Bären: Alles stabil

Eigentümer weist Gerüchte um statische Probleme zurück / Rexhepi-Vertrag kam nicht zustande / Lokal öffnet Anfang Februar

Autor / Quelle: Martin Himmelheber (him)
Lesezeit 7 Min.
Der Bären steht gerade - auch wenn's auf dem Foto anders ausschaut. Foto: him

„Hass- und Lügengeschichten“ würden derzeit in Schramberg zum Thema Bären gestreut. Das meint eine Mitarbeiterin der Immobilienfirma SRG in Bad Wurzach auf Nachfrage der NRWZ. SRG-Chef Sigmar Götz nennt die Geschichten über angebliche Statikprobleme am Gebäude „vollkommen haltlos“. Ein Vertrag mit neuen Pächtern allerdings ist geplatzt.

Schramberg. Was steckt dahinter? Die Familie Götz besitzt in Schramberg unter anderem den Bären, bestehend aus Gaststätte, Hotel und Bärensaal. Jahrzehntelang verpachtete die Familie Götz das Ensemble an einen Pächter. Dann teilte man auf. Zuletzt betrieb der Caterer Holger Kappey den Bärensaal, und das Lokal nutzte er für seinen Cateringbetrieb. Das Hotel hatte Sandra Aubermann 15 Jahre gepachtet.

Im Sommer 2025 kündigte Götz den beiden Pächtern zum Jahresende wohl aus wirtschaftlichen Gründen. Götz wollte die Pacht für das Hotel erhöhen, um Sanierungsmaßnahmen zahlen zu können. Bei Kappey sind die Gründe unbekannt.

Im Herbst präsentierten sich Gurbet und Herolind Rexhepi als Nachfolger. Sie wollten Hotel und Saal selbst übernehmen, das Restaurant an Mauricio und Rosa Palmisciano unterverpachten. Das Hotel sollte zum 1. Januar, das Restaurant am 1. Februar wieder eröffnen. Der Jahreswechsel kam, aber das Hotel blieb geschlossen. Im Bärensaal wirtete beim Neujahrskonzert am 5. Januar Holger Kappey und sein Team. Es war also etwas im Busch.

Gurbet und Herolind Rexhepi mit ihren beiden Buben Sefercan-Reis und Araz-Eris bei den Vorbereitungen für eine Hochzeit im Bärensaal min November 2025. Foto: him

Vertrag mit Rexhepis kam nicht zustande

Die NRWZ hat bei Gurbet Rexhepi nachgefragt. Sie sei „vom Hotelvertrag ausgetreten“, wie sie der NRWZ berichtet.

Hauseigentümer Götz bestätigt im Gespräch mit der NRWZ, er sei sich mit Rexhepis nicht einig geworden. Das Hotel solle von jemand anderem betrieben werden, die ersten Buchungen lägen schon vor. Derzeit sei es „leerstehend“, doch für die Fasnet werde es Zimmer geben. Den Bärensaal werde seine Firma künftig selbst managen. Dazu später mehr.

Restaurant eröffnet Anfang Februar

Die Restauranteröffnung durch Mauricio und Rosa Palmisciano zum 1. Februar ist weiter so geplant. Im Internet bewerben sie schon seit Wochen das neue Lokal, das eine Kombination aus Restaurant und Bar werden soll.

Die uralten Schilder mit „Bären und Mee(h)r“ der Kappey-Vorgänger sind zugeklebt. Foto: him

Am Freitagvormittag waren die Palmiscianos mit einer Vertreterin des Eigentümers vor Ort und besprachen die Umbauarbeiten. Sie wollen unbedingt an der Fasnet dabei sein.

Über einen Artikel in der örtlichen Tageszeitung vom Freitag sind sie empört. Darin heißt es unter anderem, Leute, die das Haus kennen würden, berichteten, dass sich das Gebäude leicht nach vorne neige. Dies sei auf den Einbau einer Lüftungsanlage zurückzuführen. Außerdem gebe es Risse in den Decken, Fenster und Türen im Hotel ließen sich teilweise nicht richtig schließen.

