Spinnerei oder genialer Einfall?

Weinhändler Grimm schlägt eine Verlängerung der geplanten Fußgänger-Hängebrücke vor - unterirdisch

17
Grimms Vision. Grafik: privat

Micha­el Grimm ist ein Rott­wei­ler Ein­zel­händ­ler. Mit Wei­nen han­delt er, mit exqui­si­ten zum Teil. Doch – wo der Schus­ter noch bei sei­nen Leis­ten bleibt, mischt sich Grimm ger­ne in die Kom­mu­nal­po­li­tik ein. Ein gebür­ti­ger Rott­wei­ler, der Ide­en hat und die­se auch ver­brei­tet. Die neu­es­te: eine Ver­län­ge­rung der geplan­ten Fuß­gän­ger-Hän­ge­brü­cke. Durch den Kriegs­damm hin­durch. Ja – unter­ir­disch. Spin­ne­rei oder genia­ler Ein­fall? Wir brin­gen Grimms Ein­las­sung im Wort­laut. Er holt weit aus, aber es ist ein schö­nes Lese­stück für hei­ße Som­mer­ta­ge.

Wir Rott­wei­ler haben JA gesagt zum Test­turm. Steht schon. Und wir haben JA gesagt zur Hän­ge­brü­cke. Hängt noch. Das Land hat Ja gesagt zu Rott­weil und der Lan­des­gar­ten­schau in unse­rer Stadt. Da geht was.

Rott­weil war bis­her in der Außen­be­trach­tung vor allem Hund und Fas­net. Aber da geht nun plötz­lich mehr. Viel mehr.

Wir sind es noch nicht gewohnt, in grö­ße­ren Dimen­sio­nen und kom­ple­xer zu den­ken und zu pla­nen. Es braucht unter­neh­me­ri­sches Enga­ge­ment und ent­spre­chen­de Fle­xi­bi­li­tät. Getrof­fe­ne Ent­schei­dun­gen müs­sen bei ver­än­der­ten Rah­men­be­din­gun­gen über­dacht und even­tu­ell auch kor­ri­giert werden……können. Auch im Gemein­de­rat und der Ver­wal­tung.

Wir haben damals JA gesagt zur Hän­ge­brü­cke und dem Anschluss an die Stadt am Bocks­hof. Aber ist die­se Vari­an­te heu­te noch rich­tig? War sie es damals? War sie es jemals?? Ich habe beim Bür­ger­ent­scheid klar für die Brü­cke gestimmt. Alles ande­re war für mich vage und offen.

Wir brau­chen eine attrak­ti­ve Ver­bin­dung vom Are­al Ber­ner Feld zur Innen­stadt. Ohne Fra­ge. Ein opti­ma­ler Shut­tle-Ser­vice als Opti­on für die Besu­cher wäre bereits jetzt drin­gend erfor­der­lich. Und wir brau­chen etwas wie eine Hän­ge­brü­cke. Aber wo soll die­se ando­cken? Für mich ist der Bocks­hof die zweit­bes­te Lösung. Es spre­chen für mich meh­re­re Grün­de für eine alter­na­ti­ve Vari­an­te.

Zum einen geht es nun nicht mehr nur dar­um, den Turm durch eine Brü­cke mit der Stadt zu ver­bin­den. Viel­leicht hät­te man frü­her schon umfang­rei­cher den­ken sol­len. Aber nun, durch die Lan­des­gar­ten­schau, braucht es eine gro­ße Lösung. Rott­weil ist weit mehr als nur 500 Meter in jede Rich­tung der Haupt­kreu­zung der Innen­stadt. War es schon immer.

Man spricht immer von den Japa­nern und deren Pro­ble­me durch die altern­de Gesell­schaft. Aber nicht die Japa­ner allein sind die ältes­te Gesell­schaft. Wir Deut­schen lie­gen gleich­auf und haben die Japa­ner even­tu­ell schon auf den zwei­ten Platz ver­drängt. Wir wer­den immer älter. Das ist groß­ar­tig und gibt uns Hoff­nung. Aber es schafft auch Pro­ble­me. Die volks­wirt­schaft­li­chen und gesell­schaft­li­chen Aus­wir­kun­gen sind hier nicht Gegen­stand der Betrach­tung. Hier geht es mir um den Rott­wei­ler Mikro­kos­mos und unse­re Topo­gra­phie. Wir lie­gen am Hang!! Und bei Ent­schei­dun­gen muss den Bedürf­nis­sen auch der älte­ren Besu­cher Rech­nung getra­gen wer­den. Die­se sind „scouts“ und Mul­ti­pli­ka­to­ren für ihre und bei ihren Fami­li­en. Die­se Besu­cher mit posi­ti­ven Ein­drü­cken und einer Bro­schü­re über die viel­fäl­ti­gen Mög­lich­kei­ten in Rott­weil wie­der nach Hau­se zu schi­cken, ist eine Chan­ce. Was Bes­se­res kann uns nicht pas­sie­ren. Neu­gie­rig gemach­te „Infi­zier­te“ sol­len kom­men, die uns dann gezielt wegen unse­rer Stadt besu­chen, län­ger ver­wei­len und auch über­nach­ten. Rott­weil als Zen­trum für Aus­flü­ge von Boden­see bis Hohen­zol­lern und vom Schwarz­wald bis auf die Alb.

