Jesus im Straßengraben

Inzwischen ist der Corpus in der Werkstatt und das Ärgernis beseitigt.

Das Feldkreuz bei Waldmössingen am 3. Januar.... Foto: him

Als am 3. Jan­u­ar Sturmtief Brun­lind über Deutsch­land fegte, hat  der Orkan nicht nur Däch­er abgedeckt und Bäume gefällt. Zwis­chen Wald­mössin­gen und Heili­gen­bronn krachte auch ein Wegkreuz ab. (Wir haben darüber berichtet.)

…und zwei Monate später am 3. März. Foto: pri­vat

Dass ein Sturm ein solch­es Sand­steinkreuz ist ungewöhn­lich. Doch dass es auch mehr als zwei Monate später noch kaputt im Schnee liegt, das ver­ste­hen in Wald­mössin­gen die Leute nicht. Zumal das Kreuz nicht irgend­je­man­dem gehört, son­dern der katholis­chen Kirche höch­st­per­sön­lich. Und die lässt ihren ober­sten Her­rn im Dreck liegen.

Diözese weiß Bescheid — seit 17. Januar

Anruf bei Ortsvorste­herin Clau­dia Schmid. „Wir haben gestern darüber im Ortschaft­srat disku­tiert.“ Nach dem Sturm habe sie zunächst her­aus­find­en müssen, wem das Kreuz gehört. Am 17. Jan­u­ar habe sie die Diözese Rot­ten­burg-Stuttgart informiert. Der zuständi­ge Herr habe auch ver­sprochen, er werde sich drum küm­mern und einen Stein­metz beauf­tra­gen, das Kruz­i­fix zu repari­eren.

Die Fas­net kam und ging. Und der Herr Jesus lag immer noch am Straßen­rand. Dann kam der Schnee und deck­te den Kor­pus wenig­stens ein wenig zu. Inzwis­chen ist er wieder aufgetau(ch)t.

Der Ortschaft­srat und viele Wald­mössinger sind stinkig, ob der Pietät­losigkeit mit dem Hei­land im Schneematsch. Ver­ständlich sei der Ärg­er, meint der Sprech­er der Diözese Rot­ten­burg, Uwe Renz.

Er hat her­aus­ge­fun­den, dass „das Feld­kreuz, das sich auf einem kirch­eneige­nen (Pfründ­s­tiftung) land­wirtschaftlich genutzten Grund­stück befind­et, am 3. Jan­u­ar infolge des Sturms Bur­glind“  umstürzte. Es sei auch richtig, dass die Gemein­de­v­er­wal­tung „am 17. Jan­u­ar im Bis­chöflichen Ordi­nar­i­at anmah­nte, das umgestürzte Kreuz zu ent­fer­nen und zu repari­eren“.  Es hat dann allerd­ings fast vier Wochen gedauert, bis die Grund- und Bau­ver­wal­tung im Bis­chöflichen Ordi­nar­i­at (BO) schließlich „am 9. Feb­ru­ar einen Auf­trag dafür an einen Stein­met­z­be­trieb“ gegeben hat.

Steinmetz: “Immer Hektik”

Dieser Betrieb habe dem BO zuge­sagt, das Kreuz in der siebten Kalen­der­woche – das war die Fas­netswoche — für die Reparatur abzu­holen. „Dies ist offen­bar bis dato nicht geschehen“, ver­merkt der Sprech­er trock­en. Die Experten im BO bedauerten dies und find­en das ganze „ärg­er­lich“, schreibt Press­esprech­er Renz, „zumal sie den Stein­met­z­be­trieb aus­drück­lich bat­en, das Kreuz zeit­nah zu holen, um kein Ärg­er­nis her­vorzu­rufen.“

Und was sagt der Stein­metz? „Das Kreuz holen wir die Woche noch ab“, ver­spricht der Chef am Tele­fon. Auch ihm ist die Sache unan­genehm, aber in seinem Vier-Mann-Betrieb seien zwei Leute schon länger erkrankt. „Es ist grad immer Hek­tik.“ Aber das Mate­r­i­al sei bestellt, das Kreuz aus­gemessen. Er werde es nun rasch holen und repari­eren.

Und so geschah es,  kaum zwölf  Stun­den nach dem Anruf hat­te Roland Holz­er das  abge­broch­ene Kreuz mit dem 20 Kilo­gramm schw­eren Cor­pus zu sein­er Werk­statt in See­dorf gebracht. „Das Sand­steinkreuz wird durch ein neues erset­zt“, kündigt Holz­er an, “der Chris­tus aufgear­beit­et und wieder befes­tigt.“ 

Stein­metz Roland Holz­er mit den Teilen des Feld­kreuzes bei Wald­mössin­gen. Fotos: him

Die Ursache für den Bruch hat der Stein­metz auch schon aus­gemacht: Ein ver­rosteter Stahls­tift im Sand­stein des Kreuzes habe den ver­wit­terten Sand­stein gesprengt, ist Holz­er überzeugt. Von „Bur­glind“ brauchte es nur noch einen Schuck­er.

Amen.