Stadt hat keine Kenntnis von Gefährdung

Auf Nachfrage der NRWZ berichtet der Sprecher der Stadt Hannes Herrmann, die Baurechtsbehörde habe „keine Kenntnis“, dass sich das Gebäude wegen baulicher Veränderungen „nach vorne“ neige. Würde die Baurechtsbehörde von einer solchen Gefahr erfahren, würde sie sich „unverzüglich“ darum kümmern. Ziel sei dann, dass eine Gefährdung ausgeschlossen oder durch konkrete Maßnahmen beendet werde.

Weil es in der Talstadt keine eigene Halle gibt, besteht ein langjähriger Vertrag mit der Stadt, der ihr das Recht einräumt, 20 Veranstaltungen im Jahr im Bärensaal zu organisieren. Dazu gehören beispielsweise die Theateraufführungen des Theaterrings und die Seniorenfasnet. Während Corona nutzte die Stadt den Saal auch für Gemeinderatssitzungen.

Was ist dran an den Gerüchten über statische Probleme?

Holger Kappey, der bisher den Bärensaal gepachtet hatte, berichtet auf Nachfrage der NRWZ, er habe „viele Sachen“ während seiner Zeit dort beobachtet. Da die Angelegenheit bei den Anwälten liege, wolle er mehr dazu nicht sagen. Allerdings habe am Montag ein Ortstermin mit Vertretern der Eigentümer, der bisherigen Pächter und der Stadt Schramberg stattgefunden.

Kappey selbst erklärt, sein Catering-Unternehmen werde den Bärensaal bis Ende Februar betreiben. Auch den Gesellenball und die Seniorenfasnet werde er noch machen. Die ursprüngliche Kündigung sei rechtswidrig gewesen.

Verschiebungen sind marginal und unbedenklich

Auf Nachfrage der NRWZ versichert Hauseigentümer Götz, der Statiker habe am Montag gemeinsam mit Vertretern der Stadt das Gebäude angeschaut. Der Fachmann habe versichert, dass „keinerlei Gefahr“ bestehe. Sein Vater habe in den 90er Jahren einen Lüftungskanal einbauen lassen, so Götz. Schon vor Jahren sei das Thema aufgekommen, und er habe einen Statiker das begutachten lassen. Dieser habe erklärt, die Verschiebungen seien „marginal und absolut unbedenklich“.

Die angeblich nicht mehr schließenden Fenster und Türen nennt Götz „frei erfunden, da ist nichts dran“. Würde auch nur die geringste Gefahr bestehen, würde er sofort handeln und das Gebäude schließen, versichert er. “Ich würde nie etwas riskieren.“

(Eine Anfrage bei der Stadt zum Ergebnis der Besichtigung am Montag ging am Freitag um die Mittagszeit ans Rathaus. Wir werden die Antwort hier einfügen.)

Götz verwaltet Saal künftig selbst

Eigentümer Götz erläutert im Gespräch mit der NRWZ, er werde den Bärensaal künftig selbst bewirtschaften. Wer den Saal mieten möchte, könne dann selbst entscheiden, ob er die Küche neben dem Bärensaal verwenden wolle oder nicht. Der Mieter müsse dann eben dafür sorgen, dass alles wieder in sauberem Zustand übergeben werde, so Götz. Das sei dann eine „klare Sache“. In der Vergangenheit hatte es immer wieder Streit zwischen dem Pächter und Veranstaltern wegen der Küchennutzung gegeben.

Die Frage ist, ob mit diesen Bärengerüchten jemand dem geneigten Publikum einen Bären aufbinden wollte. Derjenige hat womöglich einem der wenigen Hotels in Schramberg-Tal einen Bärendienst erwiesen.

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