Wer sich die Rei­se­ge­sell­schaf­ten anschaut, die Bus um Bus an den Turm gefah­ren wer­den, sieht schnell, dass vie­le die­ser Besu­cher eher im fort­ge­schrit­te­nen Alter sind. Schwer, sich vor­zu­stel­len, dass sich die zwei­te Hüf­te und das drit­te Knie zwar noch über die Brü­cke müht, dann über den Bocks­hof und an der Lorenz­ka­pel­le vor­bei in der unte­ren Haupt­stra­ße end­lich in die Stadt ein­dringt und dann noch den gan­zen Weg steil nach oben bis zum Hoch­turm läuft. Und dann womög­lich wie­der zurück über die Brü­cke? Scha­de, wenn sich die­se Besu­cher gleich bei Onkel Rudi’s nie­der­las­sen, um auf den Shut­tle zum Test­turm zu war­ten. Das­sel­be Pro­blem haben auch Fami­li­en mit klei­nen Kin­dern. Wir müs­sen die Ver­weil­dau­er der Besu­cher in unse­rer Stadt maxi­mie­ren. Unse­re Topo­gra­phie macht es den Besu­chern nicht ein­fach. Die­se Tat­sa­che müs­sen wir bei Ent­schei­dun­gen berück­sich­ti­gen. Frü­her bau­te man Städ­te bewusst auf Anhö­hen, um es den angrei­fen­den Frem­den schwer zu machen. Nun will man die Frem­den haben. Aber ist halt immer noch am Hang.

Und wenn die Bocks­hof-Aus­stei­ger direkt am Tafel­la­den vor­bei über den Fried­richs­platz lau­fen, gehen sie nicht gera­de durch unse­re roman­tischs­te Ecke. Und selbst wenn, ste­hen sie nur an der Haupt­kreu­zung und immer noch zu tief.

Allein aus die­sem Grund soll­te der Ein/Ausstieg auf Stadt­sei­te so hoch wie mög­lich lie­gen.

Die Brü­cke ist nun nicht mehr zen­tra­le Attrak­ti­on neben dem Turm, auf der die Besu­cher ein­fach nur hin- und her­lau­fen, son­dern „nur“ ein wei­te­res attrak­ti­ves Moment der Stadt und vor allem Bin­de­glied zwi­schen Turm und Stadt. Aber ein extrem wich­ti­ges.

Ande­re Hän­ge­brü­cken begin­nen im Wald und enden im Wald. Anders bei uns. Die geplan­te Brü­cke ist qua­si die Aor­ta zwi­schen „Sied­lung“ Ber­ner Feld und dem Herz unse­rer Stadt.

Schon am Ein­stieg auf der Turm-Sei­te soll­ten Infos über Rott­weil prä­sen­tiert wer­den, um die Besu­cher neu­gie­rig zu machen. Am Aus­stieg Stadt­sei­te soll­ten umfang­rei­che Infor­ma­tio­nen, Weg­wei­ser und Rich­tungs­hin­wei­se ange­bracht sein. Ein Info-Zen­trum mit Auf­ent­halts­ge­le­gen­heit. Fami­li­en oder Rei­se­grup­pen kön­nen, könn­ten und wer­den sich teil­wei­se bei der Ankunft in unse­rer Stadt tren­nen und eine Uhr­zeit ver­ein­ba­ren, um wie­der gemein­sam über die Brü­cke zurück­zu­lau­fen falls sie nicht den Shut­tle neh­men wol­len. Dafür braucht es einen attrak­ti­ven Ver­samm­lungs­platz. In Form eines Cafés? Das soll auch noch alles am Bocks­hof gebaut wer­den? Es geht nicht nur um das Ando­cken. Es braucht eine Infra­struk­tur. Und dafür müss­te am Bocks­hof enorm ins Gelän­de ein­ge­grif­fen wer­den.

