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Mittwoch, 11. Dezember 2019
Start Lan­des­gar­ten­schau Rott­weil Lan­des­gar­ten­schau Rott­weil 2028: Im Hin­ter­grund wird schon flei­ßig geschafft

Landesgartenschau Rottweil 2028: Im Hintergrund wird schon fleißig geschafft

Ver­wal­tung erstat­tet dem Gemein­de­rat einen ers­ten Sach­stands­be­richt – inklu­si­ve mit­tel­fris­ti­gem Zeit­plan

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Eins ist klar: 2028 wird es in Rott­weil eine Lan­des­gar­ten­schau geben. Das ist in rund neun Jah­ren. Ide­en­samm­lung, Ana­ly­se, Mach­bar­keits­prü­fung, Pla­nung und schließ­lich Umset­zung – all die­se Pro­­jekt-Teil­­schrit­­te müs­sen bis dahin erle­digt sein. Des­halb ist die Stadt­ver­wal­tung bereits jetzt aktiv. Sicht­bar ist noch wenig, aber im Hin­ter­grund wer­de flei­ßig geschafft, heißt es. Am Mitt­woch hat die Ver­wal­tung dem Gemein­de­rat einen ers­ten Bericht erstat­tet. Die Stadt­rä­te nah­men den Zwi­schen­be­richt mit Unmut wahr. Sie füh­len sich bis­her nicht mit­ge­nom­men, son­dern nur zwi­schen­in­for­miert.

Ein kleiner Rückblick

2017 sei für Rott­weil schon ein ”extrem erfolg­rei­ches Jahr” gewe­sen, so Bür­ger­meis­ter Dr. Chris­ti­an Ruf am Mitt­woch. Nach dem gro­ßen Nar­ren­tag, nach der Eröff­nung des Test­turms, des neu­en Feu­er­­wehr-Gerä­­te­hau­­ses, dem Umzug der Feu­er­wehr dort­hin habe die Stadt Ende 2017 auch noch eine Lan­­des­gar­­ten­­schau-Bewer­bung fer­tig gemacht.

Anfang Juli 2018 kam die Nach­richt: Die Lan­des­gar­ten­schau 2028 fin­det in Rott­weil statt. Es folg­te erst­mal Freu­de. Doch: Wir müs­sen jetzt zeit­nah mit den nächs­ten Schrit­ten begin­nen”, so Ralf Broß kei­ne zwei Stun­den nach der erlö­sen­den Nach­richt. Zunächst setz­te sich die Stadt­ver­wal­tung mit Ver­tre­tern von ”BW Grün” zusam­men, der soge­nann­ten För­de­rungs­ge­sell­schaft für die baden-wür­t­­te­m­ber­gi­­schen Lan­des­gar­ten­schau­en. Den Pro­fis für die­se Pro­jek­te. Die­se sagen über sich:

Eine Gar­ten­schau zu orga­ni­sie­ren und zu finan­zie­ren ist eine kom­ple­xe Auf­ga­be, der sich eine Kom­mu­ne in aller Regel zum ers­ten und ein­zi­gen Mal stellt. Dazu braucht es einen star­ken Part­ner. Die Stär­ken des bwgrün.de-Teams sind Kom­pe­tenz und Kon­ti­nui­tät.

Hier lau­fen also bereits ers­te Gesprä­che – bei denen die Pro­fis mut­maß­lich den Neu­lin­gen sagen, wel­ches die Pro­jekt­schrit­te sind. Auch über die Finan­zie­rung wer­de gespro­chen, so Bür­ger­meis­ter Ruf. Und über The­men wie den nöti­gen Grund­er­werb. Und den orga­ni­sa­to­ri­schen Auf­bau einer Gar­­ten­­schau-Betrei­ber­ge­­sel­l­­schaft.

Außer­dem hat noch 2018 ein Tref­fen mit Ver­tre­tern aller Lan­­des­gar­­ten­­schau-Stä­d­­te von 2026 bis 2030 statt­ge­fun­den, und zwar in Lahr, wo die Schau der­zeit läuft. Mit dabei war übri­gens auch Rott­weils Nar­ren­part­ner­stadt Über­lin­gen, die 2020 dran ist. Ver­wal­tungs­in­tern wird das als recht geschickt ange­se­hen, weil die Ban­de an den Boden­see recht eng sind, man sich viel aus­tau­schen kön­ne.

