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Montag, 17. Februar 2020

Grünanlagen: Sparen ohne Verlust

Verwaltung legt Grünkonzept mit Sparvorschlägen vor

„Schramberg blüht auf“ – Damit warb das ganze Frühjahr über die Stadt um eine Landesgartenschauteilnahme. Jetzt zum Jahresende legt die Verwaltung einen Plan vor, wie bei den blühenden Anlagen gespart werden kann. Ein Widerspruch? Karl Pröbstle, bei der Stadtverwaltung für alles, was grünt und blüht, zuständig, zeigte im Ausschuss für Umwelt und Technik, dass das nicht so sein muss.

Karl Pröbstle bei seiner Präsentation.

Im Rahmen der Haushaltskonsolidierung hatte der Gemeinderat der Verwaltung den Auftrag gegeben, zu prüfen, wie bei der Pflege der städtischen Grünanlagen Geld gespart werden kann. Daran erinnerte Oberbürgermeister Thomas Herzog. In einem Zwischenbericht habe die Verwaltung Pflegekategorien definiert und die einzelnen Grünflächen diesen zugeordnet. Im Frühjahr werde für die Tennenbronner Flächen nochmals genauer geschaut, kündigte er an.

2226 Grünflächen in der Stadt

Pröbstle hob zunächst hervor, wie wichtig gepflegte Grünanlagen sind: Sie vermittelten ein „erlebbares Stadtgefühl“. Gerade auch für Gäste sei die Begrüßung durch Blühendes am Eingang zur Stadt wichtig. Aus seinem umfangreichen Bericht erfuhren die Ausschussmitglieder, dass auf einer Gesamtfläche von 110 Hektar in Schramberg bisher 2226 Grünflächen erfasst worden seien. Einige wenige Flächen im Außenbereich fehlten noch. Alle diese Flächen sind inzwischen im Geo-Informationssystem (GIS) der Stadt digital erfasst.

Ziemlich gefährlich: Bauhofmitarbeiter mähen eine städtische Grünfläche im Tierstein. Der Balkenmäher ist ferngesteuert.

Dabei hätten die Fachkräfte auch jeweils festgelegt, wie intensiv die Grünfläche jeweils gepflegt werde – das reicht von der extensiven Pflege einmal im Jahr über die Standardpflege bei Spielplätzen und Grünanlagen bis hin zur Intensivpflege in der Innenstadt und im Park der Zeiten. Jeweils knapp die Hälfte der gesamten Grünflächen fällt in die ersten beiden Kategorien. Nur etwa vier Prozent werden intensiv gepflegt – diese Flächen binden aber etwa ein Viertel der Arbeitskraft.

Klimawandel: „Bäume im Backofen“

Weil die Sommer trockener und wärmer werden, stellen die Gärtner die Bepflanzungen um. “Wir brauchen Pflanzen, die zwei, drei Wochen ohne gießen auskommen“, so Pröbstle. Deshalb pflanze die Gärtnerei vermehrt Baumhasel und Esskastanien, die aus trockeneren Ländern stammten. Die heißen Sommer seien für die Bäume eine Tortur: „Über dem Asphalt herrschen Temperaturen bis 70 Grad, das ist wie im Backofen.“

Um bei der Pflege Kosten zu sparen, haben die Stadtgärtnerinnen gut 1300 Quadratmeter städtischer Beete extensiviert. Statt die Blumen drei Mal im Jahr auszutauschen, wachsen in etlichen Pflanztrögen und Beeten nun immergrüne Pflanzen oder Blumen aus der „Mössinger Mischung“.  Beim Schaubeet am Schloss habe die Stadt pro Jahr bislang fast 10.000 Euro für die Beetpflege bezahlt, jetzt komme man mit der Hälfte aus, erläuterte Pröbstle. Drei Mal frisch pflanzen koste pro Quadratmeter etwa 250 Euro, Mössinger Mischung einsäen 25 Euro.  

Baumkataster mit 4858 Bäumen

Eine weitere Riesenaufgabe war es, sämtliche Bäume auf städtischem Boden zu erfassen. Das sind 4858 Bäume, etwa 1500 Bäume in Waldmössingen fehlen noch. Der Vorteil des digitalen Baumkatasters: “Unser Mitarbeiter kann die vorgeschriebenen Baumkontrollen vor Ort rechtssicher dokumentieren.“

Auf den 34 städtischen Spielplätzen sind die Bauhofleute fünf bis neun Mal pro Jahr am Werk. Für die 28 Spielflächen außerhalb von Waldmössingen haben die Bauhofmitarbeiter etwa 3400 Arbeitsstunden für die Pflege und Reparaturen aufgewandt. Etwa 125.000 Euro Bauhofleistungen hat die Stadt dafür abgerechnet.

Um die Kosten weiter zu senken, prüfe die Verwaltung, welchen Grünanlagen der höchsten Pflegestufe zurück gestuft werden könnten, wo man das Mähen reduzieren könnte und welche Kleinstspielplätze zu Gunsten von Schwerpunktspielplätzen aufgegeben werden könnten.

Pflegeaufwand reduziert: Pflanztrog am Paradiesplatz.

Der Ausschuss nahm den Bericht mit Beifall entgegen. OB Herzog erläuterte, dass das Konzept der Schwerpunktspielplätze vom Gemeinderat beschlossen sei und im Stadtgebiet keine Spielpunkte entfernt werden sollen, sondern ganz kleine, kaum genutzte Spielflächen wie an der Steige oder der Goethestraße zu einfachen Grünanlagen umgewandelt werden sollen. „Es geht nicht um die Spielpunkte in der Innenstadt“, stellte er klar.

 

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