Kostet nur einen Bruchteil der üblichen Beetbepflanzung: die Mössinger Mischung blüht das ganze Jahr. Foto: him

Schram­berg blüht auf“ – Damit warb das gan­ze Früh­jahr über die Stadt um eine Lan­des­gar­ten­schau­teil­nah­me. Jetzt zum Jah­res­en­de legt die Ver­wal­tung einen Plan vor, wie bei den blü­hen­den Anla­gen gespart wer­den kann. Ein Wider­spruch? Karl Pröbst­le, bei der Stadt­ver­wal­tung für alles, was grünt und blüht, zustän­dig, zeig­te im Aus­schuss für Umwelt und Tech­nik, dass das nicht so sein muss.

Karl Pröbst­le bei sei­ner Prä­sen­ta­ti­on.

Im Rah­men der Haus­halts­kon­so­li­die­rung hat­te der Gemein­de­rat der Ver­wal­tung den Auf­trag gege­ben, zu prü­fen, wie bei der Pfle­ge der städ­ti­schen Grün­an­la­gen Geld gespart wer­den kann. Dar­an erin­ner­te Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Her­zog. In einem Zwi­schen­be­richt habe die Ver­wal­tung Pfle­ge­ka­te­go­ri­en defi­niert und die ein­zel­nen Grün­flä­chen die­sen zuge­ord­net. Im Früh­jahr wer­de für die Ten­nen­bron­ner Flä­chen noch­mals genau­er geschaut, kün­dig­te er an.

2226 Grünflächen in der Stadt

Pröbst­le hob zunächst her­vor, wie wich­tig gepfleg­te Grün­an­la­gen sind: Sie ver­mit­tel­ten ein „erleb­ba­res Stadt­ge­fühl“. Gera­de auch für Gäs­te sei die Begrü­ßung durch Blü­hen­des am Ein­gang zur Stadt wich­tig. Aus sei­nem umfang­rei­chen Bericht erfuh­ren die Aus­schuss­mit­glie­der, dass auf einer Gesamt­flä­che von 110 Hekt­ar in Schram­berg bis­her 2226 Grün­flä­chen erfasst wor­den sei­en. Eini­ge weni­ge Flä­chen im Außen­be­reich fehl­ten noch. Alle die­se Flä­chen sind inzwi­schen im Geo-Infor­ma­ti­ons­sys­tem (GIS) der Stadt digi­tal erfasst.

Ziem­lich gefähr­lich: Bau­hof­mit­ar­bei­ter mähen eine städ­ti­sche Grün­flä­che im Tier­stein. Der Bal­ken­mä­her ist fern­ge­steu­ert.

Dabei hät­ten die Fach­kräf­te auch jeweils fest­ge­legt, wie inten­siv die Grün­flä­che jeweils gepflegt wer­de – das reicht von der exten­si­ven Pfle­ge ein­mal im Jahr über die Stan­dard­pfle­ge bei Spiel­plät­zen und Grün­an­la­gen bis hin zur Inten­siv­pfle­ge in der Innen­stadt und im Park der Zei­ten. Jeweils knapp die Hälf­te der gesam­ten Grün­flä­chen fällt in die ers­ten bei­den Kate­go­ri­en. Nur etwa vier Pro­zent wer­den inten­siv gepflegt – die­se Flä­chen bin­den aber etwa ein Vier­tel der Arbeits­kraft.

Klimawandel: „Bäume im Backofen”

Weil die Som­mer tro­cke­ner und wär­mer wer­den, stel­len die Gärt­ner die Bepflan­zun­gen um. “Wir brau­chen Pflan­zen, die zwei, drei Wochen ohne gie­ßen aus­kom­men“, so Pröbst­le. Des­halb pflan­ze die Gärt­ne­rei ver­mehrt Baum­ha­sel und Ess­kas­ta­ni­en, die aus tro­cke­ne­ren Län­dern stamm­ten. Die hei­ßen Som­mer sei­en für die Bäu­me eine Tor­tur: „Über dem Asphalt herr­schen Tem­pe­ra­tu­ren bis 70 Grad, das ist wie im Back­ofen.“

Um bei der Pfle­ge Kos­ten zu spa­ren, haben die Stadt­gärt­ne­rin­nen gut 1300 Qua­drat­me­ter städ­ti­scher Bee­te exten­si­viert. Statt die Blu­men drei Mal im Jahr aus­zu­tau­schen, wach­sen in etli­chen Pflanz­trö­gen und Bee­ten nun immer­grü­ne Pflan­zen oder Blu­men aus der „Mös­sin­ger Mischung“.  Beim Schau­beet am Schloss habe die Stadt pro Jahr bis­lang fast 10.000 Euro für die Beet­pfle­ge bezahlt, jetzt kom­me man mit der Hälf­te aus, erläu­ter­te Pröbst­le. Drei Mal frisch pflan­zen kos­te pro Qua­drat­me­ter etwa 250 Euro, Mös­sin­ger Mischung ein­sä­en 25 Euro.  

Baumkataster mit 4858 Bäumen

Eine wei­te­re Rie­sen­auf­ga­be war es, sämt­li­che Bäu­me auf städ­ti­schem Boden zu erfas­sen. Das sind 4858 Bäu­me, etwa 1500 Bäu­me in Wald­mös­sin­gen feh­len noch. Der Vor­teil des digi­ta­len Baum­ka­tas­ters: “Unser Mit­ar­bei­ter kann die vor­ge­schrie­be­nen Baum­kon­trol­len vor Ort rechts­si­cher doku­men­tie­ren.“

Auf den 34 städ­ti­schen Spiel­plät­zen sind die Bau­hof­leu­te fünf bis neun Mal pro Jahr am Werk. Für die 28 Spiel­flä­chen außer­halb von Wald­mös­sin­gen haben die Bau­hof­mit­ar­bei­ter etwa 3400 Arbeits­stun­den für die Pfle­ge und Repa­ra­tu­ren auf­ge­wandt. Etwa 125.000 Euro Bau­hof­leis­tun­gen hat die Stadt dafür abge­rech­net.

Um die Kos­ten wei­ter zu sen­ken, prü­fe die Ver­wal­tung, wel­chen Grün­an­la­gen der höchs­ten Pfle­ge­stu­fe zurück gestuft wer­den könn­ten, wo man das Mähen redu­zie­ren könn­te und wel­che Kleinst­spiel­plät­ze zu Guns­ten von Schwer­punkt­spiel­plät­zen auf­ge­ge­ben wer­den könn­ten.

Pfle­ge­auf­wand redu­ziert: Pflanz­trog am Para­dies­platz.

Der Aus­schuss nahm den Bericht mit Bei­fall ent­ge­gen. OB Her­zog erläu­ter­te, dass das Kon­zept der Schwer­punkt­spiel­plät­ze vom Gemein­de­rat beschlos­sen sei und im Stadt­ge­biet kei­ne Spiel­punk­te ent­fernt wer­den sol­len, son­dern ganz klei­ne, kaum genutz­te Spiel­flä­chen wie an der Stei­ge oder der Goe­the­stra­ße zu ein­fa­chen Grün­an­la­gen umge­wan­delt wer­den sol­len. „Es geht nicht um die Spiel­punk­te in der Innen­stadt“, stell­te er klar.