeister Dr. Christian Ruf in seiner Ansprache betonte. Mit der Aufnahme des Bildes werde die Reihe der ehemaligen Oberbürgermeister der Stadt Rottweil konsequent fortgeführt. Dr. Ruf würdigte in seiner Rede die Amtszeit von Ralf Broß als prägende Phase für die Stadt: „In Deiner Amtszeit wurde unsere Stadt Rottweil, die älteste Stadt Baden-Württembergs, gewissermaßen in die Moderne geführt, ohne Tradition und Geschichte außen vor zu lassen.“
OB Dr. Ruf: Typische Geste eingefangen
Neben dem Porträt greift das Bild ein weiteres zentrales Element dieser Zeit auf: Im Hintergrund ist der TKE-Testturm angedeutet – eines der wichtigsten Projekte der Ära Broß. Dr. Ruf verwies in seiner Rede darauf, dass der Turm sinnbildlich für den Aufbruch Rottweils stehe und bis heute das Stadtbild präge. Ferner erinnerte er an weitere Großprojekte und Meilensteine wie die Eröffnung des Mehrgenerationenhauses „Kapuziner“, die Ansiedlung der neuen Justizvollzugsanstalt, die Planungen zur Fußgänger-Hängebrücke über das Neckartal und die erfolgreiche Bewerbung um die Landesgartenschau 2028, aber auch an Themen wie die Bürgerbeteiligung einschließlich zweier Bürgerentscheide, die Kulturförderung, die Integrationsarbeit während der Flüchtlingskrise und die Herausforderungen der Corona-Pandemie. Weitere Highlights waren 500 Jahre „Ewiger Bund“ 2019 und der Besuch des Bundespräsidenten 2022, kurz bevor Ralf Broß als geschäftsführendes Vorstandsmitglied des baden-württembergischen Städtetags nach Stuttgart wechselte. „Dein Portrait, das Axel Brandt sehr ausdrucksstark und lebendig gestaltet hat, mit einer für Dich typischen Geste, wird uns an die oftmals turbulente und sehr erfolgreiche Zeit erinnern, in der Du unsere Stadt Rottweil ein großes Stück nach vorn gebracht hast“, dankte Dr. Ruf seinem Amtsvorgänger, auch im Namen seiner Wegbegleiter aus der Verwaltung, dem Gemeinderat und der gesamten Stadtgesellschaft.
Kontakt über Dieter Krieg und Forum Kunst nach Rottweil
Der Künstler Axel Brandt, der das Portrait geschaffen hat, erläuterte den Entstehungsprozess des Werks. Brandt, der in Ulm geboren und aufgewachsen ist, hat in Düsseldorf beim Maler Dieter Krieg studiert – dieser wiederum ist Rottweil über das Forum Kunst und die in dieser Stadt ansässige Dieter-Krieg-Stiftung verbunden. Das Bild entstand nicht im Atelier. Stattdessen trafen sich Broß und Brandt in Rottweil. „Ich wollte wissen, ob es mehr gibt als den Testturm, und tatsächlich gibt es eine beeindruckende Liste an Dingen, die auf das Wirken des Politikers Ralf Broß zurückzuführen sind“, blickte Brandt auf den Entstehungsprozess des Portraits zurück. Während des gemeinsamen Gangs durch die Stadt entstanden viele Fotos, die dann als Grundlage des Porträts dienten. „Ich habe einfach so lange fotografiert, bis er es gar nicht mehr bemerkt hat“, berichtete Brand mit einem Augenzwinkern. Dabei gelang es Brandt auch, eine besonders charakteristische Handbewegung des ehemaligen Oberbürgermeisters einzufangen. Nachdem er nun Porträt und Porträtierte erstmals im selben Raum vis-à-vis betrachten konnte, zeigte sich Brandt mit dem Ergebnis jedenfalls zufrieden: „Ich bin eigentlich sehr glücklich damit.“
Künstlerisches Porträt mit eigener Handschrift
Ralf Broß selbst beschrieb die Enthüllung seines eigenen Portraits als einen besonderen und durchaus ambivalenten Moment: „Auf der einen Seite ist man natürlich stolz, mich in diese Ahnengalerie der Amtsvorgänger einreihen zu dürfen. Auf der anderen Seite ist es schon ein komisches Gefühl, sich jetzt selbst dort zu sehen.“ Ihm sei es von Anfang an wichtig gewesen, kein rein fotorealistisches Abbild zu erhalten, sondern ein künstlerisches Porträt mit eigener Handschrift. Die Wahl von Axel Brandt als Maler sei letztlich einem glücklichen Zufall zu verdanken. „Mir ist bei einem Besuch in Ulm sein Portrait des ehemaligen OBs Ivo Gönner aufgefallen und ich dachte mir gleich: So etwas könnte ich mir vorstellen.“ Eine Nachfrage beim Vorsitzenden von Forum Kunst Rottweil, Jürgen Knubben, ergab dann, dass Axel Brandt nicht nur einen Bezug zu Rottweil hat, sondern auch schon selbst dort ausgestellt hat. Broß dankte der Stadt und dem Gemeinderat ausdrücklich dafür, dass diese Tradition auch in finanziell herausfordernden Zeiten fortgeführt werde: „Es ist für mich eine große Ehre, jetzt Teil dieser Galerie zu sein.“
Die Feierstunde verstand Broß zugleich als persönlichen Abschluss einer langen Wegstrecke, verbunden mit dem Dank an all jene, die ihn unterstützt und begleitet haben: „Für mich ist das heute das Ende einer Rahmenhandlung, die 2009 begonnen hat. Umso wichtiger war es mir, dass heute auch die Menschen dabei sind, die von Anfang an mit dabei waren.“
Umrahmt wurde die Feier von einem Querflöten-Ensemble der Musikschule Rottweil. Mit dem neuen Portrait erinnert die Stadt Rottweil künftig im Sitzungssaal des Neuen Rathauses an eine bewegte und zugleich erfolgreiche Zeit der Stadtentwicklung – und an einen Oberbürgermeister, der Rottweil in dieser Zeit nachhaltig geprägt hat.



