Markus Klek: Zurück in die Steinzeit

Schramberger Paläotechniker bereitet sich auf Wanderung in Schweden vor

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Auf ein ganz besonderes Abenteuer bereitet sich derzeit Markus Klek im Falkenstein vor: Ende Februar möchte er in Schweden durch die Winterlandschaft im Jämtland wandern. Das Besondere ist Kleks Ausrüstung: „Ich wandere, wie jemand, der am Ende der letzten Eiszeit, so vor 15.000 Jahren gelebt hat.“

Schramberg. Klek, der sich seit vielen Jahren mit dem Leben der Menschen in der Steinzeit beschäftigt, war vor einem Jahr von Schramberg nach Freiburg gewandert. (Wir haben berichtet. ) „Das war natürlich viel weniger Aufwand als dieses Mal“, weiß Klek. Im Schwarzwald habe er sich bestens ausgekannt. „Diesmal geht es durch die Pampa.“

Fotograf und Fernsehteam

Auch werde er in Schweden solo unterwegs sein. Am ersten Tag will ein Fotograf für eine Outdoor-Zeitschrift Fotos machen. „Auch ein Team von ZDF-TerraX History wird zum Start nach Åre kommen.“ Das Fernsehteam plane einen 20-minütigen Beitrag für den eigenen YouTube-Kanal .

Als Startort hat sich Klek den Wintersportort Åre ausgesucht. Von dort aus möchte er Richtung Süden wandern. 230 Kilometer in zwei Wochen hat er sich vorgenommen. In der Nähe verlaufe ein berühmter Wanderweg, der Kungsleden Trail.   Das sei aber nicht mit Wanderwegen im Schwarzwald zu vergleichen. „Das ist nur ein Trampelpfad.“

Er bereite sich auf alles vor, hoffe aber natürlich auf Schnee. Bei den Temperaturen ist Klek gespannt: In diesem Winter zeigte das Thermometer schon mal minus 30 Grad in der Gegend. Derzeit schwanken die Temperaturen um den Gefrierpunkt. „Das wäre natürlich angenehmer.“

Kleidung wie vor 15.000 Jahren

Denn Klek wird sich kleiden, wie es den Menschen vor 15.000 Jahren möglich war: In Fellhose und Fellmantel, alles aus selbst gegerbten Fellen mit Lederriemen vernäht. Auch seine Ausrüstung wie Rucksack und Schlitten hat Klek selbst hergestellt. Das Werkzeug ist ebenfalls steinzeitmäßig: Steinbeil, Fettschaber oder Messer. Schlafen wird er in einem Fellschlafsack.

Für den Schlitten hat er diesmal eine andere Konstruktion als bei der Schwarzwaldtour gewählt: Zwei dünne Bretter eng nebeneinander platziert dienen als Kufen. „Die gleiten extrem gut“, hat er bei Tests festgestellt. Mit Harz und Fett hat er die Kufen präpariert.

Von seinem Schwarzwald-Marsch und den dabei gemachten Erfahrungen profitiert Klek auch bei anderen Ausrüstungsdingen. Damals bekam er gegen Ende nasse Füße: „Ich habe mir neue Stiefel geschustert.“ Und weil es in Schweden sicher kälter wird, hat er Hosen, die innen fellgefüttert sind, genäht.

Schabwerkzeug fürs Ledergerben. Foto: him

Trockenobst und Räucherspeck

Proviant nimmt er ebenfalls eine große Portion mit. „Ich mach‘ keinen Survivaltrip“, stellt er klar. Deshalb packt er geräucherten Speck ein, viel zuckerhaltiges Dörrobst. Vielleicht auch Pemmikan, wie es die nordamerikanischen Indianer aßen. Er messe nicht ab, wie viel er einpacke, „ich mache das gefühlsmäßig“, meint Klek.

Auf den Schlitten werde er die Lebensmittel packen und im Rucksack die Schlafausrüstung tragen. Daneben hat er sein Steinzeitfeuerzeug mit Zunder dabei und etwas Werkzeug, um unterwegs Material und Kleidung reparieren zu können.

Klek stellt klar: „Es ist ganz wichtig, flexibel zu sein. Ich kann nie an einem fixen Plan festhalten.“ Das betrifft die Wegstrecke und das genaue Ziel. Da spiele so viel mit: Das Wetter, die Ausrüstung, die körperliche Fitness.

Er hat sich die Route so ausgedacht, dass er wirklich abseits der Straßen und Siedlungen unterwegs sein wird. Aber auch wieder so, dass er in einem Tagesmarsch doch aussteigen und in die Zivilisation zurückkehren könnte. Auch gibt es in der Gegend Schutzhütten, in denen er zur Not übernachten könnte.

Karte, Kompass und Smartphone

Auf einen GPS-Tracker wird Klek verzichten. „Ich will nicht leichtsinnig sein“, versichert er, „aber es muss schon noch ‚irgendwie richtig‘ sein.“

Drei steinzeituntypische Dinge packt Klek allerdings doch ein: Karte und Kompass. „Ich war bei den Pfadfindern, damit kann ich umgehen.“ Und drittens ein Smartphone. „Die Verbindungen sind da oben nicht gut, aber ich möchte meine Tour dokumentieren.“ Dafür reichen das Smartphone und eine Solarlademöglichkeit.

Von unterwegs werde er Bilder auf Instagram und Facebook hochlanden, wenn es gerade funktioniert. Er werde die Bilder aber auch an Exarc.net  schicken. Das ist eine internationale Gruppe von Leuten, die sich für Archäologie interessiert und sein Abenteuer unterstützt. Apropos unterstützen: Derzeit läuft noch eine Crowdfunding Aktion für die Schwedentour. Wer Klek bei seiner Tour unterstützen möchte….

Wow, die konnten nähen

Ihm ist wichtig, nicht nur für sich persönlich eine besondere Erfahrung zu machen. Klek möchte den Menschen etwas vermitteln: „Viele haben keine oder nur rudimentäre Vorstellungen vom Leben in der Eiszeit.“ Mit seinen Berichten, Videos und Vorträgen möchte er das ändern. „Ich zeige, dass ich richtige Stiefel anhabe“, berichtet er. Die Reaktion sei oft: „Wow, die konnten schon nähen…“

Mit seiner Tour wolle er zeigen, dass es möglich war, mit dieser Ausrüstung unter solchen klimatischen Bedingungen zu überleben und auch auf längeren Strecken unterwegs zu sein.

Seit einem viertel Jahr bereitet sich Klek auf sein Abenteuer vor Er hat sich über Gegend schlau gemacht, die Geografie studiert, aber auch die Tier- und Pflanzenwelt. „Da bin ich drauf gestoßen, dass die Ecke von Schweden die raubtierreichste Gegend Europas ist“‚ erzählt Klek und lacht: „Da gibt’s Braunbären, Vielfraße, Luchse und Wölfe.“

Aber natürlich auch Polarfüchse, Rentiere und Elche. Richtige Sorgen machen ihm Braunbär und Co aber nicht. Für Mai und Juni plant er bereits ein Steinzeitcamp in Spanien: „Lebe mit uns wie in der Steinzeit.“

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