Weiteres Bauland? Die Stadt Rottweil zögert noch

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Neues Bauland mit letzter Reserve: die Spitalhöhe in Rottweil. Foto: gg

Neu­es Bau­land und die Ent­wick­lung einer Stadt nach außen sei­en künf­tig sehr enge Gren­zen gesetzt, argu­men­tiert die Stadt­ver­wal­tung. Sie sieht sich auf­ge­ru­fen, Bau­lü­cken zu fin­den und zu akti­vie­ren, Kon­ver­si­ons­maß­nah­men anzu­bie­ten und Flä­chen nach­zu­ver­dich­ten. „Ent­spre­chend der bis­he­ri­gen Beschluss­la­ge soll die Spi­tal­hö­he daher in meh­re­ren Teil­ab­schnit­ten für den Woh­nungs­markt erschlos­sen wer­den, um eine ver­träg­li­che Stadt­ent­wick­lung zu unter­stüt­zen”, so die Ver­wal­tung in ihrer Vor­la­ge für die Gemein­de­rats­sit­zung am Mitt­woch. Der­zeit ist der Abschnitt „Mit­te” dran, „West” wür­de noch feh­len.

Anschluss gesucht: Das neu­es­te Gebiet schließt an das bestehen­de an. Foto: gg

Der Bau­ab­schnitt Mit­te bie­tet etwa 100 Bau­plät­ze für Ein­fa­mi­li­en­häu­ser in unter­schied­li­chen Bau­wei­sen, so das Bau­amt. Dafür lie­gen der­zeit 120 Bewer­bun­gen von Kauf­in­ter­es­sen vor. Die Bau­ver­wal­tung tut sich nun schwer damit, sich auf einen kon­kre­ten künf­ti­gen Bedarf fest­zu­le­gen. Es sei jetzt wich­tig, her­aus­zu­fidnen, „wie vie­le Kauf­an­trä­ge
nach Zuwei­sung der jewei­li­gen Bau­grund­stü­cke tat­säch­lich auf­recht erhal­ten wer­den”, argu­men­tiert die Behör­de. Nicht in jedem Fal­le kön­ne der bevor­zug­te Grund­stücks­wunsch berück­sich­tigt wer­den, viel­leicht also sprin­gen Kauf­wil­li­ge noch ab.

Die Gemein­de­rats-CDU argu­men­tiert dage­gen, dass die vor­han­de­nen 101 Bau­plät­ze den Bedarf der Bau­wil­li­gen nicht annä­hernd abdeck­ten. „Es müss­ten des­halb in der Fol­ge zahl­rei­che Anfra­gen abge­wie­sen wer­den”, befürch­tet sie. „Dem­entspre­chend sind wir der Auf­fas­sung, dass gleich die wei­te­ren 49 Bau­plät­ze im „Quar­tier West“ erschlos­sen und an Bau­wil­li­ge ver­äu­ßert wer­den sol­len.”

Durch die­se Maß­nah­me kön­ne die tat­säch­lich vor­han­de­ne Nach­fra­ge bes­ser befrie­digt wer­den. Außer­dem wür­den nach dem Bezug der Neu­bau­woh­nun­gen regel­mä­ßig Woh­nun­gen an ande­rer Stel­le in der Stadt frei. Die­se stün­den dann ihrer­seits etwa wie­der Miet­in­ter­es­sen­ten zur Ver­fü­gung. „Es ver­bes­sert sich also gleich­zei­tig dort die Ange­bots­si­tua­ti­on”, so die CDU.

Die Ver­wal­tung wie­der­um sieht das ähn­lich – kommt aber zu einem ande­ren Schluss. Was die Woh­nungs­markt­si­tua­ti­on in Rott­weil ins­ge­samt angeht, sei zu berück­sich­ti­gen, dass …

  • die 100 künf­ti­gen Erwer­ber im Bau­ge­biet Spi­tal­hö­he, die über­wie­gend in Rott­weil woh­nen an ande­rer Stel­le Wohn­raum zum Erwerb oder zur Mie­te frei­ma­chen wer­den.
  • in den Stadt­tei­len par­al­lel Bau­ge­bie­te in Pla­nung sind (Gölls­dorf, Hau­sen, Neu­kirch,
    Fecken­hau­sen).
  • auch im inner­städ­ti­schen Sanie­rungs­ge­biet das Woh­nen stär­ker geför­dert wer­den soll.

Außer­dem sei „die aktu­ell über­hitz­te Situa­ti­on in der Bau­wirt­schaft” zu beden­ken, wo der „der­zei­ti­ge Bau­boom sich spür­bar in den Kos­ten­an­ge­bo­ten” wider­spie­ge­le. Und es „soll­te auch berück­sich­tigt wer­den, inwie­weit die Stadt Rott­weil in der Lage ist, die öffent­li­che Infra­struk­tur für die künf­ti­gen Bewoh­ner im erfor­der­li­chen Maß bereit­zu­stel­len.”

Im Klar­text: Die Bau­ver­wal­tung plä­diert für ein gesun­des, lang­sa­mes und über­leg­tes Wachs­tum, will kei­ne aus ihrer Sicht über­stürz­ten Ent­schei­dun­gen. 

Ande­rer­seits habe das mit dem ers­ten Bau­ab­schnitt beauf­trag­te Tief­bau­un­ter­neh­men laut Stadt­ver­wal­tung Inter­es­se an einem Fol­ge­auf­trag signa­li­siert und könn­te ab frü­hes­tens Novem­ber 2018 par­al­lel zum zwei­ten Bau­ab­schnitt im „Quar­tier West” mit Erschlie­ßungs­ar­bei­ten begin­nen. „Unter güns­ti­gen Umstän­den könn­ten so die zusätz­li­chen Bau­grund­stü­cke etwa ab Herbst 2019 für pri­va­te Bau­her­ren ver­füg­bar sein”, so die Stadt. Dabei wäre aller­dings zu berück­sich­ti­gen, dass aus ver­ga­be­recht­li­chen Grün­den eine
Anschluss­be­auf­tra­gung nur bis zu maxi­mal 15 Pro­zenz des ursprüng­li­chen Auf­trags­wer­tes bezo­gen auf die ein­zel­nen Ver­ga­be­lo­se zuläs­sig ist, schreibt die Ver­wal­tung. Das bedeu­te, dass auf die­se Wei­se nur ein Teil des west­li­chen Bau­ab­schnit­tes mobi­li­siert wer­den könn­te.

Die Ver­wal­tung schlägt daher vor, die Ent­schei­dung über eine vor­ge­zo­ge­ne Erschlie­ßung des west­li­chen Teil­ab­schnit­tes zurück­zu­stel­len bis die Grund­stücks­ver­ga­be im „Quar­tier Mit­te” abge­schlos­sen ist und min­des­tens 90 Pro­zent der Bau­grund­stü­cke in die­sem Quar­tier tat­säch­lich ver­äu­ßert wor­den sind. Par­al­lel dazu könn­ten dem­nach die wei­te­ren Pla­nungs­leis­tun­gen für das „Quar­tier West” beauf­tragt wer­den, „um gege­be­nen­falls eine kurz­fris­ti­ge Aus­schrei­bung oder Anschluss­be­auf­tra­gung ermög­li­chen zu kön­nen.” Dafür ver­an­schlagt das Bau­amt der­zeit einen Zeit­raum von drei Mona­ten.

Die Ent­schei­dung über den CDU-Antrag soll am kom­men­den Mitt­woch fal­len. Die Gemein­de­rats­sit­zung beginnt um 18 Uhr im Sit­zungs­saal des Neu­en Rat­hau­ses.

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