Eine zusätz­li­che Stüt­ze genügt, um par­al­lel der Stadt­mau­er, am Bocks­hof ent­lang und UNTER der Stras­se Kriegs­damm hin­durch am Are­al Park­platz vor dem Park­haus anzu­kom­men. Durch eine Treppe/Rolltreppe oder einen Auf­zug kämen die Besu­cher auf Ebe­ne 0 in ein luf­ti­ges Atri­um (Römer) mit einem Cafe, Infos zur Stadt etc. Ein­la­dend, um War­te­zeit zu über­brü­cken, und mit groß­ar­ti­gem Blick über das Tal am Bocks­hof vor­bei. Der Shut­tle könnte/müsste hier eine Hal­te­stel­le haben, so dass vor Ort ent­schie­den wer­den kann, wie­der zurück über die Brü­cke zu gehen, oder aber den beque­me­ren Weg zu wäh­len. Im güns­tigs­ten Fall mit gro­ßen Ein­drü­cken von Stadt, Kir­chen und Muse­en, mit sat­tem Bauch und gefüll­ten Ein­kaufs­ta­schen.

Es braucht nur eine Stüt­ze mehr!! Wir spre­chen von gro­ßer Stadt­ent­wick­lung, von Neckar­strand und Zukunft. Und wir sind nicht bereit, uns eine Stüt­ze mehr zu leis­ten, soll­te die­se Lösung die eigent­lich bes­se­re sein?

Der vor­ge­schla­ge­ne Fuß­weg der Stadt könn­te vom Park­platz aus dann wei­ter in Rich­tung Näge­les­gra­ben und am Gefäng­nis, Müns­ter und Jam­bo vor­bei in die Innen­stadt gehen. Fast eben­erdig. Die Besu­cher kämen am Chris­to­pho­rus­brun­nen an. Mit­ten in der Stadt. Genau gegen­über des Stadt­mu­se­ums.

Aber es bie­ten sich mit die­ser Vari­an­te noch wei­te­re Mög­lich­kei­ten. Viel­leicht nicht beson­ders sexy und inno­va­tiv, aber die Besu­cherbähn­le funk­tio­nie­ren (https://petit-train.com). Nicht nur im Elsaß. So ein Bähn­le könn­te als „Hopp On und Off“ vie­le wich­ti­ge Punk­te der Stadt mit­ein­an­der ver­bin­den, die zu Fuß nicht zu bewäl­ti­gen wären. Vom Aus­stieg Hän­ge­brü­cke am Park- oder Eis­platz aus ent­lang der Stadt­mau­er zum Hoch­turm, auf der ande­ren Sei­te wie­der run­ter, durch den Stadt­gra­ben zum Neckar­strand und auf der still­ge­leg­ten Spur hoch zum Ber­ner Feld und zum Turm und über das Neckar­tal zurück.

So wäre auch unser Hoch­turm mit ein­ge­bun­den, allein des­sen Fuß sonst sicher weni­ge Besu­cher erkra­xeln wür­den. Man könn­te so auch die­sen Turm in einen Turm-DIA­LOG Mit­tel­al­ter und Neu­zeit ein­bau­en. Erst mit neu­es­ter Auf­zugs­tech­nik auf die Platt­form des Test­turms und spä­ter die Stu­fen im Hoch­turm erklim­men, um die tolls­te Aus­sicht auf unse­re Rott­wei­ler Dach­land­schaft zu bekom­men. Sind wir nicht Stadt der Tür­me?

Oder aber am Neckar ent­lang mit Linie 2 in Rich­tung Alt­stadt und über das Hau­ser-Are­al und Römer­bad zurück in die Stadt. Oder …

Von alters her, über Wil­lu Kirs­ner und Hau­ser „Schorsch“, hat es der Herold bei der Pro­kla­ma­ti­on schon immer ver­kün­det: „Die Zei­ten wer­den immer glanz­vol­ler!” 

Wir Rott­wei­ler müs­sen nur dar­an glau­ben und die Mög­lich­kei­ten aus­schöp­fen, um unse­re Chan­cen zu nut­zen. Wir müs­sen die ein­zel­nen Ide­en zu einer grö­ße­ren Lösung zusam­men­füh­ren. Ein­zel­ne Punk­te iso­liert zu betrach­ten, wird kei­ne stim­mi­ge Ein­heit erbrin­gen.”

UPDATE: Wie Micha­el Grimm der NRWZ-Redak­ti­on im Ver­trau­en erzählt hat, habe er den Vor­schlag schon vor Wochen beim Gemein­de­rat ein­ge­bracht. „Reso­nanz? Zwei kur­ze Kom­men­ta­re. Und die waren nicht gera­de so, als dass man Lust hät­te, das The­ma noch­mals anzu­ge­hen.” Das habe ihn dann moti­viert, das The­ma „unters Volk“ zu brin­gen.