Kann hier ein großes Stadtmuseum entstehen? Die Gebäude Hauptstraße 22 (links) und 20. Foto: Peter Arnegger

Der Gemein­de­rat hat sich in einer Mam­mut­sit­zung am Mitt­woch, die von 17 bis 23.30 Uhr dau­er­te, auch über das künf­ti­ge Rott­wei­ler Stadt­mu­se­um unter­hal­ten. Beschlos­sen hat er nichts. Das soll im Herbst gesche­hen, im Okto­ber wohl, wie Ober­nür­ger­meis­ter Ralf Broß der Pres­se am Don­ners­tag berich­te­te. Nach der Som­mer­pau­se soll zudem die öffent­li­che Dis­kus­si­on über das Pro­jekt star­ten. Bis dahin sind die Stadt­rä­te in Sachen neu­em Stadt­mu­se­um Geheim­nis­trä­ger.

Es gibt eine Mach­bar­keits­stu­die, die seit ges­tern den Stadt­rä­ten vor­liegt. Dar­in: drei Vari­an­ten, wie ein künf­ti­ges, grö­ße­res Rott­wei­ler Stadt­mu­se­um aus­se­hen könn­te. Die­se Stu­die ist bis­her noch unter Ver­schluss, Ober­bür­ger­meis­ter Ralf Broß wedel­te mit deren Zusam­men­fas­sung vor Pres­se­leu­ten her­um, aber das aus siche­rer Ent­fer­nung. Seit Mitt­woch haben Stadt­rä­te die Unter­la­gen vor­lie­gen. Sie stam­men aus dem Stutt­gar­ter Büro Lede­rer, Ragnars­dót­tir und Oei, das jüngst etwa den zwei­ten Platz beim  Rea­li­sie­rungs­wett­be­werb Neu­bau Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt Rott­weil gemacht hat.

Drei Mög­lich­kei­ten gibt es dem­nach für ein neu­es Stadt­mu­se­um Rott­weil:

  1. Sanie­rung des Bestands in der Haupt­stra­ße.
    Das Stadt­mu­se­um Rott­weil ist in der Haupt­stra­ße 20 unter­ge­bracht – und lei­det unter den beeng­ten Platz­ver­hält­nis­sen dort. Wenn es an die­sem Stand­ort ver­blei­be, so nur dann, wenn das Nach­bar­haus mit der Num­mer 22 zudem genutzt wer­den kann. Das beher­bergt schon eine Waf­fen­samm­lung des ver­stor­be­nen Bür­ger­wehr­grün­ders Peter See­mann. Die­se ist der Stadt ver­macht wor­den. Nun ist sie auch am Kauf des Gebäu­des inter­es­siert. Sein Eigen­tü­mer aber hat das Ange­bot der Stadt laut OB Broß bis­her aus­ge­schla­gen. Es hät­ten nicht ein­mal Ver­hand­lun­gen statt­ge­fun­den. Der Eigen­tü­mer wol­le statt des­sen ein ande­res Haus in der Lorenz­gas­se ver­kau­fen, dar­an „sind wir aber nicht inter­es­siert”, so Broß. Außer­dem sei die Sta­tik der bei­den Gebäu­de zu prü­fen – kön­nen sie die Expo­na­te wie etwa gro­ße, alte Kano­nen, dau­er­haft auf­neh­men? Und wie hoch sind die Sanie­rungs­kos­ten? In Alt­bau­maß­nah­men immer ein Risi­ko. Und dann noch der Denk­mal­schutz, der nicht nur ein paar Wört­chen, son­dern gan­ze Sät­ze und Abhand­lun­gen mit­re­den wol­len wird.

    Vari­an­te 1 ist damit zugleich die unwahr­schein­lichs­te von allen drei­en. 

  2. Ein­zug in das alte Gefäng­nis am Näge­les­gra­ben.
    Tat­säch­lich: Wenn die Gefan­ge­nen umge­zo­gen sind in die neue Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt auf dem Esch, dann steht das alte Rott­wei­ler Gefäng­nis leer. Klar. Das Land als Eigen­tü­mer soll schon Bereit­schaft signa­li­siert haben, das Gebäu­de an die Stadt ver­äu­ßern zu wol­len. Die Stadt wie­der­um könn­te sich dar­in ein Muse­um vor­stel­len – erwei­tert um ein soge­nann­tes Depot, in dem wei­te Tei­le der Samm­lun­gen auf­be­wahrt und gela­gert wer­den wür­den. Die Sta­tik des Gebäu­des sei aus­rei­chend, so Broß am Don­ners­tag. Allein: Es dau­ert zehn Jah­re wenigs­tens, bis das Gefäng­nis für ein Muse­um zur Ver­fü­gung steht. „Die­ser Zeit­raum erscheint mir wahn­sin­nig lan­ge”, sag­te der OB. In zehn Jah­ren soll bekannt­lich die Lan­des­gar­ten­schau statt­fin­den, dann muss Rott­weil bereit sein.

    Die­se Vari­an­te ist damit eine mög­li­che, wenn auch nicht die wahr­schein­lichs­te.

  3. (Teil-)Neubau an der Schlacht­haus­stra­ße
    Die Feu­er­wehr ist bekannt­lich aus ihrem bis­he­ri­gen Gerä­te­haus aus­ge­zo­gen, es steht jetzt leer. Die Stadt­ver­wal­tung denkt an einen Abriss, wenigs­tens in Tei­len („die Gara­gen sind sicher unstrit­tig, über einen Kom­plett-Abbruch aber gibt es noch kei­nen Kon­sens”, so Broß). Und dann an einen Neu­bau. Der könn­te alle Erfor­der­nis­se an ein neu­es Muse­um erfül­len. 