In den Gesprä­chen ging es bis­lang um orga­ni­sa­to­ri­sche Sachen, so Ruf für die Stadt­ver­wal­tung am Mitt­woch gegen­über dem Gemein­de­rat. Auch mit dem Regie­rungs­prä­si­di­um habe man sich schon zusam­men gesetzt – hier ging es Ruf zufol­ge kon­kret um För­der­mit­tel. Und im Febru­ar mit der soge­nann­ten Begleit­grup­pe, die aus der Bewer­bungs­pha­se stammt und aus För­de­rern und Unter­stüt­zern der Lan­des­gar­ten­schau besteht – Gewer­­be- und Han­dels­ver­ein, Geschichts- und Alter­tums­ver­ein, Bür­ger­fo­rum, Nabu, wei­te­re. Und am 29. Dezem­ber hat der Gemein­de­rat ein­stim­mig den for­ma­len Annah­me­be­schluss für die Lan­des­gar­ten­schau 2028 gefasst.

Kon­kret gibt es bereits ein ers­tes, weit­ge­hend fer­ti­ges Pro­jekt: die Dreher’sche Müh­le. Der Bereich am Neckar, in der Au, ist gerich­tet. Es fehlt nur noch eine Brü­cke über den Fluss, der eine direk­te fuß­läu­fi­ge Ver­bin­dung von der his­to­ri­schen Innen­stadt zum Test­turm und zurück schaff­te.

Zugleich sei­en aber auch die ande­ren Ver­wal­tungs­auf­ga­ben nicht lie­gen geblie­ben, so Bür­ger­meis­ter Ruf.

Das Aus­stel­lungs­kon­zept 2028. Es gilt als ver­än­der­lich. Gra­fik: pm

Die Planungsphasen

Der Weg zur Lan­des­gar­ten­schau kann in Pha­sen ein­ge­teilt wer­den. Zunächst wer­den Ide­en gesam­melt und erfolgt eine genaue Ana­ly­se des Bestands in Rott­weil. Dar­in flie­ßen natür­lich die Erkennt­nis­se aus der Bewer­bungs­pha­se ein – mit ihren The­men ”Neckar­strand”, ”Grü­ne Innen­stadt”, ”Hän­gen­de Gär­ten” und nicht zuletzt ”Mobi­li­tät”. Wie am Mitt­woch aber klar wur­de, ist die Bewer­bung kei­nes­falls die Blau­pau­se für die Lan­des­gar­ten­schau 2028, die nun nur noch umge­setzt wer­den müs­se. Sie ist ledig­lich eine Mach­bar­keits­stu­die. Zeigt, was mög­lich ist. Details fol­gen und kön­nen sich in der tat­säch­li­chen Umset­zung immer noch ändern.

Wo genau die Lan­des­gar­ten­schau Rott­weil wie statt­fin­det – das ist also noch unklar. Das muss fest­ge­legt wer­den. Es kann sich, muss sich aber nicht auf die Berei­che Hoch­turm, Stadt­gra­ben, Neckar­tal, ENRW-Gelän­­de erstre­cken. 

Im Som­mer 2020 soll dem Gemein­de­rat der Rah­men­plan vor­ge­legt wer­den. Der wird die Grund­la­ge bil­den für den dann star­ten­den land­schafts­ar­chi­tek­to­ni­schen Wett­be­werb. 

In naher Zukunft wie­der­um will die Stadt Gesprä­che auch mit betrof­fe­nen Unter­nehn­men füh­ren. Mit der Bahn, zum Bei­spiel. Das The­ma wird sein, was mit den Glei­sen im Neckar­tal geschieht. Ob ein wei­te­rer Bahn­halt ”Rot­t­­weil-Mit­­­te” mög­lich wird. Die Ver­wal­tung will auch mit dem Ener­gie­ver­sor­ger ENRW reden – des­sen Unter­neh­mens­füh­rung schon weiß, dass der Betrieb umzu­sie­deln sei, um der Lan­des­gar­ten­schau Platz zu machen. Doch gibt sie sich, die Unter­neh­mens­füh­rung, noch ver­schlos­sen zu Fra­gen zu ihrer Sicht der Din­ge.

Es gel­te, zu klä­ren, wel­che The­men in die Pla­nung der Lan­des­gar­ten­schau mit­ge­nom­men wür­den, so Bau-Fach­be­­reichs­­lei­­ter Lothar Huber. Zudem gehe es dar­um, die För­der­mög­lich­kei­ten auf­zu­tun.

