Mobirex, die mobile Beratungsstelle gegen extreme Rechte, war jetzt auf Einladung der Grünen im Rottweiler Kapuziner zu Gast. Die Berater unterstützen und begleiten alle, die sich aktiv gegen extreme Rechte, Rassismus, Antisemitismus, aber auch Antifeminismus, Queerfeindlichkeit oder Verschwörungserzählungen stark machen. Ziel ist es, die Demokratie zu stärken, und so ging es in der Diskussion auch um eigene Diskriminierungserfahrungen.
Artur Eichin, Landtagskandidat der Grünen im Kreis Rottweil, hat davon auch jede Menge: Er ist in Polen geboren und aufgewachsen, und so wurde er oft genug nicht nur wegen seiner anfangs mangelnden Deutschkenntnisse blöd angemacht. Thomas Busch, Sprecher der Grünen und einer der Macher von „Rottweil bleibt bunt“, erzählte von der Situation in Rottweil: Zunächst gab es in der Pandemie Proteste gegen die Maßnahmen der Regierung, doch hätte die AfD diese Demos schnell für sich vereinnahmt, die Rottweiler seien dann lange von diesen „Montagsdemos“ mit Trommeln und Trillerpfeifen geplagt gewesen.
In Rottweil finden immer wieder Veranstaltungen der AfD statt, und das werde auch nicht so schnell enden, weshalb es gelte, weiter gegen rechts aufzustehen, betonte Busch. Demonstrationen und Kulturfeste gab es und wird es auch weiterhin geben, versprach er. Busch wies auf einen Workshop am 21. Februar hin, der im Umgang mit rechten Parolen stärken soll. Anmelden dafür kann man sich hier: rottweilbleibtbunt@gmx.net.
Busch berichtete vom großen gesellschaftlichen Zusammenhalt bei „Rottweil bleibt bunt“, in dem zahlreiche Organisationen, Parteien und Kirchen mitwirken. Leider seien die Freien Wähler Rottweils nicht mit dabei, die Kreistagsfraktion der Freien Wähler jedoch schon.
Die mobilen Beratungsteams von Mobirex sind beim Sozialministerium des Landes angesiedelt, sie kommen, wenn es in Schulklassen queerfeindliche Kommentare gibt, wenn rechte Gruppen Veranstaltungen stören wollen oder Verschwörungsideologien verbreitet werden. Hilfe bekommt auch, wer im Umfeld Menschen hat, die sich radikalisieren. Aufklärung und Schulung im Umgang damit gehören dazu, und es werden Informationen über Entwicklungen in den entsprechenden Szenen gesammelt. Die bekamen die Berater auch von den Rottweilern, so erzählte Stadtrat Hubert Nowack von der einen Rottweiler AfD-Stadträtin, die zwar nie etwas sagt, dafür immer mit der CDU stimmt. „Eine Brandmauer gibt es da nicht.“ Die Vertreter der AfD im Kreistag enthalten sich oft, und bei der wichtigsten Abstimmung der Legislaturperiode, als es ums neue Landratsamt ging, habe eine der AfD-Rätinnen einfach den Saal verlassen, berichtete Sonja Rajsp-Lauer.
In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass die Leute an den rechten Rändern meist sehr laut sind, es daher nötig ist, dass auch die demokratische Mitte ihre Stimme erhebt, dabei aber sachlich bleibt. Und das sowohl in den sozialen Medien als auch in Alltagssituationen. Zum Beispiel, wenn, wie Hubert Nowack erzählte, jemand sagt, „da müsste mal die SS durch“. Hier gelte es, klare Kante zu zeigen und auch auf die Strafbarkeit solcher Aussagen hinzuweisen.
Artur Eichin erzählte von seinen letzten Podiumsdiskussionen, bei denen alle Parteien vertreten waren – außer der AfD. Man stelle sich offenbar nicht so gerne der Diskussion mit Andersdenkenden. Wichtig sei es, betonte Eichin, den Menschen zuzuhören, auf gleicher Ebene, nicht von oben herab. Und sich dabei klar zu positionieren. Wie das geht, erfährt man beim Workshop am 21. Februar, kann sich aber auch an die Berater von Mobirex wenden: https://www.mobirex.de. Sie sind eng vernetzt mit anderen Beratungsstellen, so dass Unterstützung in allen Bereichen von Antidiskriminierung bis rechter Gewalt garantiert ist.
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