    Die­se Vari­an­te gilt der­zeit als die wahr­schein­lichs­te, wenn­gleich ursprüng­lich an die­ser Stel­le ein Ver­bin­dungs­glied zwi­schen Edeka/Nägelesgraben und Schwar­zem Tor/ Obe­rer Haupt­stra­ße ent­ste­hen soll­te. Ein Wohn- und Geschäfts­haus mit Ein­zel­han­del, das die Käu­fer Rich­tung Innen­stadt lockt. Ein Stadt­mu­se­um wäre etwas völ­lig ande­res, hät­te ein ande­res Ziel­pu­bli­kum.

Es sei nichts ent­schie­den, so Broß am Don­ners­tag. Zwar war für Mitt­woch von­sei­ten des Kul­tur­amts bereits ein Grund­satz­be­schluss des Gemein­de­rats anbe­raumt wor­den – doch wor­über? Eine Fra­ge, die offen bleibt, das das Gre­mi­um nicht-öffent­lich getagt hat­te (weil es um Grund­er­werbs­ver­hand­lun­gen und Preis­vor­stel­lun­gen gegan­gen ist). 

„Das wol­len wir so auch”, sol­len Rott­wei­ler Stadt­rä­te nach einem Besuch im neu­en Hum­pis-Muse­um gesagt haben. Foto: Jehle/Will; Muse­um Hum­pis-Quar­tier, Ravens­burg

Die Ver­wal­tung habe auch kei­nen Favo­ri­ten, behaup­te­te Broß, wenn­gleich aus sei­ner Argu­men­ta­ti­on durch­aus klar wur­de, dass er einem Neu­bau das Wort reden wird – wenn, ja wenn nicht doch über­ra­schend der Eigen­tü­mer des Hau­ses Haupt­stra­ße 22 ver­kau­fen will und sich eine Sanie­rung als nicht zu kost­spie­lig erwei­sen soll­te. Allen im Rat habe eine Besich­ti­gungs­fahrt nach Meers­burg ins Vine­um und nach Ravens­burg zum Hum­pis-Quar­tier gefal­len – und den Wunsch geweckt, so etwas auch haben zu wol­len.

Doch spricht dafür, dass die Stadt­ver­wal­tung viel­mehr mit der alten Feu­er­wa­che grö­ße­res vor hat, dass sie sie der­zeit leer ste­hen lässt und kei­ner ande­ren Nut­zung zuführt. Sich rich­tig­ge­hend dage­gen sträubt, das zu tun.

Und doch: „Man muss noch abwä­gen, außer­dem die Öffent­lich­keit ein­be­zie­hen”, so Broß. „Wir sehen uns da zeit­lich nicht unter Druck”, ergänz­te er (obschon er zehn Jah­re für einen zu lan­gen Zeit­raum hält). Da wird klar, dass die Ver­wal­tung die Ver­hand­lun­gen in der Haupt­stra­ße mög­lichst locker füh­ren möch­te, kei­nes­falls das Signal sen­den, man sei auf einen Ver­kauf von Haus 22 ange­wie­sen.

Eins sei den drei Vari­an­ten gleich: die Kos­ten. Sie lägen um die zehn Mil­lio­nen Euro, nach den ers­ten Schät­zun­gen, mal neun, mal elf. Ver­gleich­bar, wie Broß fand. Doch steck­ten gera­de in den Bestands­ge­bäu­den und dort vor allem in jenen in der Haupt­stra­ße „Unwäg­bar­kei­ten”, wie er sag­te. „Je älter ein Gebäu­de, des­to höher das Risi­ko”, sag­te er. Ein kla­rer Bezug zum Herder’schen Haus und sei­nem Nach­barn in der Haupt­stra­ße. Das Gefäng­nis in der Hin­te­ren Höll­gas­se wur­de erst um das Jahr 1860 erbaut. Bis Herbst woll­ten sich Ver­wal­tung und Stadt­rä­te „eine Mei­nung bil­den, wie wir mit dem Kos­ten­ri­si­ko umge­hen”, so der Ober­bür­ger­meis­ter.

Das noch nichts fest­ste­he, nicht ein­mal die Vari­an­ten, unter­strich Bür­ger­meis­ter Dr. Chris­ti­an Ruf. „Es gibt ganz vie­le Unter­va­ri­an­ten”, sag­te er etwa in Bezug auf die Schlacht­haus­stra­ße, wo ein Teil des gro­ßen Bestands­ge­bäu­des ste­hen blei­ben könn­te. 

Und Broß füg­te an: „Wenn es einen vier­ten Stand­ort gibt, den wir bis­her nicht bedacht haben, dann soll­ten wir die­sen ein­be­zie­hen.” 

Info: Das Stadt­mu­se­um ist seit 1884 im Her­der­schen Haus unter­ge­bracht. Es ver­fügt über reich­hal­ti­ge Bestän­de zur Geschich­te der ehe­ma­li­gen Reichs­stadt. Kai­ser­li­ches Hof­ge­richt und Schwei­zer Eid­ge­nos­sen­schaft ste­hen im Mit­tel­punkt der Aus­stel­lung. Ein The­men­schwer­punkt ist außer­dem die All­tags­kul­tur in Rott­weil zwi­schen 1750 und 1870. Natür­lich hat auch die Rott­wei­ler Fast­nacht ihren ange­mes­se­nen Platz im Muse­um. Eine Beson­der­heit ist die Herrenkramer’sche Krip­pe, eine baro­cke Spielkrip­pe, die in der Weih­nachts­zeit „lea­big“ gemacht wird (Quel­le: Stadt Rott­weil).