Die zwei­te Pha­se trägt dem Rech­nung: Dar­in wird die Mach­bar­keit der Ide­en über­prüft. Dazu gehört dann die end­gül­ti­ge Pla­nung. Das Fest­le­gen des Zuschnitts des tat­säch­li­chen Gar­ten­schau­ge­län­des. Die Bestim­mung der umzu­set­zen­den Pro­jek­te. Und das Wie. Das ist die Arbeit, die vor einem­Wett­be­werb steht, der Herbst kom­men­den Jah­res star­ten soll. Auch die­se, nament­lich noch unbe­kann­ten Archi­tek­ten und Land­schafts­pla­ner wer­den laut Stadt­ver­wal­tung ihre Ide­en ein­brin­gen kön­nen und das bis­he­ri­ge Kon­zept viel­leicht ent­spre­chend ver­än­dern.

Den­noch: Die Plan­statt Sen­ner, die die Bewer­bung aus­ge­ar­bei­tet hat, ist wei­ter im Boot. Es han­delt sich dabei um ein Pla­nungs­bü­ro für Land­schafts­ar­chi­tek­tur, Lan­d­­schafts- und Umwelt­pla­nung sowie Stadt­ent­wick­lung aus Über­lin­gen, das dort gera­de inten­siv prak­ti­sche Erfah­rung sam­melt. Zumin­dest für die Vor­pha­se der Rah­men­pla­nung will die Stadt­ver­wal­tung auf die Exper­ti­se der Plan­statt set­zen.

Huber benann­te die Not­wen­dig­keit, mit mög­lichst genau­en Pla­nun­gen in den Wett­be­werb zu gehen, um mög­lichst vie­le, mög­lichst kon­kre­te und ver­gleich­ba­re Vor­schlä­ge zu erhal­ten. 

Bau­amts­lei­ter Huber kün­dig­te etwa auch Exper­­ten-Work­­shops an, die sich mit der Mach­bar­keit der ein­zel­nen Vor­ha­ben beschäf­ti­gen wer­de. Der Archi­tek­ten­wett­be­werb wer­de einen Fein­schliff brin­gen, sag­te Huber.

Und die drit­te Pha­se ist dann die der Umset­zung. Wenn die Bag­ger rol­len. Nach dem nun vor­ge­leg­ten, soge­nann­ten mit­tel­fris­ti­gen Zeit­plan, ist der Beginn der Bau­ar­bei­ten im Herbst/Winter 2023 vor­ge­se­hen. Bis 2026 sol­len die Arbei­ten bereits abge­schlos­sen sein, mit einem Puf­fer bis 2027. Damit alles recht­zei­tig fer­tig ist bis zur Schau im dar­auf fol­gen­den Jahr.

Par­al­lel dazu wird das Ver­kehrs­kon­zept ent­ste­hen. Wie wer­den die Besu­cher in Rott­weil bewegt – vom Test­turm zum Gar­ten­schau­ge­län­de, durch die Innen­stadt, etwa mit auto­no­men Fahr­zeu­gen? Bis­lang gibt es auch hier Gedan­ken­spie­le und eine Mach­bar­keits­stu­die. Die war­ten auf ihre Kon­kre­ti­sie­rung und Umset­zung.

Hier sind ers­te Wün­sche der Bür­ger an eine Lan­des­gar­ten­schau in Rott­weil fest­ge­hal­ten. Gra­fik: pm

Die Bürgerbeteiligung

Die Stadt­ver­wal­tung ver­weist dar­auf, die Bür­ger früh in das Pro­jekt ein­ge­bun­den zu haben – weit vor dem eigent­li­chen Zuschlag und der jetzt lau­fen­den Vor-Pla­­nungs­­­pha­­se. So gab es eine soge­nann­te Sti­cker­wand, auf der Bür­ger anonym ihre Wün­sche an eine Gar­ten­schau for­mu­lie­ren konn­ten. Rein phy­sisch ist die Wand noch vor­han­den, ein­ge­la­gert vom Bau­hof. Und sie ist digi­ta­li­siert wor­den, kann etwa auf der städ­ti­schen Pro­jekt­sei­te www.rw2028.de unter ”Kar­te” abge­ru­fen wer­den.

”All die­se Vor­schlä­ge war­ten noch dar­auf, geprüft zu wer­den”, so Huber.

Im Som­mer die­ses Jah­res will die Stadt sich mit Ver­tre­tern des Natur­schutz­bunds, der Loka­len Agen­da, des Bür­ger­fo­rums Per­spek­ti­ven Rott­weil, des Gewer­­be- und Han­dels­ver­eins tref­fen, um die Wün­sche die­ser Orga­ni­sa­tio­nen zu hören.  

