Wie fußballgroße Christbaumkugeln

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Nicht nur, weil man die Exponate für üppige Christbaumkugeln halten könnte, lohnt sich ein Besuch der aktuellen Ausstellung im Forum Kunst Rottweil. Unter dem Motto „kugelrund“ hat der Kunstverein Kreative eingeladen, fast fußballgroße Acrylkugeln zu gestalten. Heraus kam Nachdenkliches, Glanzvolles – und trotz der heiklen Pandemie-Situation viel Schalkhaftes und Humorvolles.

Masken, Flaschen, Spiegel – alle paar Jahre lädt Forum Kunst befreundete Kreative und im weitesten Sinne Künstlermitglieder ein, ein Format oder Rahmenthema zu bespielen – zuletzt 2014 „Ach Tannenbaum“. Und jedes Mal tat sich ein quirliges Panorama an Ideenreichtum und Ausdrucksenergie auf.

Üppiges Angebot, auch von Kreativen aus der Region: Links die Arbeit von Angela M. Flaig, rechts die von Robert Hak.

Zum Abschluss der 2020 begonnenen und pandemiebedingt verzögerten Festlichkeiten zum 50. Jubiläum des Kunstvereins gab es den Themenimpuls „kugelrund“. 81 Kreative folgten der Einladung, eine im Querschnitt 22 Zentimeter messende Acrylkugel zu bespielen.

Manche hat das inspiriert, eigene Techniken oder Handschriften gleichsam in einer runde Vitrine zu präsentieren. Andere ließen sich inspirieren, ganz Neues auszuprobieren. Da wird der runde Rohling zur Glaskugel, mit der man in Zukunft blicken kann, zum verdichtenden Prisma oder zur Blubberblase für frei aufsteigende Assoziationen.

Passgenau: Willi Bucher hat die Acrylvitrine mit seinem Leitthema Larve bespielt.

Eine davon ist die Erdkugel. So macht etwa Veronika Hageloch in einem Glasbild das Acryl-Rund zum Herzpunkt eines größeren Ganzen, in das unsere Welt eingebettet ist – was sich ebenso naturwissenschaftlich wie spirituell lesen lässt.

Auch Anspielungen auf Christbaumschmuck finden sich. Mit das schönste Beispiel hierfür bietet hier Tobias Kammerer, aus dessen Kugel die bekannten Kammerer-Farbakkorde herausleuchten.

Auch grafisch hat der Themenimpuls „kugelrund“ inspiriert.

Zu allgegenwärtig um in aktueller Kunstproduktion ganz unbeachtet zu bleiben, ist natürlich das Thema Corona. Heribert C. Ottersbach etwa hat eine Mund-Nasen-Bedeckung in seine Kugel gepackt – und man wünschte sich, es wäre eine Zeitkapsel, auf die man schon als Vergangenheit gelassen zurückschauen könnte. Thomas Finkbeiner hat ein mit giftroten Tentakeln auf uns ausgreifendes Corona-Virus in die Kugel verbannt und nennt das Ganze „Quarantäne“. Wenn man sich das Ding doch nur so leicht vom Hals halten könnte…

Schön, aber…: Der sehr an Corona erinnerde Beitrag von Thomas Finkbeiner.

Glamour-Faktor hat die die Transformation, die Robert Hak dem leidigen Thema auferlegt hat: Seine Kugel glänzt golden und ist komplett mit Reisnägeln bestückt – die nach außen piksen. Kein Zweifel: Das schaut schön aus, kann aber gehörig wehtun. Gefordert ist also Fingerspitzengefühl.

Und da sind dann noch die vielen freien Blüten, die sich durch den kugelrunden Impuls auftun: Bei Sun-Rae Kim etwa mit einem filigranen an Disteln erinnernden Objekt aus Papier oder bei Angela M. Flaig, die wunderbar poetisch wie aus einem Ei Blumensamen emporwachsen lässt. Chantal Coutu variiert mit einer Art Widder-Kopf ihr Themenfeld zu Wollwesen. Und Jürgen Knubben lässt zwei metallene Halbschalen ineinandergreifen – Geometrie und Kräfte energisch auf den Punkt gebracht.

Patinierte Stahl-Optik: Die Arbeit von Jürgen Knubben (ganz rechts).

Zu kurz kommen zum Glück auch Ironie und Humor nicht: Thomas Putze etwa lässt aus der Acrylkugel die Luft heraus, deutet zwei Hälften an, an denen eine Brille abgerutscht ist – und schon hat man die Assoziation eines geschrumpelten Hirns, das schmunzeln lässt.

Ernste Themen, aber auch ironische Umsetzungen – es gibt aktuell viel zu entdecken im Bürgersaal am Friedrichsplatz in Rottweil.

Ein Besuch der Ausstellung verspricht damit willkommene Abwechslung in der Corona-Tristesse, die ja leider sogar die Feiertage und die an sich erholsam ruhige Phase zwischen den Jahren trübt.

Info: Das Forum Kunst hat am 26. Dezember von 10 bis 13 Uhr sowie von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Zu sehen ist die Ausstellung zudem an Silvester von 14 bis 17 Uhr sowie an Neujahr und am 2. Januar von 10 bis 13 Uhr und von 14 bis 17 Uhr. Für den Besuch der Ausstellung gilt die 2G+ Regel. Die allgemeinen Hygiene- und Abstandsregeln sind weiterhin einzuhalten. Ein medizinischer Mund- und Nasenschutz ist zu tragen.

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