Arbeiten in der Schule ohne Tafel und Kreide

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Seit zwei Wochen sind Sommerferien und dennoch treiben sich eine ganze Reihe von Gymnasiasten im Schulhaus an der Berneckstraße herum. Es geht aus dem Physikraum rüber in ein Klassenzimmer und wieder zurück, eine Schülerin meint, es sei „anstrengend“. Nach Lernen sieht das Ganze allerdings nicht aus, Stoff nachholen nach der Coronapause wäre angesagt, könnte man ja meinen.

Decken und Fassade werden  saniert

Hochbauleiter Andreas Krause klärt auf: „In den Sommerferien wollen wir die Brandschutzdecken im Schulgebäude ersetzen.“ Dazu würden die Aluminiumdecken und die darunter gestopfte Glaswolle entfernt. Später sollen in sechs Bauabschnitten die Decken dann wieder eingebaut werden. „Das werden wir mit der Schulleitung so abstimmen, dass parallel der Unterricht möglich ist.“

Andreas Krause in einem Klassenzimmer, in dem die Aludecke und die Glaswolle schon entfernt sind.

Neben den Arbeiten im Gebäudeinneren haben Gerüstbauer in den vergangenen Tagen den rückwärtigen Teil des Gymnasiums eingerüstet. In den kommenden Wochen und Monaten werden Fachleute die Fassade des Baus aus den 70er Jahren komplett sanieren.

So sieht es unter der Aludecke aus.

Schüler als Möbelpacker

Damit die Abbruchfirma ihre Arbeiten an den Klassenzimmerdecken möglichst reibungslos erledigen kann, helfen die Schüler dabei, die Klassenzimmer leer zu räumen. Erst kamen alle Schulmöbel von der vorderen Seite in die Räume Richtung Berg – und nun wieder umgekehrt. Eine zeit- und kraftraubende Arbeit, die aber nicht viele Vorkenntnisse erfordert.

„Ich hatte einige Bauchschmerzen, wie wir diese Arbeit schaffen können“, erzählt Krause. Die Schulleitung habe dann über den hausinternen Chat einen Aufruf gestartet: „Und mehr als 50 Schülerinnen und Schüler haben sich gemeldet“, staunt er. Nun gebe er drei Tage vorher einer Gruppe von Schülern Bescheid, wann sie auf der Baustelle gebraucht werden. „Das klappt sehr gut.“

Ferienjob in Coronazeiten

Während die Abbrucharbeiter ihren Job „akkurat und schnell“ erledigten, wie Krause lobt, schaffen die Schüler ihnen den entsprechenden Platz und räumen die Klassenzimmer leer. „Das ist für alle eine win-win-Situation, denn so können die Jugendlichen sich in den Ferien etwas hinzuverdienen.“ Für die Stadt sei es allemal günstiger, als eine Speditionsfirma zu beauftragen.

Michelle Minnich, die gerade eine Tisch vor sich her trägt, fand das gleich eine gute Idee: „Da kann ich mir etwas hinzuverdienen.“ Morgens gehe es um halb neun los, das sei ja noch human, findet sie und bis halb zwölf seien sie fertig. „Da bleibt noch genug Zeit, um sich zu erholen.“ Außerdem sei die Coronapause ja lange genug gewesen.

Michelle Minnich findet, die Coronapause war lang genug. Fotos: him

Krause ist zuversichtlich, dass die wesentlichen Arbeiten bis zum Schuljahresbeginn abgeschlossen sind, und der Unterricht planmäßig beginnen kann. Wenn denn Corona es zulässt.

Martin Himmelheber (him)
Martin Himmelheber (him)
... begann in den späten 70er Jahren als freier Mitarbeiter unter anderem bei der „Schwäbischen Zeitung“ in Schramberg. Mehr über ihn hier.