Noch für die­ses Jahr, für den Win­ter 2019 ist ein ers­ter Bür­ger­work­shop geplant. 2020 soll der zwei­te fol­gen. 

Wie aus der Stadt­ver­wal­tung zu hören ist, sol­len sich Bür­ger, die sich am Kon­zept der Schau betei­li­gen wil­len, der­zeit am bes­ten an eine der Bür­ger­or­ga­ni­sa­tio­nen wen­den. Etwa an den Nabu, die Loka­le Agen­da, das Bür­ger­fo­rum. Dar­in wer­den Bür­ger­ide­en gebün­delt und gelan­gen so zu den Pro­jekt­ver­ant­wort­li­chen, die mit Ver­tre­tern der Orga­ni­sa­tio­nen spre­chen wer­den.

Eins ist jeden­falls klar: 2028 wird es in Rott­weil eine Lan­des­gar­ten­schau geben. Das ist in rund neun Jah­ren. Bis dahin ist viel zu tun – aber die Ver­wal­tung hat mit den Vor­ar­bei­ten bereits begon­nen.

Reaktionen

Inge­borg Gek­­le-Mai­er reg­te für die Grü­nen an, die Öffent­lich­keit zeit­nah über den Ablauf zu infor­mie­ren. Außer­dem bat sie dar­um, die Stadt­rä­te enger ein­zu­be­zie­hen. Zum Tref­fen der Begleit­grup­pe Ende 2018 sei sie etwa nicht ein­ge­la­den gewe­sen. ”Das war kein böser Wil­le”, so Ober­bür­ger­meis­ter Ralf Broß. Immer­hin sei die­sen Mitt­woch der Gemein­de­rat infor­miert wor­den. Er kön­ne nach­voll­zie­hen, dass eine gewis­se Unge­duld bei allen vor­han­den sei.  

Dr. Peter Schel­len­berg (Freie Wäh­ler) erklär­te, dass die Gesprä­che mit der Deut­schen Bahn rasch ange­gan­gen wer­den soll­ten, sie wür­den sicher am längs­ten dau­ern. Bau-Fach­be­­reichs­­lei­­ter Huber bestä­tig­te, dass die ers­ten Gesprä­che mit der Bahn bereits auf­ge­nom­men wor­den sei­en. 

Schel­len­berg woll­te zudem wis­sen, ob ange­sichts der Auf­ga­ben­fül­le nicht ein Pro­jekt­ma­na­ger ein­ge­stellt wer­den müs­se, der (oder die) sich inten­siv um die Ent­wick­lung der Lan­des­gar­ten­schau küm­mern kön­ne. Laut Ober­bür­ger­meis­ter Ralf Broß gebe es eine Pro­jekt­grup­pe. ”Wir sind am Ball, arbei­ten das The­ma ab. Wir sehen im Moment nicht den Bedarf, zusätz­li­ches Per­so­nal ein­zu­stel­len”, sag­te er. Im Moment kom­me man mit dem vor­han­de­nen Per­so­nal, ”mit Bord­mit­teln” aus. Bei der Grün­dung der Gar­­ten­­schau-GmbH wer­de dann mut­maß­lich ein Pro­jekt­ver­ant­wort­li­cher ein­ge­stellt.

”Her­aus­zu­fin­den, was wir wol­len, ist eigent­lich Auf­ga­be der Bür­ger und damit Auf­ga­be des Gemein­de­rats”, stell­te Moni­ka Hug­ger für die CDU fest. Fach­be­reichs­lei­ter Huber kor­ri­gier­te, dass aus sei­ner Sicht der Gemein­de­rat etwa mit dem Zwi­schen­stands­be­richt ein­be­zo­gen wer­de. 

Hug­gers Frak­ti­ons­kol­le­ge Gün­ter Pos­selt nahm einen gewis­sen Unmut im Gre­mi­um wahr, dass die Stadt­rä­te nur zwi­schen­in­for­miert, aber nicht mit­ge­nom­men wür­den. ”Wir wol­len das Pro­jekt Lan­des­gar­ten­schau doch gemein­sam ent­wi­ckeln.” Dazu sei es zwin­gend not­wen­dig, dass die Stadt­rä­te in die Pla­nung ein­be­zo­gen wür­den.

Die Ver­wal­tung sag­te dies zu. Etwa im Mai zum The­ma Mobi­li­tät rund um die Lan­des­gar­ten­schau. Dann sol­le wie­der – ein Zwi­schen­be­richt für den Gemein­de­rat erfol­gen.

 

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