Wirkt: Miller-Humor gegen den Weltschmerz

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Sieben-Tage-Insolvenz, Verschwörungsleugner, zweigleisige Schwerter: Rolf Miller, der maximale Minimalist unter den Comedians, hat am Dienstag beim Ferienzauber mit kurios-klugen Verdrehungen sein Publikum exzellent unterhalten – und es zwei Stunden lang gegen allzu viel ungesunden Weltschmerz imprägniert.

Schon klar: Genau genommen gibt es derzeit nicht viel zu lachen. Und dennoch ist Humor vielleicht die beste Strategie, um mit der Welt, wie sie nunmal ist, und dem Leben als solchem klarzukommen. Rolf Miller jedenfalls macht auch in seinem vierten Programm „Obacht Miller“ genau das vor: Er pikst nicht nur Alltagsthemen, sondern auch Probleme auf, lässt sich aber nicht unterkriegen. Sondern mahlt, Buddha-gleich auf seinem Stuhl thronend, alles mit robust-ignoranter Schnoddrigkeit so klein, dass es seinen Schrecken verliert. Und irgendwie verdaubar wird.

Sitzend mahlt Miller die Themen klein. Foto: al

Zum Beispiel das „Coma-Virus“. Miller schaut einfach keine „Tagesschau“ mehr, dann prallt das leidige Thema an ihm ab „wie ein Reh an der Motorhaube“. Ähnlich die Klimakrise: Für „Freibier für Future“ hat er Sympathien und mit „Greta“ „kein Problem“ – „30 Grad, super Insel“. Selbst Putin kriegt er mit zäher Dörfler-Ignoranz zerhäckselt: „So ein Atomkrieg wäre das Ende der Menschheit – er hätte aber auch Nachteile“, bringt er letzte Fragen mit philosophischer Tiefgründigkeit auf den Punkt.

Millers Wahlspruch: „Keine Panik vermeiden!“ Foto: al

Immer gilt für Miller: „keine Panik vermeiden!“ Und: „es ist schlimmer als es aussieht“.  Er galoppiert in einen Satz oder bekannten Ausspruch hinein. Bremst dann aber scharf. Und biegt ganz anders ab, als erwartet. Freilich: Das löst noch keine Probleme. Aber es löst Sorgen-Starre und lässt befreit auflachen.

Schon viermal beim Ferienzauber: Rolf Miller. Foto: al

Millers ernst-unernstes Durchrütteln von Themen funktioniert sogar, wenn er seinem Wehrmachtslieder trällernden Opa bescheinigt, „kein Nazi“, sondern nur „ein überzeugter Mitläufer“ gewesen zu sein – was inflationär benutzte Ausflüchte als hohl entlarvt. Oder, wenn er sich an Korrektheits-Themen etwa zu Geschlechterrollen nicht herantastet, sondern wie gewohnt die humoristische Axt mitten drauf haut. Verbunden mit der Warnung, sowas dürfe man heute nicht mehr sagen.

Auch politisch wird Miller. Etwa, wenn er fragt, ob Olaf Scholz noch lebe – beziehungsweise je gelebt habe. Oder Angela Merkel bescheinigt, bei ihr habe der Satz gegolten: „Ein Mann muss tut, was ein Mann tun muss.“

Am Dienstag wurde das Publikum nicht wie tags zuvor von einem Regenguss gestresst. Foto: al

Schon viermal war Rolf Miller beim Ferienzauber – erstmals 1998, „als Heinz Ehrhard noch Kanzler war“. Wenn es nach dem heftig beklatschten Auftritt 2022 geht, wird er ganz sicher noch ein paar Mal wiederkommen.

Der Wasserturm im Ferienzauber-Gewand. Foto: al
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